European Championships Der Olympiapark braucht ein Großereignis

Die Championships würden eine deutliche Botschaft aussenden: Das Olympiastadion lebt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Muss eine ohnehin schon volle, überteure Stadt auch noch die European Championships austragen? Ja - denn in einem Museum lebt es sich nicht gut.

Kommentar von Heiner Effern

Muss diese volle, brummende und überteure Stadt jetzt auch noch ein Sport-Großereignis nach dem anderen austragen? Auf dass sie noch mehr Menschen anlockt? Diese Frage könnte aufkommen, da sich München nun um die European Championships 2022 bewirbt, die Europameisterschaften in sechs oder sieben verschiedenen Sportarten. Immerhin sind 2020 und 2024 schon die Fußballer mit ihrer EM in der Fröttmaninger Arena zu Gast, dort soll Anfang der 2020er-Jahre auch ein Champions-League-Finale stattfinden. Zudem sprechen die hohen Kosten gegen die Bewerbung. Trotzdem überwiegen in der Gesamtschau die Vorteile, der Stadtrat hat sich richtig entschieden.

Der Olympiapark als potenzielles Zentrum der Wettbewerbe braucht ein solches Großereignis. Es wäre weit mehr als ein passendes Präsent zum 50. Geburtstag, nämlich ein wichtiges Zeichen für die Zukunft, insbesondere für das Herzstück Olympiastadion. 50 Jahre nach den olympischen Leichtathletik-Wettbewerben würde dieses weltweit geachtete Bauwerk wieder das erleben, wofür es errichtet wurde: sportliche Wettkämpfe auf höchstem Niveau. Oder anders gesagt, würden die Championships eine deutliche Botschaft aussenden: Das Olympiastadion lebt.

Warum ist das wichtig? Zu Recht hat die Stadt beschlossen, für den Olympiapark den Status eines Unesco-Weltkulturerbes anzustreben. Doch ein solcher Beschluss kann auch der erste Schritt auf dem Weg zu einem Museum sein, einem Ort der Vergangenheit.

Das gilt insbesondere für das Olympiastadion, das derzeit ein heruntergekommenes, kümmerliches Dasein mit ein paar Open-Air-Konzerten führt. Sogar Autorennen fanden unter dem einzigartigen Zeltdach statt. Ähnlich wichtig wäre eine Europameisterschaft für die ebenfalls mit einer Identitätskrise kämpfende Olympia-Regattaanlage in Oberschleißheim. Ein Wermutstropfen ist, dass beide Sportstätten saniert werden sollen, dies bis 2022 aber nicht gelingen wird. Erfolgreiche Europameisterschaften würden zeigen, dass es sich lohnt, beide Stätten auch sportlich fit zu halten und nicht nur als Kulisse zu sichern. In einer lebendigen, gastfreundlichen Stadt lebt es sich allemal besser als in einem Unesco-Museum.

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