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Konzert in der Olympiahalle:A-ha sind zurück - mit angezogener Handbremse

A-Ha performs in Zurich

Wieder vereint, wieder auf Tournee - aber ohne die große Euophorie auszulösen: A-ha auf der Bühne.

(Foto: dpa)

Die Helden der Achtziger feiern ihr Comeback bei einem Konzert in der Olympiahalle. Aber der Funke will nicht überspringen.

A-ha sind zurück. Ja, genau die A-ha, also Morten Harket, Pal Waaktaar-Savoy und Magne Furuholmen, die aus den Achtzigern. Und die, die sich eigentlich schon aufgelöst hatten. Vor sechs Jahren hatte sich das norwegische Trio offiziell getrennt, man sei müde, ausgelaugt, in einer kreativen Krise, hieß es. Aber da inzwischen nichts mehr für die Ewigkeit ist, auch keine Band-Auflösung, haben sich a-ha fünf Jahre später wieder vereint. Auf ihrer Europatour traten sie am Mittwochabend in der Münchner Olympiahalle auf.

Warum tun wir uns das an?

Weil wir das Fünkchen Hoffnung verspüren, dass a-ha mehr können als die alten Schinken aus den Achtzigern runterzurocken. Weil wir hoffen, dass eine Auszeit, wie in jeder Beziehung, die Band zu neuen musikalischen Wagnissen beflügelt. Aber vor allem, weil "Musik die Schnellstraße zur Erinnerung" ist, wie es ein Kollege ausdrückt. Also: einmal noch zu "Crying in the Rain" schwofen, einmal noch zu "Touch me" mitleiden. Denn: Wer weiß, ob sich A-aha nach der Tour nicht wieder auflösen. Nichts ist fix.

Was haben wir uns von dem Konzert erwartet?

Viel Nostalgie. Schließlich haben sich A-ha auf ihrer Abschiedstour vor fünf Jahren mit den Worten "Das ist das letzte Mal in München" verabschiedet. Daran könnte man doch wunderbar anknüpfen. Morten Harket könnte die Sonnenbrille abnehmen und über die Wiedervereinigung der Band philosophieren, dabei ein paar Fans auf die Bühne holen oder ihnen zumindest die Hände reichen und, hach ... Lassen wir das.

Natürlich will man die alten Schinken hören. Denn, seien wir ehrlich, A-ha hätten ein Comeback-Album mit klassischen Opernarien aufnehmen können - die Fans wären trotzdem gekommen. Vor allem diejenigen, die Morten Harket in den Achtzigern über ihrem Bett hängen hatten, die aus lauter Verehrung damals, als Pop noch Mode machte und nicht andersrum, Lederbänder an den Handgelenken und aufgekrempelte Jeansjacken trugen - wie A-ha.

Wenn aber diese Band, die mancher nach "Take on me" fälschlicherweise als One-Hit-Wonder titulieren mag, nun die Klassiker geschickt mit neuem Stoff würzt und damit veredelt, wäre das ein Affront all denen gegenüber, die Band-Comebacks für so überflüssig halten wie einen Kropf.

... und wie war's dann?

Zäh. Anders gesagt: Gut, dass Morten Harket am Anfang eine Sonnenbrille trug. Da dürften ihm die vielen leeren Ränge in der mit 7500 verkauften Tickets nur mäßig gut gefüllten Olympiahalle nicht aufgefallen sein. Aber wer den Blick von der Menschentraube, die sich vor der Bühne zusammendrängte, auf die Ränge ringsum schweifen ließ, konnte nicht anders als A-aha ein wenig zu bemitleiden.

Hätte nichts ausgemacht, wären A-ha sofort bei der Sache, also beim Publikum gewesen. Und hätten den Abend nicht auch mit der die Tristesse noch fördernden Ballade "I've been losing you" eröffnet. Oh oh, das wird nichts, glaubte man. Und das lange Zeit.

"Cry Wolf" mit auf der Leinwand heulenden Wölfen, das gute alte "Stay on these roads", die Bühnenaufnahmen passend nostalgisch in Sepia getaucht, ein berührendes Solo von Keyboarder Magne Furuholmen an der Gitarre ("Es ist ein bisschen beängstigend, in der Mitte zu stehen. Vielleicht helft Ihr mir und schaltet Eure Handy-Taschenlampen an.") - all das zeigte, dass A-ha schmachten können wie früher und Morten Harket mit seiner feinen Falsettstimme immer noch scheinbar mühelos in allen Tonlagen säuseln kann.

Aber trotz allem wirkte Harket roboterhaft hinter seiner Sonnen- und später normalen Brille und interagierte mehr mit seinen Tontechnikern (Daumen hoch, Daumen runter) als mit den Fans. Da konnte Furuholmen noch so charmant seine paar Brocken Deutsch bemühen ("Alles gut? Guten Abend!") und sich für die Einladung bedanken. Der Funke wollte einfach nicht überspringen. Nicht mal bei den alten Songs. Uff.

Aber dann kam "Hunting High and Low" und das Eis brach. Als hätte jemand Harket hinter der Bühne wachgerüttelt, schien er auf einmal die Fans zu erkennen, lächelte sogar und bedankte sich auf Deutsch. Leider war es da schon Zeit für die Zugaben. A-ha sind zurück, ja, aber mit angezogener Handbremse.

Der beste Moment des Abends?

Als Harket bei "Hunting High and Low" an den Bühnenrand tritt und die Fans auffordert, mitzusingen. Wenn Tausende a cappella "Hunting High and low" singen, in den Textpausen von den höheren Rängen immer wieder ein "Morten, I love you" herunterschallt, glaubt man fast, es könnte 1985 sein - und alles noch möglich.

Aber ...

Auch wenn das "High and Low" der Fans bei so manchem Gänsehaut verursacht, kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass offenbar nur wenige den Text kennen. "HIGH AND LOW, dumdidumdidum" hörte sich das in etwa an (wer jetzt noch an seiner Textsicherheit feilen will, hier entlang). Doof, wenn man eben gerade mal "Take on me" mitsingen kann.

Das Konzert wäre nichts für Sie gewesen, wenn ...

... Sie die Achtziger nur aus den Erzählungen Ihrer Eltern kennen und Synthie-Falsett-Pop als musikalische Verwirrung genau dieser Jahre begreifen. Und wenn Sie zudem davon ausgegangen sind, Fan-Eigeninitiative auf Konzerten sei völlig überbewertet, man habe ja schließlich bezahlt und die Band macht den Rest. Diese Zeiten sind bei A-ha zumindest vorbei.

Symptomatisch für den Abend:

Fast hätten die beiden jungen Männer das furiose Finale verpasst. Wollten sie doch nach der ersten Zugabe schon aus der Halle stürmen. Gut, dass ihr Sitznachbar sie zurückhielt. Schließlich gab es bei "Take on Me" kein Halten mehr.

© SZ.de/infu

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