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Kommunalwahl in Obergiesing-Fasangarten:Bald ist jeder Hinterhof bebaut

Carmen Dullinger-Oßwald warnt vor den Folgen der Nachverdichtung.

(Foto: Claus Schunk)

Das Gremium steht vor großen Herausforderungen: Dauerstau auf den Straßen, der drohende Verlust der Frischluftschneise, steigende Mieten

Von Hubert Grundner, Obergiesing/Fasangarten

Kaum jemand dürfte die Verhältnisse in Obergiesing-Fasangarten besser kennen als sie: die Mitglieder des örtlichen Bezirksausschusses. Wo sehen sie die großen Herausforderungen, vor denen der Stadtbezirk 17 in den kommenden Jahren steht?

Für Carmen Dullinger-Oßwald (Grüne), die BA-Vorsitzende, hängt vieles von den Folgen ab, die durch die enorme Nachverdichtung im Viertel ausgelöst werden. Sie denkt dabei unter anderem an die Bebauung des McGraw-Areals wie auch daran, "dass bald jeder Hinterhof bebaut sein wird". Dies bedeute mehr Menschen und Verkehr im öffentlichen Raum. "Wir müssen darauf achten, dass diese Entwicklung ihren Fokus auf die Menschen richtet, ihnen Grünzüge mit Ruheplätzen anbietet wie auch unkomplizierte Wege, um von A nach B zu kommen, möglichst ohne Auto." Es brauche auch zusätzliche Schul- und Kitaplätze. Und es werde Mut gefragt sein, um beispielsweise eine Straße oder einen Platz so zu gestalten, dass auch eine Geburtstagsfeier darauf stattfinden kann. Aber die größte Herausforderung für den Bezirksausschuss werde sein, "unsere Frischluftschneise vom Hachinger Tal her zu erhalten, denn das Klima hat höchste Priorität", mahnt Dullinger-Oßwald.

Die örtliche SPD hat zur Frage, wie Giesing in Zukunft aussehen soll, sogar einen Programm-Workshop abgehalten. Laut Spitzenkandidat Alexander Schmitt-Geiger ist dabei unter anderem die Forderung nach einem Gründeckel für den McGraw-Graben entwickelt worden. Er ergänzt: "Und damit sich junge Menschen in Giesing frühzeitig in Demokratie üben können, wollen wir beratende Jugendparlamente auf Ebene der Bezirksausschüsse." Und sein Parteikollege Klaus Neumann gibt als Ziel aus: "Giesing löst seine Verkehrsprobleme." So solle der Zufluss der A 995 in den Mittleren Ring Chiemgaustraße/Tegernseer Landstraße noch besser eingefädelt werden: Fließender Verkehr stoße weniger Schadstoffe aus als Autos im Dauerstau, wie es zurzeit oft der Fall ist. Überdies schlägt er vor, ein Tempo-30-Limit auf alle Anwohnerstraßen auszudehnen.

Beharrlich setzt sich die CSU im BA für die Interessen der Wirtschaft ein. Thomas Krieger sagt denn auch: "Der Erhalt örtlicher Geschäfte gehört mit zu den wichtigsten Anliegen." Hohe Mieten, Parkplatzvernichtung und mangelnder Nahverkehr stünden dem im Wege. Ein weiteres Anliegen Kriegers: Mit den BA-Kollegen will er verhindern, dass sich immer mehr Spielhallen in den Vierteln breitmachen.

Beim Blick in die Glaskugel hat auch Heribert Wagner (FDP) ein klares Bild von den künftigen Herausforderungen vor Augen: bezahlbaren Wohnraum durch Nachverdichtung zu schaffen und dennoch den Gartenstadtcharakter im Bereich des Fasangartens und der ehemaligen amerikanischen Siedlung zu erhalten. Ausbau der Infrastruktur sowie des Angebotes an Kitas, Kindergärten und Schulen, Förderung sozialer und kultureller Einrichtungen nennt er als weitere drängende Themen. Ganz ähnlich klingt es bei der CSU: Für die Apothekerin Rita Brunnengräber steht eine "bessere Versorgung unserer Kleinsten, das heißt, mehr Krippen- und Kindergartenplätze" an vorderster Stelle zusammen mit der Forderung nach bestmöglicher Bildung für Kinder und Jugendliche.

"Wir wollen in Obergiesing die Tegernseer Landstraße und den Tegernseer Platz zu einem echten Obergiesinger Bürgerzentrum entwickeln", kündigt Hans-Peter Mehling als eines der Ziele der Freien Wähler an. Zudem solle im Bereich des Mittleren Rings, entlang der Chiemgaustraße und der Tegernseer Landstraße der Verkehrsfluss deutlich erhöht und die Schadstoffbelastung weiter gesenkt werden. Das "Uhrmacherhäusl" an der Oberen Grasstraße müsse original wiederaufgebaut werden, so Mehling.

© SZ vom 08.01.2020
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