Was läuft im Pop in München?Böse Geister und gute Bekannte bei den Konzerten zum Jahreswechsel

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Der Weg zurück wird kein leichter sein. Immerhin aber bekommt Xavier Naidoo, hier beim Konzert am 16. Dezember in Köln, zweimal die Olympiahalle voll beim Comeback-Versuch.
Der Weg zurück wird kein leichter sein. Immerhin aber bekommt Xavier Naidoo, hier beim Konzert am 16. Dezember in Köln, zweimal die Olympiahalle voll beim Comeback-Versuch. (Foto: Andreas Rentz/Getty Images)

Xavier Naidoo versucht in der Olympiahalle zwei Abende lang sein Comeback, Bushido verabschiedet sich von der Bühne. Neues und Altes gibt es bei Auftritten von Peter Licht, „In Extremo“, Dota, Maxi Pongratz und den „Bananafishbones“.

Von Michael Zirnstein

Immer soll man vorausschauen zum Jahresende: auf die Ereignisse, auf die man sich freut oder die über einen hereinbrechen werden. Dabei will man lieber gerade mal innehalten. Kein Wunder, dass nach Weihnachten so viele Konzerte eher schöne alte Erinnerungen heraufbeschwören und bewahren. Es sind ja gerade alle da, die man gerne hat. Auch die Musiker.

Seit wie vielen Jahrzehnten eigentlich spielen die Bananafishbones nach ihren Weihnachtskonzerten daheim im Bad Tölzer Kurhaus auch unplugged im Münchner Volkstheater (2. Januar)? Jedes Jahr meist auch mit neuen The Cure-Covers im Programm, von denen sie eigentlich mal ein Album herausbringen sollten. Dabei haben sie vor, bald wieder eine neue eigene Platte zu machen – seit wie vielen Jahren eigentlich schon?  Egal, über das Tölzer Trio und sein riesiges Œuvre („Easy Day“) kann man sich immer freuen.

Und Sänger Sebastian Horn ist auch noch mit seinem zweiten Ensemble Dreiviertelblut unterwegs (im Lustspielhaus am 7. und 21. Januar). Bei den 3/4-ern spielt zudem der Bassist Benny Schäfer, der wiederum mit seiner Schulfreunde-Jazz-Combo Max.Bab wie an allen Jahresenden in der Unterfahrt feinsinnig Wiedersehen feiert (am 29. und 30. Januar). Das ist einfach ein bisschen rührender als bei der Jazzrausch Bigband, die ja quasi alle zwei, drei Tage im Bergson Kunstkraftwerk auftritt, seit sie dort Hausband ist (am 9. und 10. Januar spielt sie dort: „Goethes Breakdown“).

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Und wo trifft sich die Münchner Szene für den Jahresend-Blues? Diesmal im Giesinger Bahnhof. Dort lädt Albert Pöschl an zwei Abenden zu Feierlichkeiten seines Indie-Labels Echokammer und spielt auch mit zwei seiner zahlreichen Bands selbst: am ersten Abend mit der diesmal achtköpfig besetzten Seventies-Band Sound Of Money und dem Berliner Oska Wald (29. Dezember), tags darauf dann mit dem Hamburger Unikum Knarf Rellöm das erste Mal wieder live seit 20 Jahren mit seinen Eighties-Knallern Queen of Japan.

Pflichttermin und Klassentreffen für die Münchner Musikfreunde ist auch das Konzert von Der Englische Garten, jener Münchner Soul-Pop-Gruppe mit „leichter Musik für schwere Zeiten“, die sich ausgerechnet nicht nach dem hiesigen Lieblingspark, sondern einem Zitat von John Lennon benannt hat („Sitting in an English Garden waiting for the sun“). Leider sehr aktuell ist der Titel der wütenden Single, die die Band am Freitag, 9. Januar, in der Milla vorstellt: „Egomanische Despoten“.

