Pop-Konzerte in München:Die sportlichsten Shows zur Fußball-EM

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Keine Berührungsängste mit Sport: Gerd Baumann (r.) und Sebastian Horn von „Dreiviertelblut“ beim Spendenlauf Giro di Monaco. (Foto: Stephan Rumpf)

Stadion-Hymnen der anderen Art spielen „Dreiviertelblut“ zusammen mit den Münchner Symphonikern in der Isarphilharmonie, während sich Münchner Bud-Spencer-Aficionados als schlagkräftiger Fan-Chor empfehlen.

Von Michael Zirnstein

Es könnte ein epischer Kampf werden, der zumindest in seiner Länge jedes Fußballspiel überbietet: „Schlag den Star“ am Sonntag, 2. Juni, 20.15 Uhr, auf ProSieben. Was dieser Hinweis denn in einem Text über Münchner Pop-Ereignisse zu suchen habe, darf sich der kritische Leser zu Recht fragen. Antwort: ein bisschen was. Denn der Münchner Sender hat bei der (zugegeben in Köln aufgezeichneten) TV-Show zwei Entertainment-begabte Münchner Ex-Fußballer eingeladen: Markus Babbel und Mehmet Scholl, beide einst unter anderem beim FC Bayern aktiv und gemeinsam 1996 mit der Bundes-Elf Europameister – also ein lustiger Ansatz, ihre Freundschaft zwölf Tage vor Start der EM mit 100 000 Euro Preisgeld einem Stresstest zu unterziehen.

Ach so, ja, was läuft dabei im Pop so? Immerhin ist Mehmet Scholl nicht nur ein Kumpel (und beinahe-Praktikant) der Band Sportfreunde Stiller, sondern auch ausgewiesener Brit- und Indierock-Experte. Zumindest hat der Meister der losen Zunge, anders als ARD-Fußballexperte, bei seiner Bayern-2-Sendung „Mehmets Schollplatten“ zusammen mit Achim Bogdahn zwölf Jahre lang bis 2021 für keinen allzu unbedachten Spruch öffentlich zu Kreuze kriechen müssen. Und seine vier kundigen CD-Kompilationen sind immer noch feine Zeitzeugnisse vergangene Pop-Epochen – 2004 auf „Vor dem Spiel ist nach dem Spiel 1“ etwa stellte er „Yellow“, den ersten Hit von Coldplay (heuer am 15., 17. und 18. August im Olympiastadion), „One With The Freaks“ der hiesigen Szene-Stars The Notwist gegenüber.

Kann er an vergangene Ruhmestaten anknüpfen? Platten-Label-Boss Mehmet Scholl, hier als Abbild in der ehemaligen Spielerkabine des FC Bayern München im Olympiastadion. (Foto: Natalie Neomi Isser)

Champions-League-Sieger Scholl ist auch im Pop vernetzt wie ein Kreisliga-Platzwart. Er ist beteiligt am Münchner Label Millaphon, das die Platten des Münchner Pop-Adels von Ringlstetter, über Balloon Pilot bis Henny Herz veröffentlicht. Und auch die des Unikums Angela Aux, halb Bundeskanzlerin, halb Audioeingangsbuchse. Dieses seltsam hybride Alter Ego des Singer-Songwriters, Konzeptkünstlers, Performance-Lyrikers und Politologen Flo Kreier gibt es am Donnerstag, 30. Mai, auf der Bühne des Volkstheaters zu bestaunen. In seinem Programm „Space Is The Place“ geht es auch um die menschliche Sehnsucht, den Planeten zu verlassen – was Nicht-Fußball-Fans schon jetzt vor der EM nachvollziehen können.

Scholls Kompagnon bei Millaphon, der Filmmusik-Professor Gerd Baumann, versucht sich derweil an einer Fusion von Fußball und orchestraler Musik: Mit seinem Anti-Folklore-Ensemble Dreiviertelblut pfeift er am 12. Juni in der Isarphilharmonie den großen Abend „You’ll Never Play Alone“ an. Gemeinsam mit dem Orchester der Münchner Symphoniker und der Big Band Pestalozzi Brass & String will man „mit bekannten Hymnen den Fußball hochleben lassen“, wobei es beim cineastischen 3/4-Klassiker „Sturm“ auch wiederum nicht um Kicker wie Thomas Müller geht.

Münchens schlagkräftigster Gesangsverein: der Bud Spenzer Heart Chor. (Foto: Bud Spenzer Heart Chor)

Ein fußballfreies Alternativ-Programm zur EM bietet Baumann in seinem Pop-Club Milla (an dem nicht Scholl, wohl aber Peter Brugger von den Sportfreunden beteiligt ist): Hier darf man sich am 12. Juni zum Beispiel über die Indie-Popstars Teenage Dads aus Melbourne freuen (die haben ein lustiges „Ritter der Kokosnuss“-artiges Video zu „Tale of a Man“); am 22. Juni über das millionenfach geklickte Ehepaar Addie Nicole und Bradley Amick, das als Halocene Heavy Metal mit Harry Styles und Britney Spears kurios-virtuos verrührt; oder am 27. Juni über den Bud Spenzer Heart Chor, Münchens schlagkräftigsten Gesangsverein, der die Musik aus allen Buddy-Filmen schon beim Bud-Spencer/Terence-Hill-Treffen vor 4500 Gästen schmetterte. Mit so einem Fan-Chor bräuchte man keinen Gegner fürchten.

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