Was läuft im Pop?Hier tanzt man in München durch den Sommer

Lesezeit: 3 Min.

Percussionistin, Songwriterin, Geschichtenerzählerin und Erscheinung: Kasiva Muta aus Kenia gastiert im Muffatwerk.
Percussionistin, Songwriterin, Geschichtenerzählerin und Erscheinung: Kasiva Muta aus Kenia gastiert im Muffatwerk.
Ellie Obati

Das Muffatwerk verlängert rhythmisch seine Geburtstagsfeier,  der Theatron-Musiksommer startet, und am Königsplatz spielen Tream und Nick Cave groß auf. Noch mehr Popstars wie Mark Forster findet man im Umland.

Von Michael Zirnstein

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Sommerpause?  Gibt's im Pop nicht. Wenn die Theater ihre  Mitarbeiter in den Urlaub schicken und die Kulissen einmotten, drehen die Konzertveranstalter so richtig auf. Durchmachen heißt die Devise. Im Fall des Münchner Muffatwerks schon seit 33 Jahren, was angesichts der Umdrehungszahl einer Langspielplatte ein durchaus feiernswertes Jubiläum ist. Immer weiter rotieren, obwohl die Stadt den privaten Betreibern zuletzt ihren Zuschuss heftig gekürzt hat. Dabei leistet das Muffatwerk so viel für München.

Kann man das alles anhand eines Songs erzählen? Natürlich nicht, und doch schaffte „One Song“ von Miet Warlop zu Beginn der 33-Jahre-Feier genau das: ein Theaterstück, sportlicher Dauerlauf, Tanz, Artistik, Songwriterkunst, Komik, ein Konzert und eine Energie, mit der man die Isar flussaufwärts laufen lassen könnte. Längst vorbei, leider, aber nach dem „Muffatfest“ mit Jesper Munk, Telquist und Ceci (24. Juli) geht es so energetisch weiter: Die Gilsons reisen aus Brasilien an. Verbandelt mit dem Tropicalismo-Pionier Gilberto Gil,  treibt das Latin-Grammy-nominierte Trio seine Fans mit hippen Samba-, Reggae- und Bahia-Sounds an (27. Juli).

Feine Música Popular Brasileira bringen die  Gilsons  nach München.
Feine Música Popular Brasileira bringen die Gilsons nach München.
Muffatwerk

Die Münchner Latin-Szene ist zudem schon ganz heiß auf das Konzert von Charlie Segura y su Orquestra La Sucursal. Die Kolumbianer spielen Salsa Dura, den rauen, bläsergetriebenen Sound der Siebzigerjahre in New Yorker und lateinamerikanischen Salsa-Schuppen (25. Juli). Ein weiteres Rhythmus-Spektakel in der Muffathalle bietet dann Kasiva Mutua: Die Kenianerin gilt als „visionäre Trommlerin“,  wird als Percussionistin ebenso gefeiert wie als Songwriterin und Geschichtenerzählerin, die von Spiritualität und den Stärken der Frauen ihres Landes singt (12. August).

Festival im Backstage
:Was beim „Free & Easy“ in München geboten ist

Zur 30-Jahr-Feier des „Free & Easy“ spendiert Münchens Rock-Zentrale 200 Konzerte, Partys, Aktionen und mehr. Auf den einen oder anderen Programmpunkt dürfte selbst das „Wacken Open Air“ neidisch sein.

Von Michael Zirnstein

Das Muffatwerk macht viel, aber nicht alles in München: Der Musiksommer im Theatron bietet von 31. Juli an einen Monat lang zwei oder mehr Gratiskonzerte pro Abend.  Ebenso kostenlos sind die gut 200 Veranstaltungen im Backstage beim „Free & Easy“-Festival bis 9. August. Mit einer Ausnahme: Für New Model Army muss man ein Ticket für etwa 50 Euro kaufen, wobei Justin Sullivan und seine 1980 gegründeten Brit-Rock-Pioniere es freilich immer wert sind, nicht nur ihr ewiger Indie-Dancefloor-Hit „51st State“ (26. Juli).

Mehr Pop-Programm im Sommer gibt es hier: In der Milla etwa Mur aus „Islands vulkanischem Underground“, die sehr düster-kunstvollen Metal mit Jazz-Lavakern spielen (12. August). Am selben Tag im Live-Evil Chat Pile mit „Noiserock wie ein Vorschlaghammer“. Im Technikum nicht weniger muskulös Fu Manchu, die seit 1985 mit Hardrock über US-Sportwagen, Chopper, Skateboardschuhe und Science Fiction abräumen (11. August). Und im Import Export das Phre-Festival mit explosiver Dance-Musik aus aller Welt (31. Juli bis 22. August).

Der Schlager-Rapper Tream macht am 14. August auf dem Königsplatz Party.
Der Schlager-Rapper Tream macht am 14. August auf dem Königsplatz Party.
Viktor Schwenk

Nur wer im Pop-Mainstream mitschwimmen und nicht auf die großen Königsplatz-Open-Airs mit Tream (14.8.), Seiler & Speer (15.8.), David Garrett (21.8.) und Nick Cave (23.8.) warten möchte, muss dann doch aus der Stadt raus und bei den Festivals im Umland schauen: Zum letzten Mal nach zwölf Jahren in Eching (der neue Ort ist noch nicht bekannt) steigt die Brass Wiesn, diesmal mit den Headlinern Oimara, Edmund, Shantel und Rian (30. Juli bis 2. August). In der (vielleicht ein wenig kühlenden ) Eissporthalle Erding gibt es ein sommerliches Programm mit den „Hamma“-geilen Culcha Candela (26.7.), den Glamrock-Oldies The Sweet (27.7.) und feinem Deutsch-Pop von Loi und Kamrad (28.7.).

Der Fußball ruht, Mark Forster dreht auf: Der Sänger kommt in die Arena Kaltenberg (hier ist er beim EM-Fan-Fest 2024 auf der Münchner Theresienwiese zu sehen).
Der Fußball ruht, Mark Forster dreht auf: Der Sänger kommt in die Arena Kaltenberg (hier ist er beim EM-Fan-Fest 2024 auf der Münchner Theresienwiese zu sehen).
Sven Hoppe

Fans von Pop aus Deutschland können dann gleich weiterreisen zum Veranstaltungs-Forum in Fürstenfeldbruck, wo zuerst Pietro Lombardi Party macht (29.7.) und danach Max Giesinger singt (30.7.). Und wer schon unterwegs ist, nimmt noch Mark Forster mit in der Arena Kaltenberg (1.8.). Das schöne Puls-Open-Air auf dem dortigen Schloss-Gelände gibt es längst nicht mehr, aber immerhin mischt die Jugendwelle des BR noch bei den Stadtsommerkonzerten beim Augsburger Gaswerk mit. Einmal mit der Puls Musikanalyse Blockparty mit dem Rapper OG Keemo und Friends (12.8.), dann noch bei Startrampe Live mit Durchstartern wie Jassin, Kayla Shyx und Nae (13.8.). Wem das zu jung und hipp ist, der wird bei Deutschlands Ambient-Weltstar Schiller bestens bedient (10. August) oder noch chilliger von Gert Steinbäcker, dem „ersten S von STS“, der am  14. August eventuell auch Hits seines Ur-Austro-Pop-Trios spielen wird wie „Großvater“. Zwischen „I wui wiada ham“ („Fürstenfeld“) und „Irgendwann bleib I dann durt“ wird jeder seinen Pop-Platz im Sommer finden.

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