Arena des FC Bayern Fußball live am Bratwurststand

Per Twitter und Facebook auf die Video-Wand: Fans, die lieber posten als zuschauen, werden so glücklich.

(Foto: Christian Krügel)

Telekom und FC Bayern wollen Arena und Fan-Gemeinde total digitalisieren. Das erste Spiel zeigt: Das kann anstrengend werden.

Von Christian Krügel

Das Publikum in der Arena teilte sich, grob gesagt, bisher in zwei Kategorien: In solche Menschen, die wegen des Fußballs ins Stadion kamen, und solchen, die eher wegen der leckeren Buffets in den Logen und Lounges und wegen Smalltalks mit Geschäftspartnern regelmäßig Gast beim FC Bayern sind. Nun ist es den Roten zum Start in die neue Saison gelungen, eine ganz neue Kategorie zu schaffen: den Fan, der zwar live in der Arena ist, sich aber doch nur rein virtuell in der Bundesligawelt aufhält.

"Stadium Vision" ist das Projekt überschrieben, das der Rekordmeister und sein Sponsor Telekom am Freitagabend beim Spiel gegen den Hamburger SV live schalteten: eine komplett vernetzte und digitalisierte Arena, mit 1000 Wlan-Zugangspunkten, mit vier Streaming-Kanälen zum laufenden Spiel, mit der Einbindung von Twitter, Facebook, Youtube und Bildschirmen in jedem Winkel der Betonschüssel. Die Telekom spricht vom " Stadion der Zukunft als multimedialem Lebensraum". Geschäftsführer Michael Hagspihl übersetzt das so: "Wir bringen das Geschehen im Stadion in die Welt und holen die Welt ins Stadion."

115 Kilometer Kabel und 940 Wlan-Antennen

Handy- und Wlan-Empfang waren bislang in der Arena durchaus wacklig: Wenn die Smartphones von 75 000 Menschen gleichzeitig ein Netz suchten, ging dieses schon mal in die Knie. Menschen aus dem analogen Zeitalter freuten sich dann, sich voll aufs Spiel konzentrieren zu dürfen. Digitale Menschen rauften sich die Haare. Letztere braucht aber die Telekom als Kunden. Deswegen rüstete sie in den vergangenen neun Monaten die Arena nicht nur mit 115 Kilometer Kabeln und 940 Wlan-Antennen aus. Gemeinsam mit dem FC Bayern will der Konzern die Fans während des Spiels in eine große digitale Mediengemeinde führen: Auf 70 Videowänden werden live und laufend Einträge der Fans zum Spiel in den sozialen Medien präsentiert.

Zudem hängen im Stadion jetzt 758 Bildschirme, die das Match vom Spielfeld auch noch vor den letzten Bratwurststand übertragen. Der voll digitalisierte Fan hält sich zwar noch in der Arena auf, muss aber längst nicht mehr auf den Zuschauerrängen stehen, um das Spiel live mitzubekommen. Wer so richtig twittern und posten will, zudem auf vier Videokanälen Spielszenen aus anderem Blickwinkeln sehen und noch dazu die neueste Infos aus den anderen Stadien haben will, der hat es an einem ruhigen Fleckchen vor den Toiletten eher besser als in der Südkurve. Im Werbesprech klingt das so: "Der Fokus liegt auf einem einzigartigen Fan-Erlebnis, multimedial, interaktiv und personalisiert."

Erst müssen die Kundendaten hinterlegt werden

Wer jetzt aber das Ende des Live-Erlebnisses "Fußball im Stadion" beklagen möchte, sei getröstet: Der erste Echttest am Freitagabend ließ schon noch Platz für analoge Fußballfans. Zwar freut sich der digitale Fan über den vollen Wlan-Empfang, den ihm sein Smartphone beim Betreten der Arena anzeigt. Will er sich aber ins freie Internet einloggen, landet er erst mal auf der FC-Bayern-Homepage, dann auf dessen Smartphone-App. Dort registriert er sich brav (und hinterlegt beim Klub gleich mal seine Kundendaten), doch auch dann klappt das mit dem kostenlosen Zugang nicht so richtig. Er bleibt in einer digitalen FC-Bayern-Endlosschleife hängen, landet auf den selben Homepages und App-Stores - und steckt schließlich doch entnervt das Gerät ein, um echten Fußball zu schauen.

Sollte es am zweiten Spieltag doch auf allen Smartphones funktionieren, gibt es immer noch einen letzten analogen Rückzugsraum: die Parkgaragen. Dort steht man auch zu Beginn der elften Arena-Spielzeit locker noch eine Stunde nach Schlusspfiff im Stau - und garantiert nirgends findet sich eine Videowand oder Wlan-Antenne.

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