Was läuf in den Münchner ClubsHeiße Live-Sets für kalte Nächte

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Marcel Dettmann ist Resident-DJ des Techno-Tempels Berghain.
Marcel Dettmann ist Resident-DJ des Techno-Tempels Berghain. (Foto: Timothy Schaumburg)

Miss Kittin gibt als Kittin ein Comeback im Blitz Club, Marcel Dettmann konserviert dort den technoiden Aufbruchsgeist der Berliner Wendejahre, und DJ Hundefriedhof bringt in der Roten Sonne einen trashigen Spaßfaktor mit.

Von Martin Pfnür

Der sogenannte Electroclash gehört heute zu jenen Spielarten der elektronischen Musik, die ein wenig ins Abseits geraten sind. Schade eigentlich, denn die Zusammenführung von New-Wave-Trockeneiskühle und Neunzigerjahre-Techno entwickelte mitunter einen derart bezirzend verbritzelten Appeal, dass man sich schon fragen kann, warum es diese Musik nicht so recht ins Jahr 2025 hinübergeschafft hat.

Mit der französischen DJ, Sängerin und Produzentin Caroline Hervé aka Miss Kittin taucht nun unter ihrem neuen Alias Kittin schönerweise eine lang vermisste Pionierin dieses Sounds wieder aus der Versenkung auf. Was für eine wunderbare Nachricht Hervés Wiederkehr darstellt, wird dabei umso deutlicher, wenn man sich noch einmal in die herrlich sinistre Musik versenkt, die sie solo oder als Miss Kittin & The Hacker (mit ihrem Landsmann Michel Amato) in den frühen Nullerjahren aus dem Hut zauberte. Gehören Tracks wie die bitterböse Popularitätsreflexion „Frank Sinatra“ oder die Kraftwerk-Hommage „1982“ doch bis heute zu den Sternstunden musikalischer Unterkühltheit, auf die man womöglich auch bei Kittins Set am 22. November im Blitz Club hoffen darf.

Ungebrochener Popularität erfreut sich hingegen der hünenhafte Marcel Dettmann (29. November, Blitz Club), auch bekannt als „Wikinger“. Verwunderlich ist das nicht, denn einerseits zählt Dettmann als Produzent eines rauen, nachtschwarzen und brettlharten Techno-Sounds zu jenen Figuren, die den technoiden Aufbruchsgeist der Berliner Wendejahre erfolgreich konserviert haben. Und andererseits steht er als Resident-DJ des Techno-Tempels Berghain dort bereits seit einer Zeit hinter den Decks, in der das Berghain noch Ostgut hieß – seit einem guten Vierteljahrhundert also, was man so wohl nur mit der Konstitution eines Wikingers hinbekommt.

Ungleich sanfter wird es indes am 2. Dezember in der Muffathalle zugehen, wenn dort Marcel Heym alias Orbit zu seinem Live-Set bittet. Mit einem digital-analogen Indietronic-Sound, so warm, astral und ätherisch, dass er sich wie eine musikgewordene Umarmung anfühlt, hat der junge Bedroom-Bastler aus der Bremer Pampa seit seinen Anfängen im pandemischen Jahr 2020 ganz offensichtlich einen Nerv getroffen.

Ablesen lässt sich das etwa an Streaming-Zahlen jenseits der 27 Millionen, was für einen Musiker ohne Label dann doch mehr als erstaunlich ist. In der Muffathalle stellt Orbit nun sein Debütalbum „Countless Feelings But So Few Words“ vor – ein Titel übrigens, der kaum passgenauer sein könnte für diese zehn hübsch verwehten Coming-Of-Age-Songs.

Internet-Gaga-Guru DJ Hundefriedhof (rechts) kommt mit seiner Partnerin Lexia Starnum in die Rote Sonne.
Internet-Gaga-Guru DJ Hundefriedhof (rechts) kommt mit seiner Partnerin Lexia Starnum in die Rote Sonne. (Foto: DJ Hundefriedhof)

Bleiben noch drei Live-Gaben, die am Nikolaus-Wochenende verteilt werden. Da wäre etwa das bratzige Duo Kompromat, bestehend aus dem tollen französischen Electro-Frickler Vitalic und der zwischen Französisch, Deutsch und Englisch changierenden Sängerin Rebeka Warrior, das am 5. Dezember in der Roten Sonne an einer Renaissance des besagten Electroclash-Sounds arbeitet.

Das Berliner Trio Komfortrauschen reiht sich am 6. Dezember im Kulturhaus Milbertshofen an Gitarre-Schlagzeug-Bass auf wunderbar stramme Weise in die Nischentradition des handgemachten Techno ein. Und mit dem herzallerliebsten Modularsynthiezausel und pseudoesoterischen Internet-Gaga-Guru DJ Hundefriedhof (7. Dezember, Rote Sonne) präsentiert sich schließlich einer, der mit seiner Partnerin Lexia Starnum zwischen Techno, Goa, Electro und Psytrance einen trashigen Spaßfaktor mitbringt, der in der weiten Welt der elektronischen Musik ziemlichen Seltenheitswert genießt.

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