Liederabend:Reflektiert, aber risikolos

Liederabend: Ausverkauftes Haus und drei Zugaben: Der Bariton Konstantin Krimmel steht beim Münchner Opernpublikum hoch im Kurs.

Ausverkauftes Haus und drei Zugaben: Der Bariton Konstantin Krimmel steht beim Münchner Opernpublikum hoch im Kurs.

(Foto: Wilfried Hösl)

Der junge Bariton Konstantin Krimmel erfüllt bei seinem Liederabend im Rahmen der Münchner Opernfestspiele souverän die Erwartungen - vielleicht zu souverän.

Von Michael Stallknecht, München

Das Münchner Publikum hat Konstantin Krimmel anscheinend schon ins Herz geschlossen: Das Cuvilliéstheater ist ausverkauft, drei Zugaben muss der junge Bariton am Ende geben. Dabei hat er für seinen ersten Festspielliederabend mit dem Pianisten Malcolm Martineau kein allzu sommerliches Programm gewählt. Sondern den "Schwanengesang", die letzte Liedsammlung Franz Schuberts, mittendrin erweitert um einige Lieder nach Texten von Johann Gabriel Seidl, die ihr üblicherweise nicht zugerechnet werden.

Krimmel ist das wichtigste Aushängeschild im Versuch des Intendanten Serge Dorny, an der Staatsoper wieder ein Ensemble aufzubauen, das nicht nur in kleinen Rollen die Gaststars unterstützt. Sondern regelmäßig Hauptpartien abdeckt, wie es Krimmel im vergangenen Oktober mit dem Guglielmo in der Neuinszenierung von Mozarts "Così fan tutte" getan hat. Ihm einen der meistens prominenter besetzten Liederabende bei den Opernfestspielen anzuvertrauen, ist nun der nächste Schritt.

Die Erwartungen löst der gebürtige Ulmer ein: Sein heller, schön timbrierter Bariton spricht mühelos an, die Atemtechnik deckt auch längere Bögen ab. Im Ausdruck steht ihm zwischen einer feinen Mezzavoce und der großen Kraftentladung ein breites Spektrum zur Verfügung, das er im Dienst der Textdeutung einsetzt. Letztere erfolgt ausgesprochen reflektiert und detailreich, wirkt dabei allerdings auch abgezirkelt und bisweilen ausgedacht. Wozu passt, dass Krimmel sich mit Martineau keinen jungen Pianisten gewählt hat, sondern eine "sichere Bank". Einen, der den Klaviersatz mit feinster Fingerarbeit in Mikrofarben auffächert, aber dabei ziemlich abgeklärt bleibt.

Bis man sich irgendwann wünscht, wenigstens der junge Sänger möge einmal die frühreife Souveränität ablegen, sich vom Moment mitreißen lassen und etwas riskieren. Und bei eher schlichten Liedern wie "Die Taubenpost" oder "Das Fischermädchen" auf der Melodie dahinsegeln, statt sie in tausend Einzelheiten zu zerlegen. Oder wenigstens zur Zugabe nicht drei weitere melancholische Exerzitien zu wählen, sondern irgendetwas mit echtem Feuer.

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