Konzept für Neugestaltung So schön wird's an der Isar

Der Fluss soll laut Plan nicht mehr die Stadt zerteilen, sondern ein lebendiger Teil der Innenstadt werden: Isarstrand unterhalb der Muffathalle.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Der "Rahmenplan für den innerstädtischen Isarraum" steht: Das von Politikern seit Jahren geforderte Konzept liegt als Entwurf vor.
  • Nun müssen verschiedene Stellen den Plan noch genehmigen.
  • Die Isar soll wieder Teil der Innenstadt werden. Dazu soll der Verkehr zwischen Reichenbachbrücke im Süden und Luitpoldbrücke im Norden neu definiert werden, Fußgänger sollen bessere Zugänge zum Fluss bekommen.
Von Thomas Anlauf und Andreas Glas

Ruhig rollt die Trambahn über die mit Rasen bepflanzte Ludwigsbrücke, eine Gruppe Radler fährt auf der breiten Trasse in Richtung Haidhausen. Die Fußgänger brauchen den Autoverkehr nicht mehr zu fürchten: Von den 18 000 Kraftfahrzeugen, die früher täglich über die Brücke rauschten, sind nur noch wenige übrig geblieben. Die Pendler suchen sich andere Strecken, nachdem die Ludwigsbrücke für Autofahrer ein Nadelöhr geworden ist. An der Erhardtstraße um die Ecke, wo einst Touristenbusse aufgereiht parkten und jeden Tag Zehntausende Autofahrer den Stau am Mittleren Ring umfahren wollten, zieht sich nun eine Promenade durch einen kleinen Park mit Blick auf die Isar. Auf einer Terrasse, die in Stufen hinunter zum Fluss führt, sitzen Menschen und hören statt Autos den Fluss rauschen.

Was nach einer fernen Vision klingt, soll bald Wirklichkeit werden: Das von Politikern seit Jahren geforderte Konzept für die Isar steht. Noch steht zwar in dicken Buchstaben "Entwurf" auf dem 138 Seiten starken "Rahmenplan für den innerstädtischen Isarraum". Das Papier, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, muss noch von drei Bezirksausschüssen abgesegnet und dann vom Stadtrat beschlossen werden. "Lassen wir es eben September werden", sagt Stadtbaurätin Elisabeth Merk und seufzt ein wenig.

Nachhaltige Veränderung

Das demokratische Procedere hat schon viel Zeit gekostet, und auch in ihrem Planungsreferat ging es nicht so schnell wie gewünscht. Im Frühjahr 2009 stellten die Grünen im Stadtrat erste Anträge, um die Isar wieder mehr ins Blickfeld der Stadt zu rücken. Eineinhalb Jahre später verständigten sich Stadträte und Verwaltungsexperten in einem internen Workshop darauf, einen Rahmenplan zu erstellen, der 2012 vom Stadtrat in Auftrag gegeben wurde. Nach einem weiteren Workshop im August 2013 stellte Merk im Februar 2014 dessen Ergebnisse vor. Im Sommer folgte ein erster Rahmenplan-Entwurf, der bis Herbst 2014 noch einmal überarbeitet werden musste. Nun, ein Jahr später, soll der Plan endlich in die Tat umgesetzt werden.

Wenn der Stadtrat dem Rahmenplan zustimmt, wird das die Münchner Innenstadt nachhaltig verändern. Es geht um nichts Geringeres, als darum, den Verkehr zwischen Reichenbachbrücke im Süden und Luitpoldbrücke im Norden neu zu definieren und für Fußgänger bessere Zugänge zur Isar zu schaffen: Der Fluss soll nicht mehr die Stadt zerteilen, sondern wie vor 100 Jahren ein lebendiger Teil der Innenstadt werden. So soll vor allem an der sogenannten Isarparallele entlang der Großen Isar der Verkehrslärm deutlich reduziert werden. Dazu wird voraussichtlich die Straße verschmälert und der so gewonnene Raum den Radfahrern und Fußgängern zur Verfügung gestellt. Auf Höhe der Patentämter könnten Flussterrassen entstehen.

Den Bereich rund um die Ludwigsbrücke bezeichnet Stadtbaurätin Merk als künftiges "urbanes Herz" der innerstädtischen Isar, das gemeinsam mit dem "grünen Herz" am Vater-Rhein-Brunnen gegenüber dem Deutschen Museum ein Ensemble bilden soll. Es gibt fünf Standortvorschläge für Gastronomie und damit auch öffentliche Toiletten, sodass keine separaten Sanitäranlagen entlang der Isar nötig wären. Die Grünanlagen am Fluss sollen, wo möglich, vergrößert, dabei aber auch immer wieder Sichtfenster zur Isar geschaffen werden. Auch das Wegenetz entlang der Ufer und über die Flussinseln soll ausgebaut werden und bis zur Schwindinsel führen, wo sich Große und Kleine Isar wieder vereinen. Nach Angaben des Planungsreferats gab es bereits vielversprechende Gespräche mit dem Freistaat, dem der nördliche Teil der Praterinsel gehört.