Kommentar:Ein Denkmal verkommt

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Die Stadt sollte endlich begreifen, dass eine kulturelle Nutzung im Kopfbau der alten Flughafen-Besuchertribüne eine Chance für die Messestadt Riem wäre - und so schnell wie möglich dafür die Voraussetzungen schaffen

Renate Winkler-Schlang

Kopfbau ist ein technokratisches Wort, doch die frühere Kassenhalle der Besuchertribüne des Riemer Flughafens im Westen der Messestadt ist ein interessantes Gebäude an einem besonderen Ort. Es ist schlichtweg eine Schande für die Stadt, dass dieses Denkmal immer noch leer steht und offenbar zunehmend verkommt: Zuletzt musste es wegen Schimmelbefalls saniert werden.

An Ideen mangelte es dem Bezirksausschuss nie für das Gebäude, vor allem der frühere Vorsitzende und ehemalige Stadtrat Georg Kronawitter (CSU) hat sich jahrelang stark gemacht für eine bürgerschaftliche Nutzung. Die Messestadt ist eine Insel, eingeklemmt zwischen Messe und Park. Genau hier, am Kopfbau, könnte ein Trittstein entstehen zwischen Messestadt und Kirchtrudering, wäre das Angebot nur attraktiv genug für beide Seiten: Sei es nun ein gemütliches Café oder ein kleiner Biergarten, sei es eine Galerie oder Musikkneipe, ein Familien- oder Jugendtreff. Auch ein Ort der Erinnerung wie ein Stadtteil-Museum wäre denkbar, hüben wie drüben haben sie bereits genug gesammelt in ihren historischen Archiven. Nicht zu glauben, dass in dieser Stadt kein Bedarf ist dafür, diesen schlichten Bau würdig zu bespielen.

Das Nachrüsten einer Heizung dürfte nicht die Welt kosten, zumal der vierte Bauabschnitt der Messestadt nun fast fertig ist und daher nur noch wenige Extra-Meter Wasserleitung zu verlegen wären. Diese Investition einem künftigen Betreiber aufzuhalsen, ist zum einen immens kleinlich und birgt zum anderen die Gefahr, dass man einen potenziellen Nutzer nicht nach dem besten Konzept für den Stadtteil aussucht, sondern nur nach seiner Finanzkraft. Die Stadt würde das Heft aus der Hand geben, ein Denkmal kommerzialisieren - und das wäre fatal.

Auch die Messestädter haben nicht immer mitgezogen, fürchteten sie doch um ihre geliebte, aber teuer angemietete Kulturetage. Der Kopfbau sollte gewiss keine Konkurrenz sein, sondern eine Ergänzung. Das Kunstprojekt von Michael Lapper kann den Bedarf sichtbar machen. Und dann gibt sich vielleicht das Kultur- oder das Sozialreferat einen Ruck, bestellt die Heizung und nimmt den Kopfbau unter seine Fittiche. Oder der Stadtrat fasst den entscheidenden Beschluss, wie es damit und mit der daran anschließenden Tribüne weitergeht. Auch hier gilt der Satz: Wo ein (politischer) Wille ist, ist auch ein Weg.

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