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Konzertsaal-Debatte:Neues Konzept bringt Paketposthalle wieder ins Rennen

Paketposthalle in München
(Foto: Stephan Rumpf)
  • Derzeit wird mit zwei privaten Investoren über den möglichen Standort eines neuen Konzertsaals verhandelt.
  • Bisher galt ein Gelände im Werksviertel als Favorit.
  • Aber eine Investorengruppe hat nun ein vielseitiges Konzept für die alte Paketposthalle vorgelegt, das wirtschaftlich rentabel sein soll.

Von Christian Krügel

Das Ringen um den rechten Ort und das beste Konzept für einen neuen Konzertsaal in München könnte spannender werden als erwartet. Bislang galt ein Areal im Werksviertel am Ostbahnhof als klarer Favorit. Doch die Investorengruppe, die in die alte Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke unter dem Projektnamen "Die Resonanz" eine neue Philharmonie bauen möchte, wirbt nicht nur stark bei Politik, Wirtschaft und Künstlern für ihre Idee.

Sie hat der Staatsregierung nun auch ein Betriebs- und Finanzierungskonzept für das Projekt vorgestellt. Dessen Fazit: Auf dem Areal könnte eine ganze Musiklandschaft mit drei Sälen, Ausstellungsflächen, Tonstudios und Räumen für die Musikhochschule entstehen - und auch noch wirtschaftlich betrieben werden.

Was der aktuelle Stand ist

Derzeit verhandelt ein Lenkungsausschuss der Staatsregierung mit zwei privaten Investoren: mit Werner Eckart, Pfanni-Erbe und Besitzer großer Areale im neuen Werksviertel, und mit einer Gruppe um den Immobilienentwickler Matthias Niemeier, den Anwalt Josef Nachmann sowie die (Landschafts-)Architekten Andrea Gebhard und Joachim Jürke. Ministerpräsident Horst Seehofer möchte möglichst in der Kabinettssitzung vom 15. Dezember einen Entscheidungsvorschlag von Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) für einen endgültigen Standort haben.

Eine Expertise, welche die Staatsregierung in Auftrag gegeben hatte, sah das Areal im Werksviertel deutlich vor der Paketposthalle. Doch die Investorengruppe um Niemeier gibt sich längst nicht geschlagen: Über Thomas Goppel, einst Kunstminister und heute Präsident des Musikrats, wirbt sie kräftig in der CSU-Landtagsfraktion - dem Vernehmen nach mit großem Erfolg. Auch die CSU in Neuhausen-Nymphenburg trommelt kräftig. Für Sonntagabend, 20 Uhr, lädt sie zu einer Podiumsdiskussion über das Projekt ins Backstage, zu der auch Spaenle kommen wird - nicht in seiner Funktion als staatlicher Verhandlungsführer, sondern als Chef der Münchner CSU, wie es heißt.

Stärkster Trumpf der Investorengruppe könnte ein Gutachten über die Wirtschaftlichkeit und den Betrieb der neuen Musikstadt sein, das nach SZ-Informationen diese Woche der Verhandlungsgruppe vorgelegt wurde. Pikant dabei: Erstellt hat es ausgerechnet die Kulturmanagement- und Beratungsfirma Actori, die im Frühjahr für Stadt und Freistaat geprüft hatte, ob es überhaupt einen neuen Konzertsaal für München braucht.

Wie das Konzept aussieht

Die Berater schlagen vor, in der Paketposthalle richtig groß zu denken. Außer einem Konzertsaal mit 1900 Plätzen könnte dort ein mehrfach teilbarer Multifunktionssaal für etwa 800 Zuhörer und ein Auditorium genannter Raum für rund 300 Gäste entstehen. Neben einer Philharmonie fehle nämlich in der Stadt auch ein Saal mittlerer Größe, etwa für Kammermusik.

Der kleine Saal sei "zwingend notwendig bei einer ergänzenden wirtschaftliche Nutzung". Hinzu kämen etwa 700 Quadratmeter für Tagungsräume, 4000 für mögliche Ausstellungen, 1500 für Restaurants und Bistros und bis zu 3000 Quadratmeter für Foyers, die auch vielfach nutzbar sein sollten. Kernaussage von Actori ist, dass das neue Musikzentrum wirtschaftlich rentabel sein könnte, wenn man dort auch frei vermietbare Kapazitäten für Tagungen und Kongresse schaffen würde.

Um das zu belegen, simulieren die Berater in dem Gutachten die Belegung der Säle. Prämisse ist dabei, dass der Bayerische Rundfunk und seine Orchester Hauptmieter sind und auch ein entsprechendes Erstbelegungsrecht haben. Daneben bliebe aber Raum für weitere Münchner Orchester wie etwa die Symphoniker oder das Kammerorchester, für bis zu 270 Gastspiele auswärtiger Ensembles und bis zu 50 Konzerte aus dem Bereich Jazz oder Filmmusik. Und weil genügend Platz sei, ließen sich auch Räume für die Musikhochschule und sogar ein Kindergarten mit musischem Profil einrichten.

Wie das Konzept Geld abwerfen könnte

Sollte das Konzept aufgehen, könnte ein Überschuss von bis zu 700 000 Euro im Jahr erwirtschaftet werden, glauben die Actori-Berater, die den Betrieb komplett durchgerechnet haben. Für den Betrieb schlagen sie zwei Varianten vor: Freistaat und private Förderer könnten eine Trägerstiftung gründen, die dann wiederum eine Objektgesellschaft beauftragt, den Betrieb zu managen.

Oder die Stiftung übernimmt gleich selbst den Betrieb. Bei allen Modellen gehen die Berater freilich davon aus, dass der Freistaat oder die Stiftung den gesamten Komplex der Investorengruppe abkauft. Das sei langfristig günstiger als eine Erbpachtlösung. Der Haken daran: Der Investorengruppe gehört das Areal noch nicht, die Post muss erst mit ihrem Briefverteilzentrum ausziehen. Darüber werde gerade intensiv verhandelt, heißt es.

© SZ vom 13.11.2015/axi
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