Was läuft im Jazz?:Aus Nah und Fern

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Die bosnisch-slowenische Sängerin Mirna Bogdanović, zweifache Gewinnerin des Deutschen Jazzpreises, tritt am 8. Juni in der Unterfahrt auf. (Foto: Dovile Sermokas)

Die besten Konzerte heimischer, nationaler und internationaler Jazz-Größen im Mai und Juni.

Von Oliver Hochkeppel

Wenn der Jazz-Kalender nach den Frühlingstourneen und vor den Sommer-Festivals etwas luftiger ist, sieht man erst so richtig, was man an der eigenen Szene hat. Ein Aktivposten ist zum Beispiel der junge Sänger Kilian Sladek, der schon unterschiedlichste Projekte vom Scat-Album „Syllabulism“ bis zur Tony-Bennett-Hommage an den Start gebracht hat. Nun präsentiert er in der Unterfahrt sein neues Programm „Downtown“, das sich mit Popsongs, Jazzstandards und eigenen Stücken ins bunte Großstadtleben stürzt (1.6.).

Ebenfalls einen Slot in der Unterfahrt (5.6.) bekommt Vlado Grizelj, ein Routinier der heimischen Szene und gleichzeitig deren vielleicht meistunterschätzter Gitarrist. Mit der Band Etna hat er schon vor mehr als 20 Jahren zwischen Fusion- und Worldjazz geglänzt. Auf seinem neuen Album „Purple Sky“ setzt er zum einen seinem Vater und seiner Heimatstadt Sarajewo ein Denkmal, zum anderen geht es zurück zu seiner frühen Liebe zum Funk- und Souljazz der Sechziger- und Siebzigerjahre.

Ein Heimkehrer ist der Rosenheimer Weltenbummler Holger Scheidt, der Jahre in Frankreich, Spanien und den USA verbrachte. Von diesen Stationen hat er viele Einflüsse in seinem innovativen Modern Jazz verarbeitet, wie man beim Auftritt seines bärenstarken Quartetts mit Peter Ehwald am Saxofon, Matthias Lindermayr an der Trompete und Matthias Gmelin am Schlagzeug im Bayerischen Hof wird hören können (11.6.).

Freilich hat er starke Konkurrenz, denn in der Unterfahrt beginnt das viertägige Gastspiel des Pablo Held Trios – bekanntlich aus Köln, aber als ein langjähriges Flaggschiff des Münchner Pirouet-Labels auch irgendwie hier beheimatet. Obendrein kommt das deutsche Trio-Aushängeschild mit der amerikanischen Saxofonistin Melissa Aldana als Stargast (11. bis 14.6.). Und in der monatlichen „Jazz+“-Reihe in der Seidlvilla steht [ʃelest] auf dem Programm, das neue Berliner All-Star-Trio des Gitarristen Ronny Graupe mit der Sängerin Lucia Cadotsch und dem Pianisten Kit Downes (11.6.).

Womit wir bei zwei weiteren Berliner Attraktionen sind. Zum einen die bosnisch-slowenische Sängerin Mirna Bogdanović, die als zweifache Gewinnerin des Deutschen Jazzpreises – 2021 für das Debüt des Jahres, 2024 für das Album des Jahres – in der Unterfahrt antritt (8.6.). Und dann sollte es mit dem Teufel zugehen, wenn Till Brönner am 16. Juni nicht sein Nachholkonzert in der Isarphilharmonie bestreiten könnte.

Internationale Jazzstars wie hier das Emile Parisien Quartet aus Frankreich finden Ende Mai und Anfang Juni ihren Weg in die Unterfahrt. (Foto: Samuel Kirszenbaum)

Da sind wir nun bei den internationalen Jazzstars angelangt, von denen natürlich ebenfalls etliche wieder den Weg nach München finden. Schon Ende Mai geht es in der Unterfahrt mit dem französischen Sopransaxofonisten Emile Parisien (28.5.), der kanadischen Klarinettistin Virgina MacDonald (30.5.) und dem norwegischen Pianisten Helge Lien (31.5.) los, es folgen im Juni die New Yorker Pianisten Martha Sanchez (4.6.) und Dan Tepfer (6.6.). Sowie die junge schweizerisch-amerikanische Saxofonistin und Sängerin Maria Grand, deren Konzert am 22. Juni schon deshalb Pflicht ist, weil sie ihr Trio mit dem Vibrafonisten Joel Ross verstärkt hat, der derzeit in aller Munde ist.

Selbst die Jazzbar Vogler bekommt außer von local heroes wie Melanie Bong (28.5.), Maximilian Höcherl (31.5.) oder Claus Raible (6.6.) Besuch von internationalen Cracks wie Roberto Bossard (29.5.), Pascale Elia (7.6.) oder Manu Desroches (20.6.).

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