Kontogebühren Stadtsparkasse lenkt ein

490200 Euro

verdient ein Vorstand der Stadtsparkasse München im Jahr durchschnittlich. Das hat die Recherchegemeinschaft "Correctiv" ausgerechnet und im Netz veröffentlicht. Im Deutschlandvergleich liegen die Münchner Sparkassenvorstände damit in der Mitte - sie verdienen allerdings deutlich mehr als die Kanzlerin. Deren Gehalt liegt im Jahr bei etwa 282 000 Euro.

Institut modifiziert Kontomodell für Geringverdiener

Von Pia Ratzesberger

Die neuen Kontomodelle wird die Stadtsparkasse München zwar nicht ändern, doch für manche ihrer Kunden ändert sie dennoch etwas. Denn nachdem so viele geklagt haben, dass gerade Menschen mit wenig Geld der Bank seit Anfang Juli hohe Gebühren zahlen müssen, und selbst Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) die Bank rügte, hat die Sparkasse nun bekanntgegeben: Jeder, der Sozialhilfe empfängt oder netto weniger als 1500 Euro im Monat verdient, der muss für ein Giro-Konto mit allen Leistungen 4,95 Euro zahlen - und nicht 7,95 Euro monatlich.

Am Mittwochabend hat das der Verwaltungsrat beschlossen, auch der Oberbürgermeister war anwesend, er ist Vorsitzender des Rates. Er sei mit den Änderungen nun zufrieden, die neuen Kontopreise seien "fair" und hielten "jedem Vergleich mit Wettbewerbern stand".

Bei der Stadtsparkasse war ein Giro-Konto in den vergangenen Jahren nie kostenlos, es kostete stets 4,95 Euro im Monat. Dieser Preis habe auch nie zu Beschwerden geführt, sagt ein Sprecher des Geldinstituts. Derzeit führen viele Banken in Deutschland, die bisher mit kostenlosen Giro-Konten warben, Kontogebühren ein. Der Grund: Mit Zinsen können sie kein Geld mehr verdienen, was sich in absehbarer Zeit wohl nicht ändern wird.

Der Oberbürgermeister hatte die Stadtsparkasse aufgefordert, ihre neuen Kontomodelle noch einmal zu überprüfen, um Menschen mit geringen Einkommen nicht unnötig zu belasten. Seit dem 1. Juli nämlich bietet die Bank drei verschiedene Girokonten an: eine Onlineversion, die nur für den kostenlos ist, der sein Geld alleine im Internet verwaltet und auf dessen Konto im Monat mindestens 1750 Euro eingehen, ansonsten liegt die Gebühr bei 4,95 Euro. Ein Komfortkonto kostet 7,95 Euro im Monat, hier sind alle Leistungen inklusive, zum Beispiel auch gedruckte Kontoauszüge oder Auszahlungen am Schalter.

Das dritte und billigste Konto für 2,95 Euro stieß auf die härteste Kritik. Der Grundpreis ist zwar niedrig, doch zu diesem kommen bei jeder Buchung 30 Cent hinzu, auch das Abheben am Geldautomaten kostet 30 Cent. Wer also wenig Geld hat, würde sich wahrscheinlich erst einmal für das Girokonto "Individual" entscheiden, müsste dann aber am Ende des Monats vermutlich wohl deutlich mehr als nur die 2,95 Euro zahlen.

Weil das Protest hervorrief und sich auch der Seniorenbeirat der Stadt beschwerte, führte die Stadtsparkasse für den Juli noch schnell eine Kostenbremse ein. Das bedeutet: Niemand muss in diesem Monat mehr als 7,95 Euro zahlen, egal wie viele Buchungen er tätigt. Erst von August an wird diese Regelung aufgehoben, dann aber kann, wer wenig verdient, das vergünstigte Konto beantragen. Voraussetzung ist, dass dieses Konto das Hauptkonto des Kunden ist. Auch muss er einen Nachweis über sein Gehalt vorlegen oder den München-Pass. Den wiederum stellt die Stadt jedem aus, der Sozialleistungen empfängt, sei es Arbeitslosengeld, Wohngeld, Kinderzuschlag oder Grundsicherung. Das Konto ist anschließend zwölf Monate günstiger, danach verlangt die Stadtsparkasse einen neuen Nachweis.