Kommen & Gehen:"Ich vermisse das Kleinstadtgefühl dieser Großstadt"

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Fotografin Laura Zalenga genießt in ihrer neuen Heimatstadt Rotterdam die gute Laune der Menschen und die Möglichkeit, nach 20 Uhr einzukaufen

Protokoll von Michael Bremmer, München/Rotterdam

Mehr als 500 000 Menschen folgen der Fotografin Laura Zalenga, 29, in den sozialen Medien. Für ihr jüngstes Projekt hat die Fotografin, die zunächst Architektur studiert hatte, alte Menschen fotografiert: die Schönheit des Alters. Diese Reihe "versucht die Menschen daran zu erinnern, dass Schönheit kein Verfallsdatum hat. Sie wird interessanter", schreibt Laura Zalenga auf ihrer Internetseite. Vor Kurzem hat sie München verlassen und ist nach Rotterdam gezogen. Zwar dachte sie, dass man als Fotografin in einer Metropole leben müsste, aber da sie meist an stillen Plätzen im Freien arbeitet, ist der Wohnort für sie egal. Fast egal.

SZ: Was hat Ihr neuer Wohnort, was München nicht hat?

Laura Zalenga: Man ist in nur 30 Minuten mit den Öffentlichen bis zum Strand am Meer.

Wasser hat München ja immerhin auch. Was hat Rotterdam denn sonst noch zu bieten?

In der idyllischen Straße in der Stadtmitte, in der ich wohne, leben Menschen jeder möglichen Hautfarbe und Geschlechtsidentität - und das ist völlige, positive Normalität. Die Menschen sind verrückt gut gelaunt - man hat nette Gespräche mit dem Verkäufer, der Postbotin und dem Personal der Öffentlichen, auch wenn es regnet, auch an Montagen, auch im Winter. Keine Ahnung, was die hier anders machen, aber es tut so gut, in einem so positiven Umfeld zu leben.

Kommen & Gehen: Laura Zalenga hat zuletzt die Schönheit des Alters fotografiert.

Laura Zalenga hat zuletzt die Schönheit des Alters fotografiert.

(Foto: Laura Zalenga)

Welche Spuren haben Sie in München hinterlassen?

Mir fallen eigentlich nur Fotografien ein. In Galerien, in Wohnungen, in Geldbeuteln, in Online-Profilen von Münchnerinnen und Münchnern.

Was nehmen Sie aus München mit?

Erinnerungen, an gute und an schlechte Zeiten. An das weltschönste WG-Zimmer (dessen Einrichtung eins zu eins schon in Zimmern in mehrere anderen deutschen Städten weitergenutzt wurde). An Tage im und am Eisbach. An das beste Augen-Spezialisten-Team, das auch der Grund ist, warum ich regelmäßig in München zu Besuch bin. An Uni-Partys im weißen Saal der TU. An das Wandern am Ammersee. Und an die Silent Disco mitten auf der Ludwigstraße.

Was werden Sie an München vermissen?

Eine kleine Hand voll wunderbarer Menschen. Echtes Brot und echte Brezeln. Die nahen Berge! Den Englischen Garten an einem Sommerabend. Und das Kleinstadtgefühl dieser Großstadt.

Drei Gründe, warum Sie froh sind, nicht mehr in München zu leben.

Menschen, die Hinweise auf ihren Kontostand tragen oder fahren, sind leider echt gar nicht mein Ding. Der zweite Grund: Ich kann hier nach 20 Uhr einkaufen und mit Karte zahlen. Und: Ich kann wieder als Gast zu Besuch nach München kommen. An schönen Sommertagen, wenn München wirklich eine großartige Stadt ist.

Kommen & Gehen

Mit jedem Menschen, der zuzieht, verändert sich die Stadt. Und auch mit jedem Menschen, der München verlässt, verliert die Stadt ein Stück Identität. Wir stellen sie vor.

Was werden Sie als Erstes tun, wenn Sie zu Besuch in München sind?

Mit Freunden ins Prinz Myshkin essen gehen.

Was sind Ihre Lieblingsfotomotive von München, die Sie sicher nicht von Ihrer Kamera löschen werden?

Die Pinakothek der Moderne. Nicht nur für Fotos einer meiner liebsten Orte. Am besten an grauen Herbsttagen unter der Woche.

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