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Kommentar:Wer Akzeptanz will, muss informieren

Auch wenn die vielen Baustellen Nerven kosten - der Stadt bleibt nichts anderes übrig, als sich für die Zukunft zu rüsten. Trotzdem ärgern sich viele Bürger zu Recht

Von Andreas Schubert

München reißt auf, München verdichtet. Ob nun am Sendlinger-Tor-Platz, der Paul-Heyse-Unterführung, der Sonnenstraße oder am Marienhof die öffentliche Infrastruktur ausgebaut und erneuert wird, oder ob neue Wohn- und Bürohäuser in dieser ständig wachsenden Stadt entstehen: Eine ganze Menge Baustellen prägen das Stadtbild. Manche Bauarbeiten laufen bereits seit Jahren. Und es kommen ständig neue hinzu. Gerade die Bauarbeiten der Stadtwerke München, die Straßen aufgraben, um Fernkälte- oder Fernwärmeleitungen zu verlegen oder alte Leitungen zu erneuern, stellen die Münchner auf die Geduldsprobe. Und auch wenn die Baustellenkoordination im städtischen Baureferat einen guten Job macht und verhindert, dass alle privaten und öffentlichen Bauträger gleichzeitig zu graben beginnen und die Stadt komplett lahmlegen, gehören Verkehrsbehinderungen und Lärm in München genauso zum Alltag wie die häufig gestellte Frage: "Was bauen's denn da schon wieder?"

In den nächsten Jahren kommt es noch schlimmer, wenn zum Beispiel der Altstadt-Radlring, die Tram-Westtangente oder die U 5 nach Pasing gebaut werden. Dies sind Großprojekte, die so manchem Autofahrer aber auch Busfahrgästen die letzten Nerven kosten werden. Aber es hilft nichts. Der Stadt bleibt nichts anderes übrig, als sich für die Zukunft zu rüsten. Neue Radwege und Tramtrassen sowie eine umweltfreundliche Energieversorgung gehören da einfach dazu.

Aber: Viele Bürger ärgern sich zu Recht darüber, dass sie nicht ausreichend vorab informiert werden, wenn vor ihrer Haustür die nächsten Wochen oder Monate wieder mal eine Baugrube klafft oder eine Straße gesperrt wird. Gerade bei größeren Maßnahmen reicht es nicht, wenn in der Rathaus-Umschau, dem Mitteilungsorgan der Stadt im Netz, oder auf deren Homepage lapidar darauf hingewiesen wird. Es bräuchte vielmehr gut durchdachte Informationskampagnen, die den Bürgern auch die Relevanz von Maßnahmen verständlich machen. Das brächte deutlich mehr Akzeptanz. Und dass es mit Facebook, Instagram, Twitter und so weiter genug mediale Kanäle gibt, könnte inzwischen auch im Baureferat angekommen sein.

© SZ vom 14.01.2021
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