Klinikum Großhadern Zoff im Klinikum

Es ist von Untreue die Rede: Außerdem klagen Beschäftigte in Großhadern in einem Brief an den Landtag über ein "Klima der Angst" - der Vorstand weist die Vorwürfe zurück.

Von Stephan Handel

Das Klinikum Großhadern weist Vorwürfe gegen seinen kaufmännischen Direktor zurück und erklärt, der Vorstand stehe "geschlossen" hinter Gerd Koslowski. In einem Brief an drei Ausschüsse des Landtags war Koslowski der Untreue beschuldigt worden, der Geldverschwendung und der unrechtmäßigen Vergabe von Aufträgen. Außerdem verbreite er ein "Klima der Angst, des gegenseitigen Misstrauens und der Demotivation".

Beschäftigte in Großhadernklagen in einem Brief an den Landtag über ein "Klima der Angst".

(Foto: Michaela Rehle/Reuters)

Die Vorwürfe stehen in einem Brief, den der Münchner Rechtsanwalt Sepp-Jörg Zoglmann im Auftrag von acht Mandanten - "Beschäftigte des Klinikums unterschiedlicher Hierarchieebenen und Berufsgruppen" - Anfang November des vergangenen Jahres an Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch geschrieben hat. Dieser ist Vorsitzender des Aufsichtsrats des Klinikums.

Das Ministerium bestätigt, dass aufgrund des Briefes der Aufsichtsrat eine Arbeitsgruppe eingesetzt habe, die die angeblichen Missstände untersuchen sollte. Dabei habe sich aber keiner der Vorwürfe erhärten lassen, die Überprüfung sei deshalb abgeschlossen. Das teilte Heubisch dem Anwalt Zoglmann bereits Anfang Dezember 2010 und - auf eine weitere Nachfrage - im Januar 2011 schriftlich mit.

Einen oder mehrere Mandanten scheint diese Antwort nicht befriedigt zu haben - nun ging der Schriftwechsel an die zuständigen Ausschüsse des Landtags und an Münchner Zeitungen. Zoglmann: "Ich habe das nicht veranlasst, es wäre auch nicht mein Rat gewesen."

In einer Erklärung des Klinikums äußern sich Gerd Koslowskis und drei Vorstandskollegen zu den Vorwürfen. Burkhard Göke, der Ärztliche Direktor, lässt mitteilen: "Dass einige Mitarbeitende Veränderungen ablehnen und diese im Einzelfall für sich sogar als nachteilig empfinden, ist leider kaum zu vermeiden." Es gehe in Großhadern um eine Vielzahl neuer Bauprojekte, um die Verbesserung von Strukturen und Abläufen sowie die "Etablierung moderner Prinzipien der Unternehmensführung".

Auch Dekan Maximilian Reiser versucht, Dampf aus der Angelegenheit zu nehmen: "Von einem Klima der Angst kann keine Rede sein." In dem Schreiben an Heubisch wird behauptet, Koslowski habe über Reiser geäußert: "Will der uns anpissen? Ich habe den längeren Strahl." Dazu lässt Reiser erklären, er sehe "keine Parallelen zum realen Umgang miteinander". Und Peter Jacobs, als Pflegedirektor vierter Mann im Vorstand, sagt: "Die Arbeit des jetzigen Vorstands zeichnet sich durch wegweisende Konzepte aus."

Ein Ungemach jedoch scheint Koslowski noch nicht los zu sein: Rechtsanwalt Zoglmann schreibt, der Staatsanwalt ermittle "aus gegebenem Anlass" gegen den kaufmännischen Direktor wegen des Verdachts der Untreue. Das zugehörige Aktenzeichen trägt die Jahreszahl 2009. Barbara Stockinger, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, konnte am Freitag die Existenz eines solchen Verfahrens nicht bestätigen. Diese Bestätigung lieferte indirekt jedoch das Ministerium: Dort hieß es, man wolle "wegen des laufenden Verfahrens" nichts sagen. Das Klinikum selbst meint, es spreche für sich, dass das Verfahren seit zwei Jahren im Zustand der Vorermittlungen steckengeblieben sei.