Konzert im Olympiastadion:Fans von Depeche Mode müssen mit langen Kontrollen rechnen

Lesezeit: 2 min

  • Rund um das Konzert von Coldplay im Olympiastadion am Dienstag kam es wegen intensiver Kontrollen zu chaotischen Szenen.
  • Der Olympiapark findet die Abläufe "verbesserungswürdig", zuständig sei aber der Veranstalter.
  • An diesem Freitag spielen Depeche Mode. Ob der Veranstalter diesmal eine bessere Organisation hinbekommt, ist unklar. Besucher müssen sich erneut auf lange Wartezeiten einrichten.

Von Cindy Riechau

Viele Rockfans hatten sich auf entspannte Abende im Olympiastadion gefreut - und sind nun etwas angespannter Stimmung. Schon vor und nach dem Konzert von Coldplay am Dienstagabend sorgten die neuen Sicherheitsbestimmungen für wütende Reaktionen, weil viele Besucher die verschärften Bedingungen, vor allem bei mitgebrachtem Gepäck, unzumutbar fanden. Nun spielen an diesem Freitag an selber Stelle die Synthie-Pop-Veteranen Depeche Mode - und die Szenen vom Dienstag könnten sich wiederholen.

Auf der Internetseite des Olympiaparks waren längere Wartezeiten wegen intensiverer Bodychecks und strengere Gepäckregelungen zwar angekündigt. In der Überschrift ist allerdings nur von einem "Verbot größerer Handtaschen, Rucksäcke und Helmen" die Rede - dass lediglich kleine Kosmetik- und Gürteltäschchen zugelassen sind, erfährt nur, wer das Kleingedruckte liest. Und die Ankündigung für das Depeche-Mode-Konzert am Freitagabend sieht genauso aus.

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Diese Ungenauigkeit ärgert auch Florian Hirschauer vom Polizeipräsidium München: "Die Maßnahmen an sich sind überhaupt nicht ungewöhnlich, aber sehr missverständlich kommuniziert". Die Einsatzkräfte werden ihm zufolge nur geringfügig aufgestockt für die riesigen Konzerte, die dieser Tage im Olympiastadion stattfinden. "Wir haben hier keine Gefährdungslage", erläutert Hirschauer. "Verbesserungswürdig" findet auch Tobias Kohler, Pressesprecher des Olympiaparks, die Kontrollen. Diese bestimme aber nicht der Austragungsort, sondern der Veranstalter.

Die Kontrollen hatten bei Coldplay für turbulente Szenen gesorgt. Zu Tausenden standen die Besucher vor den kleinen Zelten, an denen sie ihre Sachen abgeben müssen. "Ich habe keine Hosentaschen", sagte eine Besucherin, "wo soll ich denn jetzt mit meinen Wertsachen hin?" Manche versteckten ihre Taschen im Gebüsch - und mussten feststellen, dass diese nach dem Konzert verschwunden waren. Andere warteten in langen Schlangen bei der Gepäckabgabe und machten Witzchen: "Wahrscheinlich müssen wir gleich noch 'nen Euro bezahlen." Der Scherz ging ins Leere, bezahlt werden mussten tatsächlich zwei Euro.

Für die schärferen Kontrollen haben viele wohl auch Verständnis. "Aber wir hätten besser informiert werden müssen", war sich eine Gruppe Niederländer einig. Vor allem die vielen Fans, die extra aus dem Ausland angereist sind, wirkten verwirrt. Zudem seien Kontrolleure unfreundlich und überfordert gewesen, beschwerte sich eine Konzertbesucherin aus München. "Für die Frauen war viel zu wenig Personal da."

Entsprechend irritiert sind nun die Fans von Depeche Mode: "Kann mir jemand beantworten, ob ich ein Fernglas mitnehmen kann?", fragt eine Frau auf Facebook. Eine andere gibt Auskunft: "Aus der Erfahrung von Dienstag lautet die Antwort nein". Die Frage eines anderen Fans, ob Digitalkameras erlaubt seien, bleibt im Forum unbeantwortet.

Ob die Organisatoren nun in letzter Sekunde nachbessern, blieb am Donnerstag unklar. Die lokalen Veranstalter von der Promoters Group München arbeiteten auf Hochtouren an den Vorbereitung für den Auftritt von Depeche Mode. Für Auskünfte zu Details blieb ihnen auch auf Anfrage keine Zeit.

© SZ vom 09.06.2017 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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