Süddeutsche Zeitung

Kommunalwahl in der Maxvorstadt:Pragmatische Harmonie

Einst zoffte man sich im Bezirksausschuss permanent, heute wird konstruktiv gearbeitet

Vor sechs Jahren stand das politische Personal in der Maxvorstadt vor einem Wendepunkt. Das Gremium tagte damals noch im ehrwürdigen Palais Pinakothek, früher Palais Dürckheim genannt, an der Türkenstraße - und wurde wegen der zumeist gereizten Debatten treffend als "Palais der schlechten Laune" charakterisiert. Heute trifft man sich ein paar Meter weiter im nüchternen Arcadensaal der Bayerischen Landesbank. Das Ambiente passt zum Erscheinungsbild des amtierenden Bezirksausschusses, man könnte es wohl als "Saal der pragmatischen Harmonie" bezeichnen.

Die Akteure hatten bei der konstituierenden Sitzung im Mai 2014 erkannt, dass es so nicht weiter gehen kann. Der oft erbittert ausgetragene Unfriede vor allem zwischen SPD und Grünen hatte das Gremium gelähmt. Nun gelobten die Gewählten, sich mehr den Sachthemen als der Pflege persönlicher Feindschaften zu widmen. Das ist weitgehend gelungen. Der BA ist arbeitsfähig, auch weil vieles in den Unterausschüssen vorberaten wird. So sprach der BA mit einer Stimme, wenn es um das Kunstareal oder Großprojekte wie die neue Siemens-Zentrale ging. Auch stemmten sie sich einhellig gegen einen Fan-Treffpunkt zur Fußball-EM im Alten Botanischen Garten. Einerseits.

Andererseits blitzt der alte Knatsch durchaus immer wieder in Debatten auf, verflüchtigt sich aber meist schnell wieder. Vor allem, wenn die Grünen gegen die Stimmen aller anderen Fraktionen wieder einmal einen ihrer Anträge nicht durchbekommen. Dann lassen die Vertretern der Öko-Partei erkennen, dass sie sich ausgebootet fühlen - ein Gefühl, das sie schon sehr lange haben, mithin einer der Gründe für all die Reibereien. Nach der Wahl 2008 waren sie zweitstärkste Fraktion, doch SPD und CSU koalierten, machten Oskar Holl (SPD) zum Vorsitzenden, die CSU bekam den Vizeposten. Der fiel 2014 als einziges Amt für die Grünen ab, obwohl sie die meisten Sitze errungen hatten. Bei der Wahl der Unterausschussvorsitzenden gingen sie leer aus. SPD und CSU nutzten ihre Mehrheit mit der FDP und machten den Polizeibeamten Christian Krimpmann zum BA-Chef.

Der würde gerne weitermachen. Es dürfte vom Wahlergebnis der SPD abhängen, ob er es auch darf. Der 42-Jährige ist unprätentiös, agiert vor allem als Moderator und pflegt einen trockenen Humor, mit dem er die mitunter aufkeimende schlechte Laune nicht immer, aber des öfteren zu vertreiben vermag. "Vernünftig" und "konstruktiv", zählen zu seinen Lieblingsvokabeln, mit denen unterdessen auch seine beiden Konkurrentinnen charakterisiert werden können: die Grünen-Spitzenkandidatin Svenja Jarchow-Pongratz und die Listenführerin der SPD, Katharina Blepp.

Die Spitzenkandidaten (soweit bekannt): Grüne: 1. Svenja Jarchow-Pongratz, 2. Georg Jakob, 3. Sigrid Eck. SPD: 1. Katharina Blepp, 2. Felix Lang, 3. Gesche Hoffmann-Weiss. CSU: 1. Christian Krimpmann, 2. Günther Westner, 3. Lea Bosch. FDP: 1. Karin Hiersemenzel, 2. Florian Zenger, 3. Florian Föllmer. FW/ÖDP: 1.-3. Harald Müller.

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SZ vom 18.01.2020
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