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Kommentar:Das Kartenhaus bricht zusammen

Die Stadt hat es versäumt, die Ruth-Drexel-Schule im Prinz-Eugen-Park ausreichend groß zu planen. Dass nun die bewährte Mittagsbetreuung in Gefahr gerät, muss unbedingt verhindert werden

Von Nicole Graner

Flickschusterei" - mit diesem Wort benennt die Gründerin der Mittagsbetreuung an der Grundschule Knappertsbuschstraße, Nicole Zettler, einen Zustand, den man leider einfach so benennen muss. Oder wie soll man sonst dazu sagen, dass die Stadt in dem riesigen neuen Wohnquartier Prinz-Eugen-Park mit der Ruth-Drexel-Schule eine viel zu kleine Schule gebaut hat, obwohl man lange trotz veränderter Anzahl von Wohneinheiten weiß, wie viele Menschen einmal dort wohnen - nämlich 4000 - und wie viele Kinder in die Schule gehen werden?

Schon im Jahr 2018 hat der Bezirksausschuss Bogenhausen angefragt, ob eine Erweiterung der Ruth-Drexel-Schule von drei auf vier Züge möglich sei. Getan hat sich von Seiten des Referats für Bildung und Sport nichts. Jetzt kommen, was für eine Überraschung, mehr Kinder - und das Kartenhaus bricht zusammen. Jetzt braucht es ganz schnell weitere Klassenzimmer. Na ja, ist ja einfach, denkt man sich offenbar bei der Stadt, dann machen wir halt aus den zwei Räumen der Mittagsbetreuung ein oder zwei Klassenzimmer. Wird schon gehen. Nein, geht nicht. Denn was bringt das für die Zukunft? Gar nichts, die Mittagsbetreuung wird dringend gebraucht, das Problem letztlich nur verschoben. Zu klein bleibt zu klein. Auch wenn es dieses Schuljahr vielleicht gerade so noch einmal mit genügend Klassenräumen klappen könnte.

Gar nicht weit von den beiden Schulen übrigens wird das neue Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium am Salzsenderweg gebaut. War da nicht was? Wurde da wegen der Rückkehr zum G 9 nicht auch eine Turnhalle zu wenig geplant? Und sollen die Schüler nicht deshalb zum Sport in die Ruth-Drexel-Schule gehen?

Es kann nicht sein, dass Räume wie der Computerraum, die ja auch ihren Sinn haben, zu Klassenräumen "umgewidmet" werden müssen. Es kann nicht sein, dass Eltern keine Planungssicherheit haben, die in den Prinz-Eugen-Park gezogen sind. Gerade weil es eben da eine Schule gibt. Auch wenn das Referat für Bildung und Sport verspricht, dass "in den künftigen Schuljahren für jedes Grundschulkind aus dem Wohngebiet Prinz-Eugen-Park ein Schulplatz vorhanden sein wird", fehlt der Glaube, dass es ohne weitere Herumschieberei von Räumen gehen wird. Also nach dem Prinzip: dem einen was nehmen, um es dem anderen zu geben. Keine Lösung, sondern eben Flickschusterei.

© SZ vom 17.06.2021
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