OB-Wahl 2020 Grüne wählen Habenschaden zur Spitzenkandidatin

Katrin Habenschaden will 2020 Oberbürgermeisterin werden.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Katrin Habenschaden fordert bei der Oberbürgermeisterwahl 2020 Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) heraus.
  • Bei der Stadtversammlung wählen die Grünen sie mit 97,77 Prozent der Stimmen zur Spitzenkandidatin für die Kommunalwahl.
  • In ihrer Nominierungsrede kritisiert Habenschaden das bestehende Rathausbündnis von CSU und SPD deutlich.
Von Heiner Effern

Die Grünen werden mit Stadtrats-Fraktionschefin Katrin Habenschaden als Spitzenkandidatin in die Kommunalwahl 2020 gehen. Die 41 Jahre alte Bankkauffrau wurde auf der Stadtversammlung mit 97,77 Prozent der Stimmen nominiert. Damit wird Habenschaden bei der Oberbürgermeisterwahl Amtschef Dieter Reiter (SPD) herausfordern. Die offizielle Aufstellung erfolgt im Herbst. "Wir haben eine einzigartige Chance, wie es sie noch nie gab. Wir wollen regieren, und ich möchte die erste grüne Oberbürgermeisterin in München werden", sagte Habenschaden im Jubel von mehr als 200 Parteifreunden im Kesselhaus im Münchner Norden.

Überraschend kommt diese Personalie nicht mehr. Habenschaden hatte schon frühzeitig ihre Ambitionen bekannt gegeben, was in der Partei sofort positiv aufgenommen wurde. Eine Gegenkandidatur gab es nicht. Die Grünen zeigten sich danach auch bei der Wahl ihrer neuen Stadtvorsitzenden sehr geschlossen. Für den männlichen Part der Doppelspitze bewarb sich als einziger Kandidat Dominik Krause, der auch stellvertretender Vorsitzender der Stadtratsfraktion ist. Er erhielt 90 Prozent der Stimmen und folgt Silvio Bohr nach, der nicht mehr angetreten war. Auf die Grünen würde eine neue Rolle und Verantwortung zukommen, sie müsse als bindende Kraft den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft stärken, sagte Krause. Insbesondere gelte es Diskriminierung entgegenzutreten. Der Münchner SPD warf er nach jahrzehntelangem Regieren Arroganz vor. Dass sie sich selbst als München-Partei bezeichne sei in "etwa so sympathisch", als wenn die CSU von sich selbst behaupte, sie sei Bayern.

Auf ihrem Stadtparteitag wählten die Grünen ihre OB-Kandidatin und ihre Vorsitzenden.

(Foto: Stephan Rumpf)

Zuvor war schon Gudrun Lux als weiblicher Part der Stadtspitze bestätigt worden. Sie hatte mit Lyn Faltin als Einzige des Trios eine Gegenkandidatin und erreichte 61 Prozent der Stimmen. Lux verwies in ihrer Rede darauf, dass die Partei in den zwei Jahren ihres Vorsitzes um fast 1000 Mitglieder gewachsen sei und deshalb große organisatorische Herausforderungen zu bewältigen seien. Die Stadt-Grünen müssten eine "gute, schlagkräftige Organisation" bleiben und dafür Innovation und Erfahrung bündeln.

Habenschaden hatte zuvor in ihrer Nominierungsrede alle großen Themen des Wahlkampfs angeschnitten. Sie will für bezahlbare Wohnungen, eine sozial gerechte Stadt, mehr Umweltschutz, eine Verkehrswende mit einer deutlichen Stärkung des Nahverkehrs und einem ausgebauten Nahverkehrsnetz sowie für eine tolerante, weltoffene Stadt kämpfen.

Das bestehende Rathausbündnis von CSU und SPD kritisierte Habenschaden ebenfalls mit deutlichen Worten. Es fehle an einer gemeinsamen Idee, die große Koalition gehöre abgelöst. "Sie versteht die Probleme dieser Zeit und dieser Stadt nicht." Ohne Grüne in der Regierung fehle der Stadt vieles, bei der Verkehrswende zum Beispiel komme OB Reiter über wohlfeile Worte aus dem grünen Programm nicht hinaus. Taten würden ausbleiben, sagte Habenschaden. Ihre Nominierung sei der Startschuss für den Wahlkampf, die Luft werde ihr dabei nicht ausgehen, sagte Habenschaden. "Ich kann Langstrecke."