bedeckt München

Kommentar:Symbol der Lebensfreude

Freimannern sollte Wiedereröffnung des Floriansmühlbads nicht verwehrt werden.

Von Stefan Mühleisen

Es ist bei Freimanner Bürgerversammlungen seit Jahrzehnten fast schon zur Tradition geworden, dass Teilnehmer immer mal wieder einen Art Freixit fordern: die politische Abspaltung vom Stadtbezirk Schwabing-Freimann. Es ist dies Ausdruck eines seit Langem gärenden Grolls in einem Stadtteil, der lange als Abladeplatz für alles herhalten musste, was die übrige Stadtgesellschaft nicht wollte: Müllberg, Kläranlage, riesige Gewerbegebiete. Das ist zwar lange her, doch das Grundgefühl ist geblieben, ewig das Nachsehen zu haben. Und dieser Groll wird anschwellen, wenn sich der Stadtrat, wie es die Verwaltung rät, gegen eine Wiedergeburt des im Stadtteil so schmerzlich vermissten Floriansmühlbads entscheidet. Es wäre ein Fehler, der lange nachwirken könnte.

Freimann ist heute längst nicht mehr das Stiefkind der Stadtplanung; es hat sich zum Schätzchen gewandelt, denn dort wird das neue Münchner Wohnungsbau-Riesenbaby auf dem Areal der ehemaligen Bayernkaserne heranwachsen. Ein vorbildhaftes Quartier soll es werden - doch was ist mit den Altfreimannern? Sollen die zuschauen, wie den Neufreimannern vieles, was die Alteingesessenen bisher vermissen, in den Schoß gelegt wird? Da zeichnen sich Konflikte ab. Zumal vom Bezirksausschuss jetzt schon der Verdacht geäußert wird, die Verwaltung wolle das Floriansmühlbad mit fadenscheinigen Gründen verhindern.

In der Tat leuchtet nicht ein, weshalb ein Schwimmbad in den Isarauen, quasi am Stadtrand, mit einer sechs Meter hohen Wand schalldicht gemacht werden muss. Warum ist das bei anderen Bädern, etwa dem Schyrenbad in Untergiesing, nicht nötig? Da schallt das Getümmel der Badegäste doch auch zu den Anwohnern. Ebenso verwundert das Argument der Stadtwerke (SWM), das Floriansmühlbad werde wohl defizitär laufen. Das ganze städtische Bäder-Segment ist ein Defizitbetrieb, welches die SWM unternehmensintern quersubventionieren müssen, sonst ließen sich die sozial verträglichen Eintrittspreise nicht halten. Und dass Zulassung und Bau eines Naturfreibades aufwendig sind, mag stimmen. Doch in Thalkirchen ging's doch seinerzeit auch mit dem Maria Einsiedel, auch ein Naturbad - und eines der Lieblingsbäder der Münchner.

Die Stadträte sollten bedenken: Das Floriansmühlbad ist in der Erinnerung der Freimanner Bevölkerung ein Symbol der Lebensfreude, das kaum zu unterschätzen ist. Eine Entscheidung für das Bad könnte Wunden der Vergangenheit heilen - und ein Zeichen für Zusammenhalt und die Zukunft Freimanns setzen.

© SZ vom 28.01.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema