Oktoberfest Das Modell der Umsatzpacht ist einfach nicht ausgereift

Die Umsatzpacht, die die Wiesnwirte an die Stadt zahlen, wird zum Fall für Wirtschaftsprüfer.

(Foto: Getty Images)

Manche Wiesnwirte haben zu wenig Umsatz gemeldet - da wird schnell der Vorwurf laut, die Gastronomen könnten den Hals nicht vollkriegen. Doch das Problem liegt woanders.

Kommentar von Franz Kotteder

Die erste Reaktion dürfte mal wieder Empörung über die großen Wiesnwirte sein, die den Hals nicht vollkriegen, obwohl der Bierpreis eh schon so hoch ist. Diese Reaktion liegt nahe, wenn man von den Nachzahlungen und Unregelmäßigkeiten bei der Berechnung der Umsatzpacht hört. Vielleicht trifft der Beweggrund Gier bei dem einen oder anderen Wirt auch zu. Für sie alle zusammen wäre das allerdings nicht sehr logisch.

Es handelt sich bei der Umsatzpacht ja nicht um eine beliebige variable Summe, sondern um die Ausgaben für die Sicherheit auf der Wiesn, die sich die Stadt von den Wirten wieder holt. Zahlen die in einem Jahr zu wenig, dann kassiert die Stadt im nächsten Jahr eben mehr. Insofern haben die Wirte bestenfalls kurzfristig etwas gespart, aber nicht über mehrere Jahre hinweg. Nur der einzelne kann sich auf Kosten seiner Kollegen einen Vorteil herausholen.

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Dass nun - nach dem Löwenbräu-Festwirt Wiggerl Hagn - drei weitere Wirte nachgerechnet und nachgezahlt haben, noch bevor die offizielle Nachprüfung durch unabhängige Wirtschaftsprüfer überhaupt begonnen hat, zeigt aber vor allem eines: Das Modell der Umsatzpacht ist offenbar nicht ausgereift und lässt zu viele Schlupflöcher offen.

Auf die springen findige Steuerberater natürlich an und sagen: "Das probieren wir jetzt einfach mal so." Die Umsatzpacht war ja 2017 eingeführt worden, und beim ersten Mal mag so ein neues System noch interpretationsfähig sein. Wenn allerdings gleich vier von insgesamt 14 Wirten fehlerhaft abrechnen können - und es sind womöglich noch mehr -, dann funktioniert vielleicht das ganze System nicht richtig.

Umso erstaunlicher wirkt nun, dass das Wirtschaftsreferat nach der Stichprobe in Hagns Zelt zu dem Ergebnis kam, bei den anderen Zelten müsse man nicht nachsehen. Noch vor einem Monat hieß es ja, das habe man "nach sorgfältiger Plausibilitätsprüfung von allen eingereichten Umsatzmeldungen" so entschieden. So sorgfältig kann die Prüfung nicht gewesen sein.

Gut also, dass sich jetzt noch einmal Wirtschaftsprüfer an die Arbeit machen. Das kann durchaus zu weiteren Nachzahlungen führen. Ob das weitere Folgen für die einzelnen Wirte hat, wird aber umso unwahrscheinlicher, je mehr es sind, die an der Berechnung ihrer Pacht gescheitert sind. Wiggerl Hagn wird sich ziemlich ärgern, dass er sich für dieses Jahr nicht wieder als Festwirt beworben hat.

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