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Kloster:Alles im Fluss

Allerältestes Pasing: Nur eine gewaltige Steinsäule im Kellergewölbe des Inselhauses ist geblieben vom historischen Hofmarkschloss.

(Foto: Stefan Rumpf)

Die Congregatio Jesu steht vor großen Herausforderungen und Umbrüchen. Der Orden, der nächstes Jahr eine neue Leitung bekommt, hat sogar über den Verkauf der legendären Insel im Klostergarten nachgedacht

Man muss sich schon auf die Zehenspitzen stemmen, um über den Zaun einen Blick zu erhaschen auf die mysteriösen Würminsel im Klostergarten. Hinter den dichten Laubbäumen kauert ein winziges Gebäude mit rotem Ziegeldach. So unscheinbar dieses Inselhäuschen anmuten mag, so historisch bedeutsam ist es doch, denn unter ihm liegt - einsturzgefährdet und feucht - der Kreuzgewölbekeller des ehemaligen Hofmarkschlosses verborgen, mutmaßlich das älteste Stück Pasing. Während des Zweiten Weltkrieges diente er als Kartoffel- und Luftschutzkeller. Und bei den Schwestern von der Congregatio Jesu ist es Tradition, verstorbene Nonnen vor ihrer Beerdigung im kleinen Inselhaus aufzubahren.

Die Klosteranlage samt ihrem wunderschönen, großen Gemüse- und Blumengarten, samt der Obstbäume, der idyllische Würmweiher mit den historischen Burgresten und der Mariensäule auf der Insel, all das ist für die Öffentlichkeit bislang nur zu raren Anlässen überhaupt zugänglich. Könnte sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern? Planen die Schwestern etwa einen Verkauf? Zumindest bestätigen sowohl die Ordensverwaltung als auch das städtische Kommunalreferat, dass es Gespräche gegeben hat über eine Öffnung des Areals. Beide Seiten wollen sich über den Ausgang dieser Verhandlungen nicht näher äußern. Es habe auch einen Ortstermin mit Vertretern des Referats gegeben, berichtet Ansgar Nonte, Verwaltungsleiter der Congregatio Jesu. Er will nur so viel sagen: Die Gartenanlage verlange sehr, sehr viel Pflege. Daran würde sich auch bei einer öffentlichen Widmung des Areals nichts ändern.

Das Verhältnis zwischen dem Orden und der Stadt gilt als nicht ganz konfliktfrei. Hatten die Schwestern doch gehofft, nach dem Auszug der Polizeiinspektion aus der stattlichen Liegenschaft der Congregatio am Pasinger Marienplatz den perfekten Nachmieter gefunden zu haben: Das städtische Bürgerbüro, so war lange Stand der Verhandlungen, sollte von seinem Standort beim Pasinger Rathaus in die Räume des ehemaligen Instituts der Englischen Fräulein verlagert werden. Dazu waren schon aufwendige Umbau- und Sanierungsarbeiten für das Frühjahr 2020 geplant. Doch dann kam, für den Orden überraschend, die Absage. Die Behörde soll nun in einem Neubau auf dem ehemaligen Stückgutgelände umziehen.

"Alles auf Anfang", sagt Ansgar Nonte, so laute im Moment das Motto bei der Congregatio. Anfang 2020 werde es einen Wechsel an der Spitze geben. Sabine Adam, derzeit als Provinzoberin von Pasing aus für 370 Ordensmitglieder in Niederlassungen in Deutschland, Österreich, Südtirol und Ungarn zuständig, werde die Leitung abgeben. Erst wenn sich der neue Provinzrat konstituiert hat, wird der Orden laut Nonte Weichenstellungen für die Zukunft treffen. Wichtige Entscheidungen, die unmittelbar auch die historische Pasinger Klosteranlage betreffen. Nonte bestätigt, dass es mittlerweile eine ganze Reihe ernsthafter Interessenten für die ehemaligen Dienststellenräume der Polizei gebe. An die Nachmieter-Frage sei womöglich auch die Frage geknüpft, was mit dem Klostergarten und der Würminsel geschehe. Auch spiele bei allen Überlegenungen eine Rolle, dass der Garten zum Alten- und Pflegeheim des Ordens gehöre. "Letztlich müssen die Schwestern entscheiden, in welche Richtung sie gehen wollen", sagt Verwaltungsleiter Nonte.

Bereits entschieden ist hingegen die Zukunft der Kirche Maria Rosenkranzkönigin, die ans Altenheim der Congregatio anschließt. Weil die betagten Schwestern das nicht barrierefreie Gotteshaus nur noch unter Mühen nutzen können, will der Orden die sanierungsbedürftige Kirche nun aufgeben. Damit könnte es laut Nonte im ersten Halbjahr 2020 soweit sein, die Congregatio Jesu hat die Kirche bereits dem Erzbistum München und Freising als Schenkung angeboten.