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Konfuzius-Institute in Bayern:"Das Wasser trüben, um die Fische zu fangen"

Gegen die seltsame Unterstützung von chinesischer Propaganda durch den Freistaat regt sich warnende Kritik

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Konfuzius gilt als edler chinesischer Philosoph. Ob auch die ebenso benannten und von China betriebenen Konfuzius-Institute so edel sind, wird angezweifelt. Im Bild: Konfuzius-Statue im Münchner Finanzgarten.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

"Im Namen des Konfuzius" vom 23. Juni über die Bewertung der drei Konfuzius-Institute in Bayern:

Lautlose Eroberung

Hinter den harmlos erscheinenden "Konfuzius-Instituten" verbirgt sich der umfangreiche Propaganda-Apparat der Kommunistischen Partei Chinas (KPCH). In dem ausgezeichneten Sachbuch "Die lautlose Eroberung" von Clive Hamilton/Mareike Ohlberg wird das in einem besonderen Kapitel eindeutig belegt (Besprechung in der SZ vom 11. Mai 2020, "Alle im Griff"). Dieses Buch möchte ich Günther Beckstein empfehlen, der jede Kritik an der Unterwanderung der westlichen Demokratien durch die KPCH als "absoluten Schmarrn" bezeichnet und sich selbst zu den "einzig Gescheiten" zählt. Diesen "Gescheiten" empfehle ich, die "36 Strategeme" zu lesen, vor allem eines, an dem die Hinterlist der KPCH besonders deutlich zu erkennen ist: "Das Wasser trüben, um die Fische zu fangen." In diesem trüben Wasser übersieht auch ein gescheiter Fisch die Angel, mit der er gefangen wird; er übersieht auch die gefangenen Uiguren in den chinesischen Zwangslagern. Helga Boneff, Garching

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Chinas Verstöße werden ignoriert

Ich bin in der DDR geboren und habe mit 18 Jahren durch die Wiedervereinigung erfahren müssen, was da alles in 40 Jahren DDR "im Namen des Volkes" an Repressalien angewendet wurde und wie viele Menschen das kommunistische Regime dort umgebracht oder eingesperrt hat. Hätte es ein "Ernst-Thälmann-Institut" gegeben, das zur Verbreitung der "Kultur der Arbeiterklasse der DDR" vorgeschoben worden wäre und Filialen in der Bundesrepublik hätte eröffnen wollen - das wäre nicht möglich gewesen, und eine staatliche Förderung durch den Freistaat Bayern hätte es auch nie gegeben.

Nun kommt der Kommunismus unter anderem Namen daher, nennt sich nach Konfuzius und siedelt sich an Universitäten in Deutschland an, bringt viel Geld mit - das ist allein schon absurd. Das hat ja bisher keine andere Nation oder Kultur verlangt oder beantragt. Also warum dann China? Wer hat das genehmigt und warum? Die Einflussnahme auf den Bildungsbetrieb lässt sich meist sehr einfach an Beispielen des Hochschulalltags belegen - und sie geht zu weit. Arbeitsverträge, Arbeitsrecht, Personalentscheidungen - alles nach chinesischem Recht?

Dass in China die fundamentalsten Menschenrechte abgeschafft sind, Verfolgung und Internierung von Andersdenkenden normal ist, Meinungsfreiheit unbekannt ist, Überwachung auf höchstem Niveau bis in privateste Details herrscht, die Situation von Hongkong und die Corona-Krise, all das wurde unter den Tisch gekehrt und ignoriert. Die wirtschaftlichen Interessen "rechtfertigen" angeblich alles.

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Bitte verstehen Sie, dass die kommunistische Partei Chinas kein Partner für nichts und niemanden ist - sie wird sich nicht an Verträge und Absprachen halten.

Es geht final nur und ausschließlich um die Interessen der kommunistischen Partei Chinas. Ich hoffe, dass die Corona-Krise und das Verhalten Chinas in der Krise vielen Menschen die Augen geöffnet hat.

Ich hoffe, dass die Abgeordneten des bayerischen Landtags das Richtige tun werden. Michael Stepanek, Wawern

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© SZ vom 10.07.2020
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