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Kommunalwahl in Planegg:Mammutaufgabe für den Neuen

Als Mediator ist Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU) jetzt gefragt, im Bild mit Lebenspartnerin Carolin und die beiden Kater Jodi und Joey.

(Foto: Catherina Hess)

CSU-Bürgermeister Nafziger muss zersplitterten Gemeinderat einen

Die Kommunalwahl hat die politische Landschaft in Planegg komplett umgekrempelt. Sieben unterschiedliche Gruppierungen sitzen im künftigen Gemeinderat - eine Mammutaufgabe für den neuen Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU), der den ganzen Laden ja nicht nur zusammenhalten, sondern zu politischen Mehrheitsentscheidungen kommen muss, ohne parteipolitischen Präferenzen. Nafziger, der schon einmal sechs Jahre lang Dritter Bürgermeister war, kennt das Geschäft. Das ist wohl der Hauptgrund für seinen Erfolg in der Stichwahl gegen Cornelia David.

Überragend ist der Sieg nicht, immerhin wurde Nafziger von SPD und Grünen unterstützt. Wohl auch deshalb muss der neue Bürgermeister vor allem ein Mediator und Moderator zwischen den politischen Gruppierungen sein. Er kann sich auch nicht automatisch der Unterstützung seiner Fraktionskollegen von der CSU sicher sein. Niemand hat im Gemeinderat eine eigene ausreichende Mehrheit. Es wird ein Gremium der Kompromisse werden.

Wie es so weit kommen konnte, verdient einen vertiefenden Blick: Vor allem die siegesgewohnte SPD ist schwer abgestürzt, geradezu halbiert. Sie hat ihr Erfolgslevel nach dem Tod von Bürgermeisterin Annemarie Detsch nicht wieder erreicht. Deren Nachfolger Heinrich Hofmann machte seine Sache nicht schlecht, aber den Wählern halt nicht gut genug. Die von der SPD nominierte Christine Berchtold war sicher eine honorige Kandidatin, doch ihr Wahlkampf erschien wenig empathisch, riss niemanden mit. Man muss kein Hellseher sein, um zu sagen, dass die SPD mit einer (parteifreien) Cornelia David ein besseres Ergebnis eingefahren hätte. Aber da war wohl die Partei-Räson dagegen.

Jetzt kommt es vor allem darauf an, wie die bestens verwaltete Gemeinde Planegg in den nächsten Jahren politisch geführt wird. Den Posten des Zweiten und Dritten Bürgermeisters kommt hierbei eine wichtige Rolle zu - auch psychologisch, damit sich die vielen Gruppierungen besser vertreten fühlen. Vor der Stichwahl war, was diese Posten betrifft, schon ziemlich viel hinter den Kulissen besprochen worden.

Es ist aber Aufgabe des neuen Bürgermeisters, jetzt dafür zu sorgen, dass die zweitstärkste Kraft im Gemeinderat, die Freien Wähler mit 17,9 Prozent der Stimmen und einer Bürgermeister-Kandidatin, die nahezu von jedem zweiten Planegger gewählt worden ist, auch den Posten des Zweiten Bürgermeisters erhält. Wahlabsprachen dürfen da nicht im Weg stehen. Nafziger könnte seinen Einfluss geltend machen und der politischen Vernunft einen Dienst erweisen. Es wäre ein guter Beginn seiner Zeit als Planegger Bürgermeister.

© SZ vom 31.03.2020

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