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Kommentar:Quittung für Stoiber

Mangelhaftes Krisenmanagement: Die Affäre um Bayerns Ex-Kultusministerin Monika Hohlmeier ist für die CSU zu einer unendlichen Geschichte geworden.

Von einer Beruhigung kann nach Hohlmeiers Auftritt vor dem Untersuchungssauschuss des Landtages keine Rede sein, im Gegenteil, der Streit wird immer giftiger.

Aus der Münchner CSU wurde unverhohlen damit gedroht, Hohlmeier aus der Partei auszuschließen, weil sie bei ihrer Aussage praktisch alle anderen Zeugen aus der CSU als Lügner hingestellt hat. Hohlmeier versucht, sich der Eskalation durch Flucht zu entziehen: Sie hat umgehend die Münchner CSU verlassen, um in eine Parteigliederung im Landkreis zu wechseln.

Ein Parteiausschluss der Tochter von Franz Josef Strauß, das würde wieder bundesweite Schlagzeilen liefern und die CSU nachhaltig erschüttern. Denn dort ist Franz Josef Strauß noch immer eine Ikone, und Strafaktionen gegen seine Tochter würden von vielen, die mit den Details der Münchner Vorgänge nicht vertraut sind, als Verrat empfunden.

Angesichts der Faktenlage im Münchner CSU-Skandal um gekaufte Mitglieder und gefälschte Aufnahmeanträge wirkt Hohlmeiers forsche Vorwärtsverteidigung wie politischer Selbstmord. Sie hat die Gräben zu ihren Münchner Parteifeinden weiter vertieft und damit ein politisch unsinniges Revanchefoul begangen.

CSU-Chef Edmund Stoiber bekommt jetzt die Quittung für sein miserables Krisenmanagement in der Causa Hohlmeier. Stoiber kannte seit vergangenem Sommer alle Fakten. Er wusste, dass Monika Hohlmeier nicht zu halten sein würde, er hätte schon damals die Konsequenzen ziehen müssen. Sein Zaudern rächt sich bei jeder weiteren Umdrehung der Affäre.