DemokratieWas Studierende vor der Kommunalwahl beschäftigt

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An den drei größten Hochschulen gibt es etwa 94 000 innerstädtische Studierende.
An den drei größten Hochschulen gibt es etwa 94 000 innerstädtische Studierende. Stephan Rumpf
  • Von den etwa 136 000 Münchner Studierenden können viele nicht an der Kommunalwahl am 8. März teilnehmen, da sie nicht in der Stadt gemeldet sind.
  • Hauptgrund ist der fehlende bezahlbare Wohnraum - ein WG-Zimmer kostet durchschnittlich 800 Euro, viele wohnen deshalb bei den Eltern im Umland.
  • 171 Studierende kandidieren für die Bezirksausschüsse, die meisten für die Linke, und 27 für den Stadtrat.
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In München gibt es etwa 136 000 Studierende. Welche Themen sind ihnen wichtig? Und warum wird ein Großteil die Wahl nicht beeinflussen können? Die SZ hat mit ihnen gesprochen.

Von Katharina Haase

München ist eine der wichtigsten Universitätsstädte Deutschlands. Knapp 136 000 Studierende lernen hier, die meisten davon an Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), Technischer Universität (TUM) und der Hochschule München (HM), wobei von den etwa 52 000 TUM-Studierenden lediglich circa 22 000 an Standorten innerhalb der Stadtgrenze lernen. Zudem gibt es über ein Dutzend weiterer staatlicher und privater Hochschulen.

Obwohl Hochschulpolitik formal Sache des Freistaats ist, betreffen viele kommunalpolitische Themen wie bezahlbares Wohnen, öffentlicher Nahverkehr oder nachhaltige Stadtentwicklung auch das unmittelbare Leben der Studierenden. Die Kommunalwahl am 8. März ist also auch für deren Zukunft richtungsweisend.

Was junge Leute wirklich über die Stadt denken
:„München ist speziell und die Menschen sind es ebenfalls“

Wer nun denkt, dies sei gerade für Jüngere ein Grund um wegzuziehen, irrt: Die SZ hat sich mit jungen Münchnerinnen und Münchnern getroffen, um zu erfahren, was sie belastet, was sie ändern würden – und warum sie die Stadt trotz allem lieben.

SZ PlusVon Katja Schnitzler und Lisa Sonnabend

Ein großer Teil der Münchner Studierenden wird den Ausgang der Wahlen jedoch nicht beeinflussen können. Denn die Anzahl derer, die nicht im Stadtgebiet leben oder gemeldet sind, ist hoch. An den drei größten Hochschulen gibt es etwa 94 000 innerstädtische Studierende. Von diesen haben jedoch laut Angaben der Hochschulen nur ungefähr 40 000 eine Korrespondenzadresse in München angegeben. Ob es sich hierbei auch um den bei der Stadt gemeldeten Hauptwohnsitz handelt, und ob die Studierenden die für die Kommunalwahl nötige EU-Staatsbürgerschaft haben, ist nicht bekannt.

Ein Grund dafür ist zugleich eines der Hauptprobleme der Stadt: Der fehlende bezahlbare Wohnraum für Menschen mit wenig verfügbaren Mitteln, zu denen ein Großteil der Studierenden gehört. Laut Statistischem Bundesamt ist jeder dritte Studierende in Deutschland von Armut bedroht, in München, wo die Lebenshaltungskosten höher sind als andernorts, besonders.

Ein WG-Zimmer in München kostet durchschnittlich 800 Euro, der Bafög-Höchstsatz beträgt inklusive Wohngeld etwa 1000 Euro. Die meisten sind trotz Nebenjobs auf Unterstützung der Eltern angewiesen. Wer kann, bleibt gleich bei den Eltern außerhalb der Stadtgrenze wohnen oder sucht sich, wenn von weiter her kommend, ein Zimmer in einem der umliegenden Landkreise. Das Deutschland-Ticket, mit dem auch die S-Bahn genutzt werden kann, kostet für Studierende lediglich 38 Euro im Monat.

Joseph Scheingraber wohnt nach drei Jahren in München wieder bei den Eltern im Umland. Dort wird er auch zur Wahl gehen.
Joseph Scheingraber wohnt nach drei Jahren in München wieder bei den Eltern im Umland. Dort wird er auch zur Wahl gehen. Catherina Hess

So macht es auch Joseph Scheingraber. Der 24-Jährige studiert Philosophie an der LMU. Er wohnt jedoch wieder bei seinen Eltern in Bergkirchen im Landkreis Dachau. In München hat er auch schon gewohnt, die 820 Euro für das WG-Zimmer spart er sich nun aber lieber. Angesprochen auf die anstehende Wahl sagt er: „Würde ich in München wohnen, würde ich die Linke wählen.“ Diese würde sich in der Stadt für Themen wie faire Mieten und ÖPNV-Ausbau gut einsetzen. In seinem Heimatort aber tendiert er eher zur Kandidatin der Freien Wähler, „weil sie gut vernetzt und sympathisch ist“. Das sei für ihn bei der Kommunalwahl wichtiger als reine Parteipolitik.

Auch Leonie Bernges wohnt nicht in München, sondern bei ihren Eltern in Starnberg. Die 23-Jährige studiert Geschichte und Politikwissenschaften an der LMU, auch sie möchte bei den Kommunalwahlen die Linke wählen. „Mieten, Soziales, keine Diskriminierung – es ist schon verrückt, dass man das als ‚links‘ bezeichnet, weil eigentlich geht es da ja einfach um Grundrechte.“ Diese aber sehe sie bei dieser Partei eben am besten vertreten.

Leonie Bernges sind vor allem sozialpolitische Themen wichtig.
Leonie Bernges sind vor allem sozialpolitische Themen wichtig. Catherina Hess

Tom Langnau hingegen wohnt in München. Der 26-jährige Student der Wirtschaftsinformatik ist noch unentschlossen, wie er am 8. März wählen wird. Über Kommunalpolitik erfahre man nur etwas, wenn man sich gezielt informiere, das finde er „schade, weil sie uns ja im Alltag erst mal viel mehr betrifft als die Bundespolitik“. Neben den niedrigeren Mietpreisen wünscht er sich, dass es in der Stadt „mehr Platz für junge Leute“ gibt.

Diesen Wunsch haben auch Simon Funk und Thomas Weber schon häufig gehört. Die beiden Studenten der Politikwissenschaften engagieren sich bei Youmocracy, einem überparteilichen Diskussionsforum zur Demokratieförderung für junge Menschen. Bei einer Veranstaltung zum Thema Kommunalwahl sei es vor allem um die Themen Mieten und Mobilität gegangen, erklären sie bei einem Gespräch mit der SZ. Aber auch Begegnungsplätze für junge Menschen seien ein Thema gewesen. „Viele haben das Gefühl, unerwünscht zu sein oder zu stören, das hat man wieder nach den Anwohnerbeschwerden in der Maxvorstadt gemerkt“, sagt Funk. Zudem sei Ausgehen in München mittlerweile sehr teuer, „es wäre schön, wenn es wieder mehr studentische Orte gäbe, wo das Bier nur zwei Euro kostet, statt fünf“, sagt Weber.

Thomas Weber (li., 29) und Simon Funk (25) engagieren sich bei Youmocracy für Demokratieförderung.
Thomas Weber (li., 29) und Simon Funk (25) engagieren sich bei Youmocracy für Demokratieförderung. Stephan Rumpf

Ihrer Erfahrung aus Gesprächen mit anderen Studierenden nach werde das Thema Kommunalpolitik aber deutlich ferner wahrgenommen als die Bundespolitik. Weber, der selbst in Ebersberg lebt, sagt: „Im ländlichen Raum kennt man sich, da weiß man eher, wen man wählt und wofür die Person steht.“ In der Stadt falle es vielen schwerer, Anschluss zu finden und sich in diese Thematiken einzuarbeiten.

Zudem betrage die Regelstudienzeit für ein Bachelorstudium mit angeschlossenem Master fünf Jahre – „nicht mal eine Legislaturperiode“. Zukunftsfragen, die die Stadt betreffen, seien deshalb häufig weniger relevant, da viele nicht wüssten, ob sie nach dem Studium in München bleiben. Dies habe er auch beim Thema Olympiaentscheid immer wieder gehört, erklärt Funk.

Trotz der Hürden, die es mit sich bringt, sich neben Studium, Klausuren und Nebenjob noch politisch zu engagieren, gibt es nicht wenige Studierende in München, die diese zusätzliche Belastung auf sich nehmen wollen. Auf allen Wahllisten der 25 Bezirksausschüsse, die am 8. März neu gewählt werden, finden sich Studierende. Insgesamt 171 sind es, davon 49 Frauen. Die meisten Studierenden stehen in Schwabing-Freimann (14) und Maxvorstadt (12) auf den Wahlzetteln. Am häufigsten vertreten sind die Studierenden auf den Listen der Linken (59), gefolgt von CSU (33), SPD (30) und FDP (22). Bei den Grünen, einst als Klimapartei unter jungen Leuten sehr beliebt, sind es nur 19 Studierende.

Auch für den Stadtrat stehen Studierende auf den Wahllisten, 27 sind es insgesamt, hier am meisten für Volt (8). Ob und wie viele Studierende am Ende tatsächlich in den Gremien vertreten sein werden, um auch die Belange derer zu vertreten, die sich kein Zimmer innerhalb der Stadt leisten können oder wollen, lässt sich allerdings nicht abschätzen.

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