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Kommentar:Nichts gewonnen, aber viel verloren

Das Louise-Schroeder-Gymnasium in einen Neubau nach Obermenzing auszulagern und damit Allach-Untermenzig das einzige Gymnasium zu nehmen, ist keine Lösung. Denn über kurz oder lang werden in den vielen neuen Quartieren viele Kinder leben, die keine weiten Schulwege gehen wollen

Von Anita Naujokat

Ja, es ist mehr als bitter, die Empörung in Allach-Untermenzing verständlich: Da kämpft ein Stadtbezirk für eine neue Realschule, um die seit Jahren beengten Schulverhältnisse zu entzerren. Herauskommen könnte am Ende, für eine ganze Schülergeneration das einzige Gymnasium im Stadtbezirk Allach-Untermenzing zu verlieren, wenn es denn tatsächlich so weit kommt und die Stadt das Louise-Schroeder-Gymnasium in einen Neubau nach Obermenzing auslagert, um der Schulprobleme in Allach-Untermenzing Herr zu werden. Unberührt ginge das auch nicht an der Stadtbibliothek neben den Schulen vorbei, welche die Lokalpolitiker überhaupt erst nach langem Bemühen bekommen hatten. Eine Bücherei, gerne besucht von den Schülern und den Kindergärten.

Eine wirklich gute Lösung ist das neue Konzept um die Erdbeerwiese nicht. Oder anders ausgedrückt: Nichts gewonnen, aber viel verloren. Natürlich lässt sich einwenden, dass es keine Schlagbäume und Grenzen zwischen den Stadtbezirken gibt. Schüler fahren kreuz und quer durch ganz München und sogar in Nachbar-Kommunen zu Schulen, die nicht an Sprengel gebunden sind. Wohnortnah ist zwar wünschenswert, aber eben nicht mehr.

Dagegen setzen lassen sich aber auch die vielen Baugebiete, über die Allach-Untermenzing schon jetzt beträchtlich wächst und weiter wachsen wird: das Diamaltgelände (mit rund 720 neuen Wohnungen), das Kirschgelände (1200), die Hirmerei (230), in der Gerberau (290), am Oertelplatz (130). Nicht dazu gezählt die vielen Nachverdichtungen, bei denen große Mehrspänner an allen Ecken Einfamilienhäuschen auf großen Grundstücken ablösen. Überall dort leben über kurz oder lang Kinder, die nicht weite Wege in die Schule haben wollen. Auch in Pasing gibt es Stimmen, die bezweifeln, ob das jetzt vorgelegte Schulkonzept langfristig das Richtige sei, allerdings weniger wegen der Nachbarn in Allach-Untermenzing, sondern eher aus Sorge um den eigenen Grünzug am Dreilingsweg.

Irritierend mutet in der ganzen Debatte das Festhalten an Friedhof-Vorbehaltsflächen für die Bewohner des auf Brachflächen entstehenden Freiham zulasten des dicht besiedelten Allach-Untermenzinger Gebiets an. Ebenfalls bezeichnend eine Aussage aus dem Planungsreferat gegenüber Lokalpolitikern, in der es unlängst wohl hieß, eine Stadt könne man nicht planen, sondern nur gestalten. Bleibt zu hoffen, dass sich die städtische Behörde noch einmal besinnt. Denn es geht nicht nur um Gestaltung, sondern um gute Planung.

© SZ vom 10.06.2021
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