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Kommentar:Zwei raufen sich zusammen

SPD und CSU und deren Fraktionschefs haben die Pflicht, ordentlich zusammen zu arbeiten

Ein Gespräch, ein Kompromiss, eine öffentliche Erklärung: Mit einem klassischen politischen Dreisatz haben die Fraktionschefs von SPD und CSU ihren Zwist beendet. Alexander Reissl und Manuel Pretzl hätten auf beiden Seiten "Missverständnisse" ausgeräumt, heißt es in den vier Zeilen, die sie am Montag verschickten. Die lesen sich wie ein Punktsieg für Reissl: Seine Aussage, der CSU-Kollege Pretzl habe statt des Bierpreisdeckels eine Preiserhöhung zur Finanzierung der Sicherheitskosten der Wiesn vorgeschlagen, korrigiert Reissl nicht. Dafür zieht Pretzl seinen darauf gründenden Vorwurf der Lüge zurück.

Wie auch immer, dieser Zwist hatte im Getöse um die Wiesn ohnehin überrascht. Grundsätzlich schienen sich die beiden Fraktionschefs bisher persönlich zu respektieren, auf deren gutem Verhältnis sollte das Rathausbündnis in den zweiten drei Jahren der Legislaturperiode seine Zusammenarbeit aufbauen. Ob SPD und die CSU diese noch wollen, muss sich nun bis zur Sommerpause zeigen. In den vergangenen Wochen wurde viel über eine vorzeitige Trennung gemunkelt, irgendwann zwischen Ende 2017 und Frühjahr 2019. Die Partner gingen sich gehörig auf die Nerven.

Dabei liest sich ihre Bilanz besser, als es die Sticheleien vermuten lassen. Immerhin haben SPD und CSU ihr Programm für die Legislaturperiode bereits jetzt abgearbeitet. Allerdings mit dem Glück, dass sich drohende Konflikte durch sprudelnde Steuereinnahmen einfach wegspülen ließen. Jetzt, da die Kassen nicht mehr so prall gefüllt sind, sofort auf Ego-Betrieb umzuschalten, ist eine Flucht aus der Verantwortung. Die Bürger haben nur diese beiden Fraktionen mit einer stabilen Mehrheit ausgestattet, daraus erwächst ein demokratischer Auftrag: sich zusammenzuraufen wie die Herren Reissl und Pretzl und die Zukunft der Stadt zu gestalten. Nun einen drei Jahre währenden Wahlkampf zu starten, wäre angesichts der Herausforderungen der explodierenden Stadt eine Zumutung für die Bürger.