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Kommunalwahl in Aying:Zu alt für die Urne

Bundestagswahl

Wahlhelfer bei der Bundestagswahl. Ein strapaziöser Job?

(Foto: Inga Kjer/dpa)

Fürsorgepflicht oder Altersdiskriminierung? Kurz vor der Kommunalwahl ist in Aying bei München eine ungewöhnliche Altersgrenze eingeführt worden: Wer älter ist als 70 Jahre, dem sei das strapaziöse Auszählen nicht mehr zuzumuten. Die abgewiesenen Wahlhelfer sehen das allerdings ganz anders.

Von David Ehl und Michael Morosow

Der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer könnte, so es seine Gesundheit zuließe, auch noch mit 90 Jahren, quasi als Landesgroßvater, seine schützende Hand über den Freistaat halten. Für die aufreibende Aufgabe eines Wahlhelfers aber würde seine Spannkraft nicht mehr genügen. Zumindest nicht in Aying.

Der Wahlleiter der Gemeinde, Klaus Friedrich, hat vor wenigen Tagen zwei Wahlhelfer im Rentenalter wissen lassen, dass er sie aus Altersgründen nicht mehr an die Urnen lassen werde. Sein Argument: Die beiden Ayinger seien älter als 70 Jahre, daher wolle er ihnen nicht mehr den strapaziösen Wahltag am 16. März zumuten. Im Klartext: Die beiden sind für die Urne zu alt.

Während sich der Wahlleiter in der Fürsorgepflicht sieht, wähnt sich der 73-jährige Walter Fürsicht als Opfer einer Altersdiskriminierung. In seiner Not wandte er sich an seinen Freund, den Alterspräsidenten des Bayerischen Landtags, Peter Paul Gantzer (SPD). Der frühere Oberst der Reserve zeigt sich mit seinen 75 Lenzen noch derart auf der Höhe, dass er sich heute noch mit einem Fallschirm aus Flugzeugen stürzt. Dennoch erlitt er im September eine Bruchlandung vor dem Bundesverfassungsgericht mit seiner Forderung, die Altersgrenze von derzeit 65 Jahren für Kandidaturen zum Ersten Bürgermeister und Landrat aufzuheben.

Dass Gantzer nun der heilige Zorn packte, als er Notiz nahm von der Entscheidung des fürsorglichen Ayinger Wahlleiters, versteht sich: "Das ist ein Jugendwahn und ein Schlag mit der Faust ins Gesicht für ältere Ehrenamtliche. Wie alt ist dieser Friedrich eigentlich?"

Durchgecheckte Wahlhelfer

Klaus Friedrich ist 53 Jahre alt und weiß das Landratsamt auf seiner Seite. Von der Kommunalaufsicht gebe es an seiner Entscheidung nichts zu beanstanden, sagte Behördensprecherin Christine Spiegel zur SZ. Friedrich habe nachgewiesen, dass er nach bestem Wissen und Gewissen entschieden habe. Die Kandidaten für das Amt des Wahlhelfers seien abgecheckt worden nach EDV-Kenntnissen, Proporz und Altersstruktur.

Wahlleiter Friedrich betont, die beiden Betroffenen hätten bisher gute Arbeit geleistet. Er wolle sich halt im Hinblick auf künftige Wahlen "für die Zukunft einen jüngeren Stamm aufbauen". Im wichtiger werdenden Einsatz von EDV-Geräten seien laut seiner Erfahrung "jüngere Wahlhelfer etwas flotter".

Das hat er auch Walter Fürsicht unverblümt mitgeteilt: "Er war von seiner Entscheidung nicht mehr abzubringen", berichtet der 73-Jährige. Noch bei der Landtagswahl im Herbst sei der Wahlleiter mit seiner Arbeit zufrieden gewesen.

© SZ vom 01.03.2014/infu

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