Der Oberbürgermeister gilt nicht als Freund von Parteiveranstaltungen, Dieter Reiter grüßt bei solchen Anlässen seine SPD gerne mal aus der Ferne. Ganz anders ist das in diesen Novembertagen, knapp vier Monate vor der Kommunalwahl. „Der zweite Parteitag in einer Woche, das ist ein historisches Erlebnis für mich“, sagt Reiter in Anspielung auf seine sonst dosierten Besuche. Die Parteifreunde danken ihm seine Präsenz, wie bei der Kür zum OB-Kandidaten am Montag wählen sie ihn mit einem nahezu makellosen Ergebnis auf Position eins ihrer Liste für die Stadtratswahl.
Reiter steht auf, legt seine Hände ans Herz, als das Ergebnis bekannt gegeben wird. Von 110 gültigen Stimmen hat er 109 erhalten, bei einer Enthaltung. Besser hätten die Sozialdemokraten die vom Oberbürgermeister vorher beschworene Geschlossenheit nicht unter Beweis stellen können. Auch im weiteren Verlauf der Aufstellung der Stadtratsliste im Saal des Kulturhauses Milbertshofen folgen die Mitglieder am Samstag weitgehend dem Vorschlag, den eine Findungskommission erarbeitet hat.
Auf Position zwei steht Bürgermeisterin Verena Dietl, dahinter kommen SPD-Stadtchef Christian Köning und seine Co-Fraktionsvorsitzende im Rathaus, Anne Hübner. Nach der Spitze im Rathaus folgt einer, der vor allem auch über die Brettl-Spitzen bekannt ist. So heißt eine Sendung des BR, die sich auf die Tradition der bayerischen Volks- und Wirtshaussänger beruft. Liedermacher Roland Hefter gehört da quasi zum Inventar, möglicherweise kommt es auch bei der Liste der SPD so. Er steht nach seiner ersten Amtszeit als Stadtrat zum zweiten Mal drauf, gleich prominent auf Platz fünf.
Die Idee, den Sänger in die Politik zu holen, hatte vor der jüngsten Kommunalwahl OB Reiter. Sein Ziel war damals das gleiche wie 2026: eine Liste, „die nicht nur uns gefällt, sondern auch den Wählerinnen und Wählern. Die alles widerspiegelt, was die SPD nach außen tragen will“.
Dazu gehört vor allem auch das Thema bezahlbares Wohnen. Dafür steht eine Neueinsteigerin, die aber einen in der Münchner SPD klangvollen Namen hat. Monika Schmid-Balzert, Tochter des verstorbenen früheren Fraktionsvorsitzenden Helmut Schmid, soll als stellvertretende Geschäftsführerin des Mietervereins ihre Kompetenz in die neue Fraktion einbringen. Mieterschutz sei für sie „in der DNA der SPD verwurzelt“, sagt sie.
Ihren vorgesehenen Listenplatz 14 muss Schmid-Balzert allerdings verteidigen. Micky Wenngatz, Vorsitzende des Vereins „München ist bunt“, will vier Plätze nach vorne, sie ist auf Platz 18 in der Vorreihung gelandet. Doch auch der Verweis auf die große Demo gegen Rechts, an deren Organisation sie maßgeblich beteiligt war, und die Zugehörigkeit zur queeren Community nützen ihr nichts. Sie unterliegt klar und bleibt auf Position 18.

Die SPD stellt ihre Liste paritätisch auf. Da keine einzige Stadträtin, aber mit Andreas Schuster, Cumali Naz und Marian Offman gleich mehrere Männer aufhören und Nikolaus Gradl zur CSU gewechselt ist, sind die attraktiven Plätze für Frauen deutlich härter umkämpft. Stadträtinnen wie Julia Schmitt-Thiel und Barbara Likus landen auf den Plätzen 20 und 22, welche zumindest bei der vergangenen Wahl im Endergebnis nicht zum Einzug gereicht hätten.
„Rang 20 befeuert meinen Ehrgeiz“
Doch die Kommunalwahl bietet die Möglichkeit, sich durch persönliche Stimmen in der Liste nach vorne zu arbeiten. Schmitt-Thiel hat 2020 sechs Plätze gut gemacht, auf einen ähnlichen Effekt hofft sie diesmal auch. Rang 20 „befeuert meinen Ehrgeiz“, sagt sie. Sie will auch künftig „die Klimastimme der SPD“ im Rathaus sein.
Bei der harten Konkurrenz auf den Frauen-Plätzen ist es bemerkenswert, dass auf Platz sechs mit der 29 Jahre alten Paula Gundi die Münchner Juso-Vorsitzende sehr weit vorne steht. Mit dem gleichaltrigen Arda Celik auf Position neun könnte sie für eine starke, junge Stimme in der Fraktion sorgen. Celik ist noch dazu Mitglied im Münchner Mieterbeirat, was auch auf das Ziel des bezahlbaren Wohnraums einzahlt.
Eine Überraschung, die sich dem Vernehmen nach erst in den vergangenen Wochen relativ spontan ergeben hat, präsentiert die SPD auf Platz 19. Dort kandidiert Yeshaia Brysgal, Jugendleiter der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Nach dem Ausscheiden von Marian Offman könnte die SPD damit wieder eine jüdische Stimme in den Stadtrat bringen.
Der Münchner Stadtchef Köning zeigt sich mit der „tollen Mischung“ aus erfahrenen Kräften und neuen Kandidaten sehr zufrieden. Auch über die motivierende Rede des Oberbürgermeisters ist er glücklich. „Er hat zum Ausdruck gebracht, dass er der Anführer dieser Liste ist.“
Reiter will aber nicht nur die Liste anführen, sondern auch eine möglichst große Fraktion im Rathaus hinter sich wissen. „Wir müssen zu alter Stärke zurückfinden und es darf nicht möglich sein, ohne die SPD die Stadt zu regieren“, fordert er. „Es kann nicht sein, dass wir drittstärkste Kraft bleiben.“

