Ausverkaufte OlympiahalleMacker und Mentor: So war das Konzert von Kontra K in München

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Kontra K zeigt auch auf der Bühne gerne seine Muskeln und Tattoos. Hier ein PR-Foto.
Kontra K zeigt auch auf der Bühne gerne seine Muskeln und Tattoos. Hier ein PR-Foto. (Foto: Niculai Constantinescu)

Gegen ihn laufen Ermittlungen wegen Drogenhandels, und er polarisiert mit homophoben Aussagen – trotzdem füllt Kontra K die großen Konzerthallen in Deutschland. Was macht den Rapper so erfolgreich?

Kritik von Hannah Tahedl

Silberne Königskette, Tattoos am ganzen Körper, glänzende Grillz und ein Schlagring am Mikro – Kontra K präsentiert sich gerne als trainierter Kampfsportler und Gangsta Rapper. 2022 wurde der Berliner wegen Drogenhandels angezeigt und fiel mit homophoben Aussagen auf. Geschadet hat das seiner Karriere nicht. In diesem Festivalsommer war der 38-Jährige mehrmals als Mainact gebucht, und auch die Münchner Olympiahalle ist ausverkauft.

Düstere Musik, Wolfsgeheul, ein Knall – und Kontra K fährt mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze auf einer Plattform auf die Bühne herab. Das Konzert beginnt begleitet von E-Gitarren und Pyrotechnik. Das Bühnenbild ist ein gigantischer liegender Baumstamm mit verschiedenen Ebenen, auf denen Schlagzeug, E-Gitarrist, zwei Background-Rapper links und rechts und das DJ-Mischpult platziert sind. Diese Show will wuchtig wirken und Stärke ausstellen. Aber im Unterschied zu anderen Gangsta-Rappern ist der Berliner auch Animateur und motiviert seine Fans immer wieder zum Hüpfen, Klatschen, Tanzen und Mitsingen. Singt die Menge ihm zu leise, wartet er geduldig, bis alle einstimmen.

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Ganz im Gegensatz zum Gangsta-Image für die Subkultur-Nische will Kontra K musikalische Identifikation für ein breites Publikum schaffen und kombiniert Hip-Hop mit Rock- und Pop-Elementen. Ernste Songs über Schmerz, Erfolg, Familie und Vergänglichkeit bestimmen das Programm, Protz über Uhren, Autos oder Drogen fehlen. Bei „Monster“ hört man ein Linkin Park-Sample, und bei „Blei“ dominieren dröhnende Gitarren und Schlagzeug. Später wird es ruhiger, die Halle füllt sich mit Taschenlampenlichtern: zwei Duette mit Sängerin Anna Grey.

Optisch wiederum inszeniert sich Kontra K betont als Macker und wechselt zur Konzertmitte spektakulär auf die schwebende B-Stage. Von Feuer umgeben, zieht er sein Shirt aus, präsentiert Muskeln und Tattoos. Zurück auf der Hauptbühne, dann der Kontrast: Der Rapper setzt sich auf die Treppe in der Mitte der Bühne, spricht über Verlust und Härte. Immer wieder unterbricht er die Show für Ansprachen: „Lebt im Jetzt“ mahnt er, kritisiert Social Media und warnt vor einer gesellschaftlichen Spaltung in links und rechts. Viel Floskel: Doch das Publikum applaudiert.

Musikalisch setzt Kontra K gegen Ende des Konzerts immer wieder auf dasselbe musikalische Rezept und mischt bekannte Refrains von Songs wie „I Follow Rivers“, „Summertime Sadness“ und „Geboren um zu leben“, mit Rap-Parts.

Ein unerwarteter Moment: Kurz vor Schluss singt Hildegard Knef vom Band  „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ vom Band. Kurz darauf, passend zu den Motivationssprüchen, rappt Kontra K seinen berühmtesten Track „Erfolg ist kein Glück“, steigt von der Bühne hinunter zu seinen Fans und singt den Refrain des Liedes gemeinsam mit einer jungen Frau. Gangsterimage ist das eine: In seiner Show inszeniert sich der Berliner als Mentor und Kumpel mit massentauglichen Songs – ein erfolgreiches Rezept, mit dem er die großen Hallen füllt.

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