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Kommentar:Die Mafia ist eine feste Größe in München

Bayern ist für die Mafiosi ein gezielt ausgewählter Waschplatz für schmutziges Geld geworden. Diese Umtriebe gehen alle an

Von René Hofmann

Vor drei Wochen hat Münchens Polizeipräsident Thomas Hampel den Sicherheitsreport für 2020 präsentiert. Seine stolze Bilanz: Die Einwohnerzahl steigt ständig, die Kriminalitätsrate nicht. In der Sicherheitsstatistik ist die Landeshauptstadt nationalen Vergleichsgrößen wie Berlin, Frankfurt, Hamburg oder Köln noch weiter überlegen als der FC Bayern seinen Fußball-Rivalen. Zum 45. Mal sei München nun "Deutscher Meister in Sachen Sicherheit", so Hampel. Eine Botschaft, bei der viel Beruhigendes mitschwingt und die dazu beiträgt, dass München sein Image von der beschaulichen Millionenmetropole weiter pflegt. Ein Blick in die Register, in denen speziell die Organisierte Kriminalität erfasst wird, zeigt jedoch: Ganz so idyllisch geht es an der Isar doch nicht zu.

30 Prozent mehr Mafiosi, gegen die in der Stadt ermittelt wird als im Vorjahr. Ganz Bayern ist inzwischen laut Lagebild nicht mehr nur ein Rückzugsort für die Gangster, sondern ein Investitionshafen, also ein gezielt ausgewählter Waschplatz für schmutziges Geld. Der Eindruck, die Mafia sei hierzulande keine gefestigte Größe, den die Behörden seit Langem vermitteln, hat vermutlich nie wirklich gestimmt. Inzwischen widerlegen ihn die Statistiken und Einschätzungen der Behörden selbst - zumindest beim genauen Blick darauf. Denn offensiv benannt wird das Problem immer noch nicht, vermutlich auch, weil die Mittel, die den deutschen Strafverfolgern zur Verfügung stehen, hinter den Möglichkeiten beispielsweise ihrer italienischen Kollegen zurückbleiben.

Die Umtriebe der Mafia aber gehen alle an. Sie können - wegen des Schwarzgeldes, das gewaschen wird - dazu führen, dass die Immobilienpreise noch weiter steigen, oder - weil dem Betreiber im Zuge von nicht-staatlichen "Coronahilfen" schlechte Zutaten zu überhöhten Preisen aufgenötigt werden - die Pizza beim Lieblingsitaliener plötzlich viel schlechter schmeckt. "Mafia": Das klingt nach filmreifen Verbrechen. Das beste Versteck für Perfides aber liegt in der Unscheinbarkeit.

© SZ vom 09.04.2021
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