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Klinikum Harlaching:Rebellion der Chefärzte

Städtisches Krankenhaus Harlaching, 2006

Rebellion am Klinikum Harlaching: Ärzte fordern ein Zukunftskonzept.

(Foto: CATH)

Existenzangst beim Personal: Mediziner am Harlachinger Krankenhaus fordern in einem Brandbrief ein Zukunftskonzept. Einige Ärzte drohen sogar mit Kündigung und stellen Forderungen an die Klinikleitung.

Von Ekkehard Müller-Jentsch und Dominik Hutter

Alarmstimmung bei den Chefärzten der städtischen Kliniken Harlaching und Neuperlach. In ungewöhnlicher Einigkeit haben sie alle ein Schreiben an die Geschäftsleitung der städtischen Klinik GmbH unterzeichnet: Mit großer Sorge betrachten sie die Entwicklung am Klinikum Harlaching - das gelte speziell für wichtige Bereiche der Chirurgie, die für ein Haus der Maximalversorgung "essenziell und für den Erhalt von Harlaching unabdingbar" seien.

Die Chefärzte fordern endlich Aufklärung über die Zukunftsperspektive des Klinikums und wollen wissen, ob die 2011 beschlossene strategische Ausrichtung überhaupt noch Gültigkeit habe, da ihre Umsetzung nicht erkennbar sei. Zwei wichtige Chefärzte haben bereits gekündigt, weil sie nicht in einem zweitklassigen Haus arbeiten wollen. Und auch unter dem klinischen Personal macht sich Existenzangst breit - von einer "Schockstarre" ist die Rede.

Am deutlichsten bringt es die Chefärztin für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie, Wiebke Gogarten, in einem eigenen Schreiben an den medizinischen Geschäftsführer, Professor Hans-Jürgen Hennes, zum Ausdruck. Ihr Kündigungsgrund sei "die von uns Chefärzten wahrgenommene fehlende Zukunftsperspektive für den Standort Harlaching". Nur durch die Vorlage eines klaren Konzeptes würde sie sich noch umstimmen lassen. Das müsse vor allem die Ausschreibung einer Klinik für Thorax- und Allgemeinchirurgie enthalten, die Etablierung des Lungenzentrums in Harlaching - zu dessen Eröffnung tatsächlich aber für den 24. Juli in Bogenhausen bereits eingeladen wird. Es dürften auch "keine weiteren Transferleistungen von Harlaching in Richtung Bogenhausen" stattfinden.

Zur weiteren Bedingung für ihr Bleiben macht die Professorin die "Rückgewinnung" ihres Kollegen Professor Hans Hertlein, Chefarzt für Unfallchirurgie, Orthopädie und Wiederherstellungschirurgie. Ein letzter Verhandlungsversuch mit der frustrierten Medizinerin war am späten Donnerstag gescheitert.

Praktisch alle Ärzte in dem Haus sehen Harlaching in einer Krise, die ihrer Meinung nach bereits "existenzbedrohende Dimensionen annimmt". Es gebe widersprüchliche Signale und Informationen aus der Geschäftsleitung, die das ganze Personal verwirren. Mails dieser Art machen die Runde: Stadt und Geschäftsleitung müssten endlich öffentlich bekannt geben, ob Harlaching nun ein Haus der Vollversorgung bleiben oder zum Altenheim werden solle.

Was er seinen Leuten sagen solle, fragt ein Intensivmediziner: Die hätten doch längst gemerkt, "dass das Klinikum Harlaching offensichtlich geplündert wird, um es an Auszehrung zugrunde gehen zu lassen". Alle Mitarbeiter würden hoffen, dass ihnen bei der Betriebsversammlung am 18. Juli "endlich die ungeschminkte Wahrheit enthüllt wird - was immer das auch sein mag".

Für Geschäftsführer Hennes ist dieser Verdacht "nicht nachvollziehbar". Es bestehe "keinerlei Anlass zur Hysterie". Selbstverständlich sehe das medizinische Konzept eine "vernünftige Perspektive" für das Haus im Münchner Süden vor, und daran halte man sich auch. Es sei "völlig normal", dass es in einer Phase der Umstrukturierung auch Kritik gebe. Letztlich gehe es um die interne Frage einer Schwerpunktsetzung in der Chirurgie. "Wir werden eine Lösung finden", versichert er. Allerdings räumt Hennes ein, dass ein von allen Chefärzten unterschriebener Brief "in der Tat außergewöhnlich" sei. Am kommenden Montag werde er erneut über das Thema reden. "Ich nehme an jeder Chefarztkonferenz in Harlaching teil."

Die Unruhe in Harlaching ist auch beim Chef des Klinik-Aufsichtsrats, Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne), angekommen, der nun mit beiden Seiten Gespräche führen will. Klar sei: Das medizinische Konzept sehe für jeden Klinik-Standort bestimmte Aufgaben vor. "Harlaching wird nicht ausgedünnt".

© SZ vom 13.07.2013/infu
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