bedeckt München 27°

Komödie:Reinigt die Seele

"Auf der Couch in Tunis": Die Iranerin Golshifteh Farahani spielt eine Therapeutin, die in Tunesien eine Praxis für Psychotherapie eröffnet. Sie hört den Menschen zu - und lernt dabei viel über Politik und Gesellschaft.

Von Josef Grübl

Auf der Couch in Tunis

Die gebürtige Iranerin Golshifteh Farahani wurde vor zehn Jahren mit "Alles über Elly" bekannt, seitdem ist sie ein Star des internationalen Kinos.

(Foto: PROKINO/Carole Bethuel)

Wenn sie Probleme haben, gehen die Tunesier zum Friseur oder in ein Hamam. Dort können sie reden, dort müssen sie nichts bezahlen - zumindest nicht fürs Reden. Selma will ihnen aber professionelle Gesprächshilfe anbieten: Die in Paris aufgewachsene und in ihr Heimatland zurückgekehrte Tunesierin eröffnet in der Hauptstadt eine Praxis für Psychotherapie. Doch die Widerstände sind groß, vor allem in der eigenen Familie: "Du kannst doch keine Verrückten ins Haus lassen, ich habe drei Töchter", schimpft die Tante. Und: "Wir sind hier nicht in Europa!"

Selma zieht ihren Plan aber durch, schon bald stehen die Menschen Schlange bei ihr. Der französisch-tunesische Spielfilm Auf der Couch in Tunis ist eine sommerlich-leichte Komödie mit einer tollen Hauptdarstellerin: Die gebürtige Iranerin Golshifteh Farahani wurde vor zehn Jahren mit Ashgar Farhadis Alles über Elly bekannt, seitdem ist sie ein Star des internationalen Kinos, drehte mit Ridley Scott, Jim Jarmusch oder Mia Hansen-Løve. Hier spielt sie eine Frau, die anderen Menschen zuhört - und dabei viel über die politische und gesellschaftliche Lage in Tunesien erfährt. Selbst muss sie sich aber noch finden: Ob ihr ausgerechnet ein Polizist in Cowboystiefeln dabei helfen kann?

Auf der Couch in Tunis, Regie: Manele Labidi

© SZ vom 29.07.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite