Groß war die Auswahl nicht, die sich den Wählerinnen und Wählern bei der Bürgermeisterwahl im Münchner Nobelvorort Grünwald bot. Für Amtsinhaber Jan Neusiedl hatte sich kein Herausforderer und keine Herausforderin gefunden, weshalb nur der Name des CSU-Politikers auf dem Wahlzettel stand. Mit einer Zustimmung von 84 Prozent sicherte sich der erfahrene Kommunalpolitiker denn auch eine fünfte Amtszeit – was allerdings nicht bedeutete, dass bei der Auszählung tatsächlich ausschließlich sein Name auf den Wahlzetteln zu finden war.
Viele nutzten die Möglichkeit, den Vordruck um einen eigenen Vorschlag zu ergänzen. Von den 5287 gültigen Stimmen entfielen 846 auf „wählerbenannte Kandidaturen“. Und unter diesen waren einige bekannte Namen – etwa Anis Ferchichi. Das ist die kurze Form des Geburtsnamens, den ein prominenter Einwohner trägt, der erst vor Kurzem unter einiger Aufmerksamkeit in die Gemeinde gezogen ist: Rapper Bushido.

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Das nicht genehmigte Engagement beim Fußball-Rekordmeister hatte sein Ergebnis in der ersten Runde der Oberbürgermeister-Wahl belastet. Wie hoch die bisherige Vergütung war und was nun damit geschehen soll.
Anis Mohamed Youssef Ferchichi, wie er vollständig heißt, wurde in Bonn geboren und wuchs in Berlin auf, findet es jetzt aber dort ganz schön, wo es viele Menschen mit einem guten Ein- und Auskommen schön finden. Auf den Weg des Kriegers (das bedeutet sein Künstlername aus dem Japanischen ins Deutsche übersetzt) entfielen drei Stimmen.
Damit kam Bushido Neusiedl zwar nicht nahe, landete aber unter anderem vor Karl-Heinz Rummenigge, der schon lange in Grünwald wohnt. Die einstige Fußball-Größe fand einen Unterstützer oder eine Unterstützerin, AfD-Politikerin Alice Weidel, die in der Schweiz wohnt, zwei.
Einen wohl unerwarteten Achtungserfolg konnte in der Gemeinde, die unter anderem mit niedrigen Gewerbesteuerhebesätzen für Unternehmer attraktiv sein will, die Linke verbuchen: Der Name des Parteivorsitzenden Jan van Aken wurde ebenfalls einmal auf dem Wahlzettel notiert.

