Kultur- und FreizeittippsMit Arabella Steinbacher durch Bayern und die Welt reisen

Lesezeit: 4 Min.

Arabella Steinbacher tritt regelmäßig mit berühmten Orchestern auf. In München spielt sie in der Allerheiligen Hofkirche mit Nachwuchsmusikern Mozart, Brahms und Schumann.
Arabella Steinbacher tritt regelmäßig mit berühmten Orchestern auf. In München spielt sie in der Allerheiligen Hofkirche mit Nachwuchsmusikern Mozart, Brahms und Schumann. Co Merz

Die renommierte Geigerin Arabella Steinbacher freut sich in der Woche von 15. bis 21. Juni auf ihr Konzert in der Allerheiligen Hofkirche, Joggen im Wald und Ausflüge am Ammersee.

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Montag: Kraft tanken im Wald

Wie diese Joggerin findet auch Arabella Steinbacher innere Ruhe und Kraft beim Joggen durch den Wald.
Wie diese Joggerin findet auch Arabella Steinbacher innere Ruhe und Kraft beim Joggen durch den Wald. Felix Kästle/dpa

Früh am Morgen, wenn zu Hause noch alles schläft und es draußen ganz ruhig ist, starte ich meinen Lauf durch den dicht bewachsenen Wald Richtung Andechs. Dort kann ich meine Gedanken schweifen lassen, während ich die frische und erdige Luft in vollen Zügen genieße. Manchmal halte ich kurz an, um die Ruhe und die Schönheit der Natur zu genießen, hin und wieder sehe ich ein Reh oder einen Fuchs vorbeihuschen. Auch im tiefsten Winter laufe ich mit meiner Stirnlampe und sehe manchmal die Augen von Tieren, die durch das Licht reflektieren. Diese Momente geben mir täglich die innere Ruhe und Kraft für den anstehenden Tag. Auch auf Konzertreisen sind meine Joggingschuhe immer dabei.

Dienstag: Dahoam am Ammersee

Auf der Terrasse des Restaurants „Seespitz“ in Herrsching hat man einen wunderschönen Blick auf den Ammersee.
Auf der Terrasse des Restaurants „Seespitz“ in Herrsching hat man einen wunderschönen Blick auf den Ammersee. Nila Thiel

Zwischen meinen Vorbereitungen auf die anstehenden Konzerte genieße ich es, an der Ammerseepromenade in meinem Heimatort Herrsching entlangzuspazieren, im Sommer schwimmen zu gehen oder mit dem Dampfer zu fahren. Oft sitze ich in meinem Lieblingsrestaurant im „Seespitz“ auf der Terrasse mit dem wunderschönen Blick auf den See, während meine Tochter mit ihren Freunden die Eistheke plündert oder sich selbst gemachte Limonaden zubereitet. Schon als Kind ging ich fast täglich mit meinen Eltern am See spazieren, fütterte die Enten oder rutschte im Winter auf dem damals noch gefrorenen Wasser. Auch wenn ich es liebe, in die verschiedensten Metropolen der Welt zu reisen: Dahoam ist eben dahoam.

Mittwoch: Outfits für die Bühne

Arabella Steinbacher in einem Kleid der Münchner Modedesigner Talbot Runhof. Bei ihnen lässt sie sich gerne inspirieren für ihre Konzertkleider.
Arabella Steinbacher in einem Kleid der Münchner Modedesigner Talbot Runhof. Bei ihnen lässt sie sich gerne inspirieren für ihre Konzertkleider. KBS Symphony Orchestra

Um meine Bögen in Schuss zu halten, fahre ich nach München zum Bogenbauer Markus Wörz, der regelmäßig meine Bögen pflegt und sie wieder ins Gleichgewicht bringt. Je nachdem wie kraftvoll die Stücke sind, die ich gerade spiele, halten die Haare unterschiedlich lang. Meistens nutze ich diese Ausflüge, um noch gemütlich durch die Innenstadt zu schlendern, am schönen Nationaltheater vorbei, wo mein Vater vor vielen Jahren als Solo-Repetitor tätig war, oder mich bei Talbot Runhof inspirieren zu lassen für meine nächsten Konzertkleider. Zu guter Letzt kann ich nicht widerstehen, im „Chocolate and More“ am Viktualienmarkt ein paar Leckereien mitzunehmen. Ich liebe schwarze Schokolade und Kakaobohnen. Am Abend steht dann mein Konzert in der Allerheiligen Hofkirche im Rahmen des Nymphenburger Sommers an: Von 19.30 Uhr an spiele ich dort gemeinsam mit den Nachwuchstalenten Yibai Chen am Cello und der Pianistin Vivien Walser Werke von Mozart, Brahms und Schumann. Darauf freue ich mich schon ganz besonders.

