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Kommunalwahl in Gräfelfing:Triumph des Überraschungssiegers

Nach einem Wahlkrimi zieht der CSU-Politiker Peter Köstler an der Amtsinhaberin Uta Wüst vorbei und wird neuer Bürgermeister. Seine Vorgängerin kündigt an, sich aus der Kommunalpolitik zurückzuziehen

Spannender kann ein Wahlabend kaum sein: Mit denkbar knappem Vorsprung zog Peter Köstler (CSU) am Sonntag bei der Stichwahl um das Gräfelfinger Bürgermeisteramt an der amtierenden Rathauschefin Uta Wüst (Interessengemeinschaft Gartenstadt Gräfelfing, IGG) vorbei. Um nur zwei Prozentpunkte lag er mit insgesamt 51 Prozent der Stimmen letztlich vor seiner Kontrahentin. Das Wahlergebnis kam unerwartet. Wüst hatte sich bis zuletzt zuversichtlich gezeigt, mit der Wahlempfehlung der Grünen die Mehrheit zu erreichen.

Wahlsieger Peter Köstler mit Frau Sabine.

(Foto: Catherina Hess)

Trotz Ausgangsbeschränkung erleben die Gräfelfinger Bürger einen regelrechten Wahl-Krimi - und das am PC-Bildschirm. Bis zuletzt bietet sich ihnen ein äußerst knappes Kopf-an-Kopf-Rennen. Erste Ergebnisse der Briefwahlauszählung liegen um 18.38 Uhr vor. Köstler legt 50,9 Prozent vor, Wüst erreicht 49,1 Prozent. Von nun an sinkt Köstlers Stimmenanteil nur ein einziges Mal während der Auszählung der 15 Stimmbezirke unter die 50-Prozent-Marke. Um 19.51 Uhr steht dann das Ergebnis der Auszählung fest: Köstler erhält 3790 Wählerstimmen, Wüst 3638 Stimmen, eine Differenz von 152 Stimmen.

Uta Wüst mit Mann Gorden.

(Foto: Catherina Hess)

Dass es ein knappes Ergebnis werden würde, hatte sich schon im ersten Wahldurchgang vor zwei Wochen angekündigt. Beide Kandidaten waren stimmengleich, jeder konnte 36,3 Prozent der Stimmen für sich verbuchen. Die Grünen/Unabhängige Liste hatten daraufhin der amtierenden Bürgermeisterin eine Wahlempfehlung ausgesprochen. Ein Versprechen, das die Bürgermeisterin in Sicherheit wähnte, wie sie in Gesprächen durchblicken ließ.

Der bislang Zweite Bürgermeister Peter Köstler, der den Abend mit seiner Frau in seinem Büro im Rathaus verbrachte, zeigte sich hocherfreut über sein Wahlergebnis. Gegen die Amtsinhaberin zu gewinnen, sei schon "eine tolle Sache". Es sei ein fairer Wahlkampf gewesen. Bei der Kommunalwahl 2014 war er schon einmal gegen Wüst angetreten, damals gewann sie knapp mit einem Vorsprung von 2,4 Prozentpunkten. "Dieser Schlag saß tief vor sechs Jahren", sagte Köstler am Wahlabend. Er sei trotzdem noch einmal angetreten, "weil ich es wissen wollte, weil ich gewinnen wollte". Für den 47-Jährigen hat es sich ausgezahlt, seinen politischen Weg vor sechs Jahren trotz Wahlschlappe weitergegangen zu sein. Er übernahm damals wieder das Amt des Zweiten Bürgermeisters, das er schon seit 2008 innehatte. Das Bürgermeisteramt jetzt mit so knappem Ergebnis anzutreten, sei ein "Riesenauftrag". Doch er betrachte es als seine Aufgabe, für alle Bürger da zu sein, nicht nur für jene, die ihn gewählt hätten. Mehrheiten im künftigen Gemeinderat zu schaffen, sei nun eine wichtige Aufgabe. Die CSU kann von insgesamt 24 Gemeinderatssitzen acht besetzen, plus der Stimme des Bürgermeisters.

Uta Wüst, die den Wahlabend mit ihrer Familie im Foyer des Rathauses verbrachte, gratulierte dem Herausforderer. Sie zeigte sich sehr enttäuscht über den Wahlausgang, "damit habe ich nicht gerechnet". Sie blicke auf sechs Jahre gute Arbeit zurück, sie habe viel geschafft, mehr als anvisiert gewesen sei, es habe zudem "keine großen Skandale, keine Bürgerbegehren" und keinen spürbaren Gegenwind in der Bürgerschaft gegeben. Zudem habe die IGG einen engagierten Wahlkampf geführt. Sie wähnt die Coronakrise mitverantwortlich für den Wahlausgang, insgesamt zeige sich eine Art Söder-Trend. Wüst will sich nun aus der aktiven Kommunalpolitik zurückziehen, sie werde ihr Mandat als Gemeinderätin nicht annehmen, "das muss ich mir nicht antun".

© SZ vom 30.03.2020

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