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Konflikte im Straßenverkehr:"Als Radfahrer bist du das Letzte"

Rücksichtslose Autofahrer versus "Kampfradler": Auf Münchens Straßen ärgern sich viele Verkehrsteilnehmer. Vor allem übereinander. Ein Fahrradkurier, ein Taxifahrer, eine Kindergärtnerin, eine Hundetrainerin und ein Pizza-Lieferant erzählen.

Michael Severin, 33, Fahrradkurier: "Als Radfahrer bist du im Straßenverkehr das Letzte. Für Autofahrer bist du der Bremser, für Fußgänger der aggressive Raser. Hinzu kommt eine schlechte Infrastruktur: Selbst in München, das sich gerne selbst als 'Radlhauptstadt' feiert, sind die Straßen für den Autoverkehr ausgelegt. In Kopenhagen oder Amsterdam ist das ganz anders, da gehören Radler ganz selbstverständlich zum Stadtbild dazu. Die Radwege sind breit und es ist klar, dass die Radfahrer an der Ampel an den Autos vorbeifahren dürfen und früher Grün bekommen. Die Radlwege in München sind einfach zu schmal, das macht es schwer, andere zu überholen. Ich muss das aber tun, weil ich berufsbedingt schnell fahren muss.

Gefährlich wird es für uns Radler immer dann, wenn uns die Autofahrer beim Abbiegen übersehen. Schuld daran ist nicht zuletzt die Autoindustrie: Die Fenster werden immer kleiner und die Fahrer haben oft gar keine Möglichkeit mehr, uns zu sehen. Die Sicht behindern aber auch Wahlplakate. Die sind immer an den Knotenpunkten angebracht und hängen oft noch lange nach der Wahl.

"Die Radlwege in München sind einfach zu schmal", sagt Michael Severin.

(Foto: Robert Haas)

Unter den Autofahrern gibt es viele rücksichtslose Gesellen, etwa die, die auf Radwegen parken. Das zwingt mich, entweder auf die Fahrbahn oder auf den Gehweg zu wechseln. Am schlimmsten sind aber die, die noch schnell überholen, um dann abrupt abzubremsen und rechts abzubiegen. Bei den Fußgängern stören mich am meisten die Hundebesitzer, die ihren Vierbeiner auf dem Grünstreifen zwischen Fahrbahn und Radweg spazieren führen. Die spannen dann die Hundeleine quer über den Radweg - und wenn man dann klingelt, wird man auch noch beschimpft."