Donnerstag: Vorfreude auf Polen und Asien

Nun ist wieder einmal Kofferpacken angesagt. Diesmal mache ich zwei „Haufen“, einen für meine Wochenendreise nach Kattowitz, wo ich Alban Bergs Violinkonzert mit Josep Pons und dem Saarländischen Rundfunk spiele. Der zweite Haufen ist dreimal so hoch für die gleich am nächsten Tag anstehende Asienreise nach Taipei mit dem Brahms-Violinkonzert gemeinsam mit Jun Märkl und dem National Symphony Orchestra Taiwan. Bei der Gelegenheit verbinde ich die Reise, um gemeinsam mit meiner Familie Urlaub in unserer zweiten Heimat Japan zu verbringen. Bei dem Klimaunterschied müssen natürlich komplett andere Sachen gepackt werden und wie ich mich kenne, werde ich mich am Ende wahrscheinlich wieder auf meinen Koffer draufstellen müssen, um ihn zuzukriegen. Mein Reisekochtopf darf außerdem nie fehlen!

Freitag: Lehrreicher Ausflug

Viel zu lernen und entdecken gibt es im Museum Mensch und Natur am Nymphenburger Schloss.
Viel zu lernen und entdecken gibt es im Museum Mensch und Natur am Nymphenburger Schloss. Robert Haas

Spontane Ausflüge sind bei mir immer willkommen und ich beschließe, mit Kind und Kegel ins Museum Mensch und Natur zum Nymphenburger Schloss zu fahren. Die Entstehung der Erde und unseres Planetensystems löst jedes Mal aufs Neue ein Gefühl der Ehrfurcht aus und das Bewusstsein, wie klein und vermutlich nur vorübergehend wir Menschen doch sind ... Neben dem Museum am Eingang des Hubertussaals hängen Plakate der Nymphenburger Sommerkonzerte, bei denen ich über viele Jahre regelmäßig auftreten durfte, wie auch vor zwei Tagen mit den Nachwuchstalenten. Ich verbinde immer schöne Erinnerungen damit.  Abends lasse ich den Tag in unserem gemütlichen Garten im selbst gebauten Baumhaus ausklingen.

Samstag: Bummeln im Flughafen

Bummeln, shoppen, noch etwas essen und trinken: Im Flughaben München kann man sich die Zeit bis zum Abflug ganz gut vertreiben.
Bummeln, shoppen, noch etwas essen und trinken: Im Flughaben München kann man sich die Zeit bis zum Abflug ganz gut vertreiben. Marco Einfeldt

Die letzten Vorbereitungen für die Reise nach Kattowitz sind erledigt und bald geht es wieder zum Flughafen. Morgens genieße ich noch die gemeinsame Zeit mit meiner Familie. Das tägliche Jonglieren zwischen Mamaleben und Solistenleben ist für mich eine der schönsten Aufgaben, so herausfordernd es manchmal sein kann. Unseren Münchner Flughafen mag ich besonders gerne. Deshalb fahre ich manchmal etwas früher hin, um noch in die Lounge zu gehen oder die Geschäfte zu durchstöbern. Neulich fand ich das wunderbare Buch „Die Kunst, nicht auf alles zu reagieren“ von Ryushun Kusanagi, einem buddhistischen Mönch aus Japan. Sehr heilsam, kann ich nur empfehlen!

Sonntag: Konzert in Kattowitz

Meine morgige Joggingroutine verbinde ich diesmal, um wenigstens einen kleinen Eindruck von Kattowitz zu bekommen und nicht nur das Hotel und den Konzertsaal zu sehen, wie es häufig der Fall ist. Danach geht es zur Generalprobe für das heutige Konzert in dem beeindruckenden Saal mit der wunderbaren Akustik. Man fühlt sich, als würde man sich im Inneren eines riesigen Kontrabasses befinden durch die geschwungenen Ränge, die wie die Zargen eines Streichinstruments wirken. Das Violinkonzert von Alban Berg ist jedes Mal ein tiefes Erlebnis, ein Requiem für die jung verstorbene Manon Gropius und letztlich für Berg selbst, der die Uraufführung nicht mehr erleben konnte. So gern ich es spiele, muss ich mich anschließend jedes Mal wieder emotional von diesem Werk erholen. Wenn aber das Gefühl der Einheit mit den Musikern entsteht und das Publikum herzlich reagiert, fühle ich mich überglücklich.

Die in Herrsching am Ammersee geborene und dort bis heute lebende Geigerin Arabella Steinbacher gehört zu den weltweit gefeierten Stars ihres Fachs. Von Beginn ihrer Karriere an hat ihr Violinspiel durch Grazie, technische Präzision, aber auch Ausdruckskraft und Wärme beeindruckt. Steinbacher stammt wie auch Julia Fischer oder Lisa Batiashvili aus der legendären Schule der Münchner Violinprofessorin Ana Chumachenko. Steinbacher hat ein Faible für Geigenkonzerte und -musik des 20. Jahrhunderts. So hat sie mehrere Alben eingespielt mit Musik von Richard Strauss, Britten, Hindemith und Pärt, aber auch Mozart und Vivaldi. Ihr aktuelles Album widmet sie Beethoven und dem luxemburgisch-australischen Komponisten Georges Lentz. Die Musikerin mit japanischen Wurzeln ist weltweit in den großen Sälen und bei den bedeutenden Orchestern unterwegs. Daneben widmet sie sich auch der Kammermusik mit großer Leidenschaft. Beim Münchner Kammermusikfestival „Nymphenburger Sommer“  spielt sie am 17. Juni in der Allerheiligen Hofkirche Werke von Mozart, Brahms und Schumann.

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