Kritik:Furor, Witz und Eleganz

John Eliot Gardiner triumphiert mit Mozart und Haydn in der Isarphilharmonie.

Von Reinhard Brembeck, München

Große Musiker sind immer auch große Träumer, und das gilt natürlich erst recht für den Dirigenten John Eliot Gardiner, er wird in drei Monaten 80 Jahre alt. Als junger Mann nach dem letzten Weltkrieg gehörte er zu jenen Träumern, die nichts damit anfangen konnten, wie seinerzeit Wolfgang A. Mozart und Joseph Haydn gespielt wurden, ganz zu schweigen von den Schändlichkeiten, die noch älteren Komponisten angetan wurden.

Deshalb vergruben sich damals Gardiner, Nikolaus Harnoncourt, Jordi Savall und eine kleine Gruppe etwas weniger erfolgreicher Musiker in den Archiven, kümmerten sich um den Nachbau alter Instrumente, reanimierten vergessene Aufführungspraktiken, gründeten eigene Ensembles und hatten nach langen Dürrejahren dann riesige Erfolge. Gardiner hatte seine bis heute überzeugenden Großerfolge mit Claudio Monteverdi, Johann Sebastian Bach, Mozart und Ludwig van Beethoven. Seine vielen Aufnahmen beweisen ihn als poetisch eleganten Musiker voller revolutionärem Feuer und Witz, der stets unangestrengt die Sinnhaftigkeit des Moments mit der Stimmigkeit der Großform abzugleichen weiß.

All das führte Gardiner jetzt auch wieder in der gut besuchten und zuletzt befreit jubelnden Isarphilharmonie vor, zusammen mit seinen vorwiegend mit Frauen besetzten und mitreißend spielenden English Baroque Solists, die in Haydns 84. sowie Mozarts Linzer Sinfonie gerade in den Bläserpassagen mit apokalyptischen Abgründen überraschten, die später Richard Wagner zu seinem Markenzeichen machte. Vor allem aber war Eleganz angesagt, besonders in Mozarts Sinfonia concertante. Bratschist Antoine Tamestit spielte mit dem Selbstbewusstsein eines modernen Klassikstars, Isabelle Faust aber, hörbar erfahrener in Sachen historische Aufführungspraxis, blendete viel Ego aus, atmete mit der Gardiner-Truppe und bezauberte gerade deshalb.

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