„Entweder bringen wir uns alle gegenseitig um – oder wir lernen zu teilen, was wir teilen können.“ Es war kein Politiker, der diesen Appell am 21. April 2005 an Israelis und Araber, aber auch an die Welt richtete. Es war Daniel Barenboim, der an diesem Tag in Ramallah im Westjordanland mit seinem West-Eastern Divan Orchestra ein Konzert gab, eine Arte-Doku zeugt davon. Seine Musikerinnen und Musiker, Israelis, Palästinenser und Vertreter arabischer Staaten, waren zuvor mit Diplomatenpässen der spanischen Regierung ausgestattet worden, um die Einreise überhaupt möglich zu machen.
Niederschmetternd ist, wie weit man heute allein von der Möglichkeit dieses Entweder-oder entfernt zu sein scheint. Weiter als jemals zuvor. Und Barenboims Vision eines friedlichen Miteinanders, wie es das West-Eastern Divan Orchestra seit seiner Gründung ganz praktisch zu leben versucht, erscheint noch nicht mal mehr utopisch, sondern komplett unmöglich. Musik schafft keine Waffenruhe, von dauerhaften Frieden gar nicht zu sprechen. Und doch lässt der 81-jährige Dirigent, der dieses besondere Orchester-Projekt 1999 zusammen mit seinem Freund, dem palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said ins Leben rief, nicht von der Hoffnung. Am Donnerstag, 31. Oktober, kommt der Maestro mit seinem Orchester nach München in die Isarphilharmonie, mit Mendelssohn Bartholdys „Italienischer“ und Brahms Symphonie Nr. 4 e-Moll op. 98.
Dort spielt zuvor, am Dienstag, 22. Oktober, einer, der ebenfalls an die Kraft der Musik, aber auch an das klare Wort glaubt: Pianist Igor Levit. Unlängst beim Abschied Barenboims als Generalmusikdirektor der Staatskapelle Berlin und dem Einstand seines Nachfolgers Christian Thielemann, erinnerte Levit an das Massaker der Hamas an über 1200 Israelis vor einem Jahr. Er spielte dort Mendelssohn und Schönberg, in München werden es Bach, Brahms und Beethoven sein.

Für das Levit-Konzert dürften Karten ähnlich schwer noch zu bekommen sein, wie für den Abend mit einem Klavier-Gespann, das man sich so erst mal gar nicht zusammen denkt: Yuja Wang und Vikingur Olafsson. Sie, lässig, souverän, modern, autonom, glamourös, als Fashionista, stets mit stratosphärisch hohem Schuhwerk unterwegs. Er, ebenfalls eine Ausnahmeerscheinung, die gute Erzählungen fürs Marketing anbietet, isländisch spröde, scheu, still. Jetzt also zusammen am Sonntag, 27. Oktober, in der Isarphilharmonie mit einem spannungsreichen Programm (Berio, Cage, Nancarrow, Adams, Pärt und Rachmaninow).

Olafssons Mutter ist Klavierlehrerin, Wangs Vater Perkussionist, und Johannes Huber, Jahrgang 2003, der am Donnerstag, 24. Oktober, sein Debütkonzert im Planegger Kupferhaus geben wird, kommt ebenfalls aus einem musikalischen Haushalt. Sein Papa ist der große Liedpianist Gerold Huber. Sohn Johannes, der mit sechs Jahren mit dem Klavierspielen begann, präsentiert Bachs Partita Nr. 1, Prokofjews Sonate Nr. 9 und Schumanns Kreisleriana.
Und noch einer, in dessen Kindheit das Klavier allgegenwärtig war. Teodor Currentzis wuchs in Athen als Sohn einer Pianistin auf. Das Konzert mit seinem, pathetisch, Utopia genannten Orchester am Freitag, 1. November, in der Isarphilharmonie ist beinahe ausverkauft. Zumindest jene, die Karten erworben haben, scheint seine wie auch immer geartete Nähe zu Putin und seinen Bankern nicht zu stören.

