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Konzert:Wieder mal das Salz vergessen

Mine und Fatoni singen und rappen über die Tiefen und Untiefen des Beziehungsalltags.

Über die Liebe einen Song zu schreiben, klappt für gewöhnlich dann am besten, wenn sie unerfüllt bleibt und man seine Sehnsucht und seinen Liebesschmerz mehr oder weniger ungefiltert in die Welt hinausschreien kann. Das kann zwar ebenfalls sehr peinlich werden, aber zumindest des Mitleids der anderen in Liebesdingen Leidenden ist man sich dabei weitgehend sicher. Schwieriger wird es, wenn man über den Liebes- und Beziehungsalltag schreiben will, und dann nicht nur einen Song, sondern ein ganzes Album.

Die Mainzer Popsängerin Mine und der Münchner Rapper Fatoni haben genau das gewagt. "Alles Liebe nachträglich" heißt ihr gemeinsames Werk, das im Oktober erschienen ist und das sie nun am Samstag, 16. Dezember, im Technikum vorstellen.

Statt um den Überschwang an unerwiderten Gefühlen geht es darin, wie es in den deutschen Beziehungshaushalten der Generation Y wohl so ist, um die vergessene Milch oder das Salz, den schlechten Tatort, den ungeklärten Kinderwunsch oder die Steuererklärung. Das wird von Mine und Fatoni meist mit sympathischer Ironie und angenehmem Zynismus serviert, ufert aber immer wieder mal in einer leicht peinlichen Klischee-Anhäufung aus. Dazu ertönen theatralische Streicher und Elektrobeats, teilweise auch poppige NDW-Anleihen.

An einer Stelle schwankt auch der Indie-Schlager-Popper Tristan Brusch liebeskrank vorbei und singt Sätze wie: "Ich will dein schönes Blut aussaugen". Das bringt willkommene Abwechslung in den musikalischen Beziehungsalltag, den Mine und Fatoni ansonsten mit viel Anstand meistern.

Mine & Fatoni, Samstag, 16. Dezember, 19 Uhr. Verlegt ins Technikum, Grafinger Str. 6. Tickets gibt es hier.

© SZ EXTRA vom 14.12.17/axi
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