Konzert:Der närrische Irrtum der Männer

Lesezeit: 2 min

Konzert: Catalina Rueda, Dorothea Hofmann und Helga Pogatschar (von links) ließen sich von einem wiederentdeckten Tabulaturbuch für Gitarre zu Werken inspirieren.

Catalina Rueda, Dorothea Hofmann und Helga Pogatschar (von links) ließen sich von einem wiederentdeckten Tabulaturbuch für Gitarre zu Werken inspirieren.

(Foto: Christian Ketels)

Das Ensemble Phoenix spielt Werke von Komponistinnen - von der Renaissance bis in die Gegenwart.

Von Klaus Kalchschmid

Komponierende Frauen gibt es seit Jahrhunderten. Aber viele sind bis heute selbst Musikwissenschaftlern kaum bekannt. Oder wer hat den Namen Maddalena Casulana Mezari schon einmal gehört? "Um 1544" muss ihr Geburtsjahr eingekreist werden, gesicherte biografische Daten gibt es auch sonst wenige; aber sie gilt als erste Komponistin, deren Werke gedruckt wurden und damit eine größere Öffentlichkeit erreichten. Kein Geringerer als Orlando di Lasso hat in München Werke von ihr aufgeführt. In der Widmung ihres ersten eigenständigen Bandes mit Madrigalen an Isabella de' Medici schreibt sie 1568, dass sie "der Welt den närrischen Irrtum der Männer" aufzeigen will, "die von sich selbst großmütig glauben, dass sie allein die Meister hoher intellektueller Fähigkeiten seien. Und sie meinen, dass diese Fähigkeiten bei den Frauen nicht im gleichen Maß vorhanden sein könne."

Dass dem nicht so ist, wird man beim Programm des Ensemble Phoenix München in der Allerheiligen-Hofkirche unter dem Titel "La Compositrice" hören können. Es enthält auch Werke anderer komponierender Frauen aus der italienischen Renaissance und des Frühbarock wie Vittoria Raffaella Aleotti, Isabella Leonarda und ungleich bekannteren Frauen wie Barbara Strozzi und Francesca Caccini.

Einen Brückenschlag gibt es zu Uraufführungen zeitgenössischer Komponistinnen wie Dorothea Hofmann, Helga Pogatschar oder Catalina Rueda. Sie beschließen jeweils einen der drei Teile und sind für das Vokal-Quartett mit Alena Hellerová, Kamila Mazalová, Colin Balzer und Joel Frederiksen (dem Leiter des Ensemble Phoenix, der wie immer auch Erzlaute spielt), Jan Čižmář (Laute, Theorbe, Gitarre) und Ryosuke Sakamoto (Gambe, Laute) komponiert.

Der Madrigalklang des Frühbarock vereint sich mit einem expressionistischen Gedicht von Klabund

Alle drei beziehen sich dabei auf die Musik eines wiederentdeckten sogenannten Tabulaturbuchs für Gitarre in der Bayerischen Staatsbibliothek aus dem Besitz der Henriette Adelaide Kurfürstin von Bayern (1636 - 1676) mit 50 handgeschriebenen Tanzweisen aus Spanien, Italien und Frankreich. Eine "Adelaide Suite" daraus ist im Konzert zu hören.

Bei Dorothea Hofmann vereinigt sich in "Wohin?" der Madrigalklang des Frühbarock mit einem expressionistischen Gedicht von Klabund und Musik von heute. Bei Helga Pogatschar überlagert in "Welten" Gottfried Wilhelm Leibnitz' Postulat von der "besten aller möglichen Welten" unter allen denkbaren, die Gott einzig schaffen konnte, mit den getanzten Sarabanden und Passacaglien der Kurfürstin. Catalina Ruedas "es klingt" beginnt tatsächlich mit dem Ton "es": Start einer Reise anhand eines experimentellen Textes, der ebenfalls von der Komponistin stammt.

Um neben dem Hören eine größere Sichtbarkeit der Komponistinnen zu erreichen, werden auf die Backsteine der Apsis der Allerheiligen-Hofkirche kleine Filme projiziert, die Hofmann, Pogatschar und Rueda bei ganz alltäglichen Verrichtungen zeigen.

"La Compositrice", Vokalwerke von Komponistinnen aus der Renaissance und von heute. So., 6. März, 19 Uhr, Allerheiligen-Hofkirche. Ab 7. März ist ein Stream auf www.ensemble-phoenix.com verfügbar.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB