Süddeutsche Zeitung

Kolumne: After Eight:Bayerische Spaßbremse

Lesezeit: 3 min

Tanzverbot zu Halloween: Denn der Spaß nehme überhand, fürchtet der Bayerische Landtag. Deshalb wird an den Feiertagen verschärft kontrolliert, ob die Musik auch aus bleibt.

Beate Wild

In München fürchtet man einen Mitarbeiter des Kreisverwaltungsreferats (KVR) mehr als einen Zombie - zumindest an Halloween. Am Samstagabend ist es wieder soweit: Vampirfratzen, blutige Wunden, Messer im Rücken - auch in München gibt es mittlerweile zahlreiche Halloween-Fans, die sich nach stundenlangem Stylen vor dem heimischen Spiegel ins Nachtleben stürzen, um als Hexenbraut oder Frankenstein-Double mal richtig auf den Putz zu hauen.

Von der Party mit den keltischen Wurzeln, die aus den USA zu uns herübergeschwappt ist, kann man halten, was man will. Sicher ist, dass es auch in diesem Jahr wieder jede Menge Ärger geben wird.

Halloween findet traditionell am 31. Oktober statt. Und genau da liegt das Problem: Es ist nämlich der Abend vor Allerheiligen, dem Feiertag der katholischen Kirche, an dem man der Verstorbenen gedenkt. Laut bayerischem Feiertagsgesetz ist dieser Tag ein sogenannter "stiller Feiertag". Das heißt im Beamtendeutsch: "Öffentliche Vergnügungsveranstaltungen", also Tanzen und laute Musik, sind verboten. Die Regelung gilt im Übrigen nicht nur für Halloween-Partys, sondern für alle Musik- und Tanzveranstaltungen, also auch für Klubabende ohne Verkleidung.

Gut, mag da jetzt mancher entgegnen, das war doch schon immer so mit dem Tanzverbot an Feiertagen. Das stimmt zwar, doch neu seit vergangenem Jahr gilt, dass dieses Tanzverbot schon ab Mitternacht greift. Der Bayerische Landtag hat 2008 eingeführt, dass ab 0 Uhr Schluss ist mit dem Feiern.

In früheren Zeiten durfte die Party weitergehen bis zur Sperrstunde des Lokals, also beispielsweise bis vier Uhr morgens. Ausnahmegenehmigungen, wie sie einst möglich waren, gibt es seit 2008 auch nicht mehr.

Die Begründung der Gesetzesänderung: Seit Wegfall der Sperrstunde 2004 in Bayern drohe eine Verrohung der Sitten, die Spaßkultur nehme überhand. Da sah sich der Bayerische Landtag zum Handeln gezwungen und erließ 2008 das deutschlandweit strengste Feiertagsgesetz. Man müsse die Leute eben zwingen, die katholischen Feiertage ernst zu nehmen, heißt es bei der Regierung von Oberbayern.

Lesen Sie auf Seite 2, was den Wirten blüht, wenn sie sich nicht an die Regeln halten.

Schluss mit lustig

Schon bei der Halloween-Nacht 2008, als die Neuregelung zum ersten Mal galt, gab es viel Ärger. Die Behörden führten Kontrollen durch, beispielsweise in der Milchbar. Ein Mitarbeiter des KVR und zwei Zivilpolizisten waren zugegen. Und obwohl die Veranstaltung als geschlossene Gesellschaft deklariert war, wurde ein Bußgeld fällig. Die Musik sei zu laut gewesen und fünf Menschen hätten sich rhythmisch bewegt, hieß es.

Auch die geschlossene Veranstaltung sei Auslegungssache, sagt man beim KVR. Geht der Wirt mit der Einlasskontrolle zu lax um, müsse er mit Konsequenzen rechnen. Das KVR und die Polizei werden deshalb am Samstagabend Kontrollen durchführen. Ab Mitternacht darf die Musik nur noch leise im Hintergrund dudeln. Tanzen ist verboten. Bei Verstößen drohen dem Wirt Bußgelder bis zu 10.000 Euro.

Viele Münchner Gastronomen helfen sich deshalb kurzerhand mit einer Verlegung der Halloween-Party auf Freitagabend aus der Patsche. In der Kultfabrik oder im M-Park ist schon ein Abend vor dem offiziellen Termin Gruseln angesagt. Andere Lokale kündigen zwar ein Halloween-Dinner am Samstag an, etwa die Grinsekatze oder das Lenbach. Laut gefeiert wird dort aber nur bis 24 Uhr, dann ist Schluss mit lustig.

Manche Klubs wiederum, wie das 8seasons oder das Pacha, organisieren eine geschlossene Gesellschaft, bei der nur Klubmitglieder oder Gäste mit persönlicher Einladung Zutritt haben. Was auch immer an Halloween abends in München los ist - ob mit oder ohne Verkleidung, ob als öffentliche oder geschlossene Gesellschaft - das KVR ist Wirten und Gästen dicht auf den Fersen.

Typisch Bayern, typisch München. Da träumt man in unserer Stadt seit kurzem davon, die neue heimliche Hauptstadt zu sein, und glaubt auch im Rest der Republik, eine neue Coolness der Münchner zu spüren - und dann so etwas. Statt offener und lockerer zu werden, macht man einen Rückschritt. Gute Nacht, München.

Die Kolumne "After Eight" erscheint jeden Donnerstag auf "München Extra", dem Stadtportal von sueddeutsche.de.

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