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Kommunalwahl 2020:FDP wählt Jörg Hoffmann zum OB-Kandidaten

Jörg Hoffmann ist neuer Bürgermeister-Kandidat der FDP in München.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Der 48-jährige Steuerrechtler will im Wahlkampf auf Verkehr und Digitalisierung setzen - und die Zahl der Liberalen im Stadtrat verdoppeln.

Die Münchner Liberalen schicken Jörg Hoffmann ins Rennen: Der 48-jährige Steuerrechtler und Hochschulprofessor tritt als Oberbürgermeister-Kandidat für die FDP an. Bei einer Parteiversammlung am Samstag hat er sich in der Stichwahl mit 59 Prozent gegen den Münchner FDP-Chef Fritz Roth durchgesetzt. Stadtrat Thomas Ranft, der sich ebenfalls beworben hatte, war bereits im ersten Wahlgang unterlegen.

Hoffmann, der seit Dezember 2018 als Nachrücker im Stadtrat sitzt, hatte sich den Parteimitgliedern mit einem Plakat aus dem Stadtratswahlkampf 1996 vorgestellt: Damals war er unter dem Motto "Jung und schön. Was wollt ihr mehr?" für die Jungen Liberalen angetreten. Gewählt wurde er nicht. Doch sie hätten damals schon einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs gefordert, ein einfacheres Tarifsystem, mehr Park-and-Ride-Stellplätze am Stadtrand und den Ausbau des Radwegenetzes, sagte Hoffmann. Unter SPD, Grünen und CSU sei davon so gut wie nichts verwirklicht worden. Er werde jetzt im Wahlkampf für eine Verkehrswende werben, die nicht nur Radfahrern zugute komme, sondern allen Verkehrsteilnehmern. Außerdem müsse München in die Digitalisierung investieren, "da schläft die Stadt überall". Und sie solle mehr neue Wohnungen schaffen, statt das Geld dafür auszugeben, über ihr Vorkaufsrecht schon existierende Wohnungen zu übernehmen. Außerdem müsse man höhere Häuser bauen. Nur so könne man die Flächenversiegelung begrenzen.

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Er habe die Erfahrung, um die anderen in die Schranken zu weisen, warb Hoffmann für sich selbst: Seit 27 Jahren ist er Mitglied der FDP, seit 2002 sitzt er im Bezirksausschuss Altstadt-Lehel, seit 2008 war er auch bereits sechs Jahre lang Stadtrat. In diesen zieht er wohl auch 2020 wieder ein: Die Münchner FDP hat ihn am Samstag nicht nur zum OB-, sondern auch zu ihrem Spitzenkandidaten bei der Stadtratswahl bestimmt. Seine unterlegenen Konkurrenten Roth und Ranft erhielten die Listenplätze drei und sieben. Den zweiten Platz eroberte die schon seit 2002 amtierende Stadträtin Gabriele Neff.

Hoffnungen machen sich aber auch einige andere: Die FDP gibt sich zuversichtlich, dass es 2020 für mehr eigene Kandidaten reicht als bei der letzten Wahl 2014. Damals hatte sie 3,4 Prozent der Stimmen erhalten, das genügte für lediglich drei Sitze im Stadtrat. Doch das sei nur ein Ausrutscher gewesen, sagt Hoffmann. Die FDP könne durchaus sechs Sitze erreichen, und die brauche man auch. "Wir müssen es schaffen, dass nicht rot-rot-grün gegen uns regiert werden kann."

Dann können sich auch insbesondere zwei jüngere Frauen Hoffnungen machen, Dagmar Föst-Reich (Listenplatz vier) und Jennifer Kaiser von den Jungen Liberalen (Platz fünf) - und es käme tatsächlich zu dem behutsamen Generationswechsel, wie er sich laut Roth in der Liste abzeichnet: Man trete mit einer Mischung aus erfahrenen und jungen Kandidaten an, sagt er. Zu diesem Wechsel gehört auch, dass Michael Mattar einen Schritt zurücktritt: Der 65-jährige im Stadtrat über Fraktionsgrenzen hinweg geschätzte derzeitige Fraktionschef der FDP tritt auf dem wenig aussichtsreichen elften Listenplatz an. Weiter vorne wollte er selbst nicht stehen. "Zwölf Jahre im Stadtrat sind eine gute Zeit", sagt er. Wenn er bei der Wahl vorgehäufelt werde, würde er das Votum zwar annehmen, "aber auch für mich in Anspruch nehmen, nicht die ganzen sechs Jahre zu machen".

Prominenz wartet bei der FDP auf Listenplatz acht: Hier tritt Patricia Riekel an, die ehemalige Chefredakteurin der Zeitschrift Bunte. Sie wolle, dass München schöner werde oder so schön bleibe, wie es an vielen Ecken sei, sagte sie. Außerdem habe sie ein großes Netzwerk von Frauen - und die FDP brauche dringend mehr weibliche Mitglieder.

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