Kommentar Der Bürgerwille setzt sich durch

Die Art und Weise, wie die Politik die hochfliegenden Pläne für den Eingang des Olympiaparks zurechtgestutzt hat, zeigt eines: Die Münchner können nicht nur mitreden, sondern auch mitgestalten

Von Thomas Kronewiter

Wer sich im Stillen gedacht hat, die Bewohner des Olympischen Dorfes seien in Wolkenkuckucksheim zu Hause und hingen irrationalen Träumereien nach, wird durch die Überlegungen von Stadtbaurätin Elisabeth Merk zur Zukunft des Olympiaparks eines Besseren belehrt: Wesentliche Teile der Anwohnervorschläge finden sich im Konzept für die Zukunft des maroden Busbahnhofs Olympiazentrum wieder, das Besuchszentrum ebenso wie die Idee, einen möglichst grünen Park-Eingang zu behalten.

Die für kundige Beobachter größte Überraschung in dem jetzt erst einmal vertagten Beschlusspapier für den Stadtrat steckt in der klaren Aussage, einen spektakulären Hotelneubau ebenso abzulehnen wie auch einen siebengeschossigen Studentenwohnkomplex zwischen Olympiadorf und BMW-Welt. Das enttäuscht die Hoffnungen eines renommierten Projektentwicklers wie ECE ebenso wie die Rendite-Erwartungen der Stadtwerke. Das haben Planungsexperten früher anders gesehen, nicht von ungefähr gibt es für das Hotel ja längst einen Siegerentwurf, nach einem Ideenwettbewerb und dem Bekenntnis zu einem klaren städtebaulichen Akzent an dieser Stelle.

Die zeitgemäße Antwort der Stadtplaner setzt nun vielmehr auf filigrane Lösungen und die Betonung des Parkcharakters. Dass man der grünen Lunge am Ende tatsächlich auch an der Lerchenauer Straße Grün zuschlagen könnte und nicht nur an der Landshuter Allee anstelle der hässlichen S-Bahn-Gleise, wäre nicht zuletzt eine kraftvolle Antwort in Richtung all der Kritiker, die beklagen, es würde immer nur am Olympiapark geknabbert. Darin, dass die Stadtgesellschaft bei allem Zwang zur Schaffung von Wohnraum auch Naherholungszonen stärken will, selbst wenn dies Geld kostet und nichts einbringt, liegt die wahre Bedeutung der planerischen Kehrtwende an dieser prominenten Stelle. Das gilt auch für den Fall, dass Elisabeth Merk bis November ihren Varianten-Kanon noch einmal verdichten muss.