Klinikum rechts der Isar:Auf der Suche nach dem Problemkeim

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Das Klinikum rechts der Isar in München kämpft mit einem mehrfach resistenten Keim. Sogar bereits entlassene Patienten müssen nun zur Kontrolle kommen.

Berit Uhlmann

Rund 200 ehemalige Patienten des Klinikums rechts der Isar bekommen in diesen Tagen Post von dem Krankenhaus. "Sie hatten unter Umständen Kontakt mit einem bestimmten Keim", heißt es in dem Schreiben: "Eine unmittelbare Gefährdung für Sie liegt nicht vor. Dennoch bitten wir Sie, einen Kontrollabstrich im Klinikum vornehmen zu lassen."

Die Sorge der Klinik gilt dem mehrfach resistenten Keim Acinetobacter baumannii, der Mitte November während einer Routineuntersuchung festgestellt wurde. Bei insgesamt 18 Patienten in einer der Intensivstationen der Klinik wurde das Bakterium gefunden, vier von ihnen zeigen noch immer akute Symptome und werden weiter auf der Intensivstation behandelt, sagte Kliniksprecherin Eva Schuster.

Der Keim ist weit verbreitet, viele Menschen tragen ihn auf der Haut oder im Darm, ohne dass er je Probleme bereitet. Wer allerdings bereits krank oder immungeschwächt ist, kann Wund- oder Lungenentzündungen als Folge der Infektion davontragen. Das Tückische: Die meisten Antibiotika haben ihre Schlagkraft gegen den Erreger verloren; im Extremfall kann das Bakterium zum Tod führen.

Um die Infektionen genau nachzuverfolgen und dokumentieren zu können, bittet das Klinikum nun alle Patienten, die in den vergangenen Wochen auf der Intensivstation lagen, zur Kontrolle ins Klinikum zu kommen, sagt Schuster. Wer nicht in München wohnt, kann den Abstrich auch beim Hausarzt im Heimatort vornehmen lassen.

Bei den meisten der bislang untersuchten Krankenhauspatienten wurde der Keim nicht nachgewiesen, sagt die Sprecherin. Wer den Erreger dennoch hat, aber gesund ist, braucht keine Behandlung, ergänzt Schuster. Er wird jedoch als Träger des Keims dokumentiert und muss damit rechnen bei erneuter Einweisung ins Klinikum oder in eine andere Einrichtung, isoliert zu werden, um eine weitere Ausbreitung des Erregers zu verhindern. Wie der Keim in die Intensivstation gekommen ist, ist nach Klinikangaben weiterhin unklar.

Multiresistente Keime sind in vielen Krankenhäusern ein Problem. Allein in Deutschland infizieren sich jedes Jahr zwischen 500.000 und einer Million Patienten mit derartigen Problemkeimen. Fast jeder siebte Patient holt sich die Infektion auf einer Intensivstation.

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