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Kompakt auf einem Gelände:Von der Krippe bis zum Abi

Das Erzbistum hat in Pullach einen Schulcampus für Kinder jeden Alters geschaffen

Das kirchliche Pater-Rupert-Mayer-Schulzentrum in Pullach ist ein Idyll. 12,7 Hektar misst der Campus an der Wolfratshauser Straße, seine Mauern umfassen neben einem denkmalgeschützten Schulgebäude Gärten und Wiesen, sogar ein Waldstück. "Wenn man das früher sah, wollte man das Gelände einfach unbedingt nutzen", sagt Sandra Krump, die Leiterin des Bildungsressorts im Erzbischöflichen Ordinariat. Doch das war schwierig; aus Platzmangel verteilten sich die Grundschüler lange über mehrere Gebäude, zum Teil lernten sie gar in alten Containern. Seit diesem Schuljahr aber ist das anders.

Im Süden des alten Schulhauses steht nun ein zweistöckiges, im Obergeschoss von Balkonen umgebenes Gebäude aus Holz, mit dem eben das gelingen soll, was Krump wollte: Es soll die Kinder ins Grüne führen. Erzbischof Reinhard Marx hat den Neubau am Donnerstag geweiht. Er beherbergt jetzt die Grundschule, die derzeit 400 Schüler in vier Zügen besuchen, den Kindergarten mit 75 Kindern und erstmals auch eine Kinderkrippe für 24 Kleinkinder. Umgeben ist der Bau von einem Erlebnispfad, einer Apfelwiese, Obstbäumen, Hecken mit Beeren zum Naschen und einem Schulgarten, den die Kinder bepflanzen und abernten können.

Einweihung von Neubau für Bildungsmodellprojekt Kardinal Marx segnet Räume für Kita und Grundschule im Pater-Rupert-Mayer-Schulzentrum in Pullach

Von außen und innen grün: der zentrale Hof von Kindertagesstätte und Volksschule.

(Foto: Fotos: Florian Peljak)

Darüber hinaus bietet die Kirche nun in Pullach alles kompakt auf einem Gelände an: Krippe, Kindergarten, Volksschule, Realschule und Gymnasium. Es ist das größte Schulzentrum des Erzbistums. Derzeit sind hier 1369 Kinder untergebracht. Man könne es ab einem Alter von etwa sechs Monaten bis zum Abitur besuchen, ohne Ortswechsel, sagt Krump. Die Kirche habe jetzt den ganzen Bildungsweg im Blick. Fehlt im Grunde nur noch eine Hochschule, wie es sie hier tatsächlich früher einmal gab, das alte Schulhaus beherbergte einst die Hochschule der Jesuiten. Die hat der Orden allerdings 1971 in die Münchner Maxvorstadt verlagert.

Für den Neubau in Pullach sei es an der Zeit gewesen, sagt Krump. Es gibt hier nun nicht einfach nur mehr Platz, die Kirche hat auch erstmals eine ganze Schule nach einem pädagogischen Konzept gestalten lassen, Krump spricht von "gebauter Pädagogik". Konkret heißt das, dass Architekt Franz Balda mehrere kleine, miteinander verbundene Häuser entworfen hat, die sich um einen Zentralbereich gruppieren. Je vier Klassen werden in einer gemeinsamen "Lernlandschaft" unterrichtet, die aufgebaut ist wie eine Wohngemeinschaft: Alles ist mit grünem Teppichboden ausgelegt, die Kinder betreten zuerst einen zentralen Flur, ziehen dort die Straßenschuhe aus und gehen in ihre Zimmer. Hier sollen sie erst einmal Geborgenheit empfinden - da komme Holz als Baustoff gerade recht, so entstehe Wohnzimmeratmosphäre und ein Zusammengehörigkeitsgefühl wie an einer Dorfschule, sagt Balda.

Einweihung von Neubau für Bildungsmodellprojekt Kardinal Marx segnet Räume für Kita und Grundschule im Pater-Rupert-Mayer-Schulzentrum in Pullach

Kardinal Reinhard Marx (links) und Bildungschefin Sandra Krump (hinten) bei der Weihe der neuen Räume am Donnerstag.

(Foto: Florian Peljak)

Zusätzliche Gruppenräume mit verschiebbaren Wänden sowie die Flure sollen die Kinder dann zusammen nutzen, vielleicht zum Lesen, vielleicht auch für ein Ballspiel zwischendurch. Wenig ist vorgegeben, das gesamte Mobiliar ist beweglich. Und so ist die Schule flexibel, um statt des üblichen Unterrichtsblocks am Vormittag und der Freizeit am Nachmittag die Tage abwechslungsreicher zu gestalten.

Von 2012 an hat Architekt Franz Balda geplant; 2015 wurde der Grundstein gelegt. 28,5 Millionen Euro hat alles gekostet, darin ist auch das Geld für den Umzug und alle Zwischenlösungen enthalten. Dabei ist das Projekt nur eines von mehreren: Die katholische Kirche baut seit Jahren ihr Bildungsangebot aus. Allein in den vergangenen sieben Jahren hat sie vier neue Fachoberschulen eröffnet, in Freilassing, in Garmisch-Partenkirchen, in Markt Indersdorf und zuletzt in Wolfratshausen-Waldram. Bis 2021 soll in München-Haidhausen eine weitere Grundschule entstehen.

Von einem Boom der Kirchenschulen will Krump aber nichts wissen. In den insgesamt 23 Schulen in Trägerschaft der Erzdiözese würden derzeit 11 723 Schüler unterrichtet, sagt sie. Die Zahlen seien stabil, die Anmeldezahlen in den vergangenen Jahren leicht gestiegen. Doch die Entwicklung der Schulen sei unterschiedlich. An einigen gebe es freie Plätze. An der Pullacher Volksschule und etwa am Maria-Ward-Gymnasium in Nymphenburg stoße man dagegen an Grenzen. "Wir bemühen uns, kein Kind abzuweisen", sagt Krump. Beliebig viele aufnehmen könne man aber nicht. Mehr als vier Klassen in einer Grundschule seien pädagogisch einfach nicht sinnvoll. "Lieber gründen wir noch eine andere Grundschule."

© SZ vom 06.10.2017
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