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Kommunalwahl in Schwabing-West:Auf gute Zusammenarbeit

Die Grünen sind Wahlsieger, wollen aber mit allen Parteien kooperieren

Es ist ein Paukenschlag. Doppelt so viele Sitze wie die SPD und die CSU, zwölf von insgesamt 29 und damit fünf mehr als bisher, konnten die Grünen mit 40,9 Prozent der Stimmen im westlichen Schwabing erobern. Warum, das ist selbst der Spitzenkandidatin der Öko-Partei, Gesa Tiedemann, nicht so recht klar. Natürlich, die Geschäftsführerin der Petra-Kelly-Stiftung freut sich sehr für ihre Partei. Aber warum die Sozialdemokraten, die "nicht viel falsch gemacht haben", in einer ihrer Hochburgen derart abgestraft wurden und mit einem Minus von 16,2 Prozentpunkten nun nur noch auf etwas mehr als 21 Prozent kommen, kann sich Tiedemann nur mit dem Boom für die Grünen in München insgesamt erklären.

"Eine Katastrophe" nennt Ingrid Sufi (SPD) das Ergebnis. Die bisherige Fraktionssprecherin im Stadtteilgremium "versteht nicht, was die Leute sich gedacht haben, keine Ahnung". So schlecht hätten die Sozialdemokraten schließlich nicht gearbeitet auf lokaler Ebene. Fakt ist, die Wähler haben vorwiegend soziale Berufe angekreuzt: Sufis Ehemann etwa wurde zwölf Plätze nach vorne gehäufelt - der Mann ist Arzt. Möglich, mutmaßt die 77-Jährige, dass die Corona-Pandemie bei der Abstimmung bereits mitspielte. Sufi, die auf Platz eins antrat, wird ihren Sprecherposten weiterhin behalten, das haben die Genossen vergangene Woche beschlossen. Auch wenn sie im Endergebnis von Seniorenvertreterin Ingrid Neumann-Micklich überholt wurde.

Das Wahlergebnis "eigentlich schon fast erwartet" hat dagegen die auf Position eins der CSU-Liste vorgehäufelte Christine Müller. Zum Glück, meint die Gymnasiallehrerin, "hat es uns nicht so sehr erwischt". Die Wahlschlappe der Christsozialen fiel deutlich weniger krass aus als bei der SPD: Die Schwarzen verloren nur zwei Sitze, die Roten fünf von zuvor elf.

Und die kleineren Parteien? Geringfügig verloren hat die FDP, dafür gewann das Bündnis aus Freien Wählern und ÖDP etwas dazu. Neu im Stadtteilgremium ist die Linke, mit 5,4 Prozent liegt sie gleichauf mit den Freien Demokraten. Die AfD darf nicht in den Bezirksausschuss Schwabing-West einziehen, "Gott sei Dank", wie Gesa Tiedemann konstatiert.

Die bislang dritte stellvertretende Vorsitzende, seit 18 Jahren im BA, würde im neuen Gremium gerne den Chefposten übernehmen. Und dabei organisatorisch alles so belassen, wie es war - also keine Koalitionen bilden, sondern alle Fraktionen in einem erweiterten Vorstand einbinden. Mit Vorsitzender, beiden Stellvertretern, allen Fraktionssprechern und Unterausschuss-Vorsitzenden. "Damit sind wir immer gut gefahren, mehr als 90 Prozent unserer Entscheidungen waren in den vergangenen Jahren einstimmig. Ich hoffe, dass das auch so bleibt." Sufis Unterstützung hat sie bereits.

© SZ vom 01.04.2020

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