Feingemacht hatten sich die „Bananafishbones“ für ihr 25. Weihnachtskonzert vor einem Jahr  daheim im Tölzer Kurhaus.
Feingemacht hatten sich die „Bananafishbones“ für ihr 25. Weihnachtskonzert vor einem Jahr  daheim im Tölzer Kurhaus. (Foto: Harry Wolfsbauer)

Es war ein ereignisreiches Jahr für Maxi Pongratz: Anlässlich des Olympiahallen-Konzertes von Dicht & Ergreifend hatte er sich mit seinen Oberammergauer Gefährten sogar zur Volks-Folk-Supergroup Kofelgschroa wieder vereint. Jetzt macht er alleine weiter, und das als frischgekürter Träger des großen Passauer Scharfrichterbeils: „Die Wörter ziehen in den Kampf gegen die eigene Zunge: hochmusikalisch, mit existenzieller poetischer Tiefe“, rühmte ihn die Jury. Das darf man – wie die vier Vorab-Singles schon zeigen – auch bei seinem vierten Solo-Album „rum & num“ erwarten, das Mitte Januar erscheint und aus dem der Volksmusik-Dadaist auch am 14. Januar bei der großen Premiere im Volkstheater spielen wird.

Ist jetzt offiziell bewaffnet: Der Volksmusik-Dadaist Max Pongratz (vorne) als Gewinner des großen Passauer Scharfrichterbeils im Kreise der Kabarett-Kollegen.
Ist jetzt offiziell bewaffnet: Der Volksmusik-Dadaist Max Pongratz (vorne) als Gewinner des großen Passauer Scharfrichterbeils im Kreise der Kabarett-Kollegen. (Foto: Stefan Schopf)

Und auf welche Besuche lieber Bekannter freuen sich die Münchner Musikfreunde noch? Die wunderbar musikalische wie geistreiche und soziale einstige Straßenmusikerin Dota Kehr kommt in die Muffathalle zurück, mit dem neuen Album „Springbrunnen“ (15. Januar). Der wunderbar griesgrämige Schöngeist Peter Licht ist mal nicht auf dem „Sonnendeck“, sondern hier: Im Carl-Orff-Saal des Fat Cats wird der einstige Kammerspiele-Inszenator und „dienstälteste, in jedem Fall kunstvollste Kapitalismuskritiker“ aus seinem neuen Buch lesen und Musik spielen (14. Januar).  Und die Mittelalter-Rocker Nummer 1, In Extremo, wollen zum Abschluss ihres 30. Bandjahres im Zenith die Macht der Rauhnächte beschwören (29. Dezember).

Brennt nicht mehr für die Kunst: Bushido, hier beim Konzert 2024 in der Olympiahalle, geht auf Abschiedstournee.
Brennt nicht mehr für die Kunst: Bushido, hier beim Konzert 2024 in der Olympiahalle, geht auf Abschiedstournee. (Foto: Florian Peljak)

Wobei wir bei alten Geistern angekommen wären, die man manchmal besser ruhen lässt. Xavier Naidoo ist zurück. Das Problem ist nicht, dass er wieder Soul macht, den viele ja hymnisch feiern, zuletzt auch Shirin David. Das Problem ist, was dazwischen war: antisemitische Sprüche, Reichsbürger-Kuscheln, Verschwörungsgeschwurbel. Gut, der Mannheimer hat sich entschuldigt, wie man das so tut heutzutage: drei Minuten lang auf Youtube für jahrelanges geistiges Geisterfahren, das erscheint wenig. Zwei Abende lang in der Olympiahalle hätte er nun ausreichend Zeit, sich zu erklären und um Vergebung zu bitten (8. und 9. Januar).

„Alles wird gut“, würde man ja gerne sagen, aber den Titel hat sich der Berliner Rapper Bushido für seine Tour reserviert (22. Januar, Olympiahalle). Und das, weil er und seine Familie in den vergangenen Jahren so viel Ärger in der Öffentlichkeit hatten, dass er erst mal Abschied nimmt, weil er sich sagt: Irgendwann muss auch Ruhe sein.

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